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8-Jähriger besiegt Krebs: Justus kämpft sich zurück ins Leben

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Junge im Anzug hält großen Thor-Hammer in die Höhe.
Kleiner Mann ganz groß: Justus hat sich ins Leben zurückgekämpft. © privat

Monate des Hoffens und Bangens, Rückschläge und Fortschritte. Die Ärzte erachteten den Kampf für aussichtslos. Nun erklärt die DKMS, dass der Junge aus Niedersachsen krebsfrei sei.

Stuhr – Hinter Justus und seiner Familie liegt ein harter Kampf, Monate des Hoffens und Bangens, Rückschläge und Fortschritte. Nun berichtet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), dass der Stuhrer Junge aus Niedersachsen den Kampf gegen die Leukämie gewonnen hat – allen düsteren Prognosen zum Trotz.

Rückblick: Als Justus im Sommer nach Monaten endlich aus dem Krankenhaus entlassen wird, haben die Ärzte keine Hoffnung mehr. Sie stellen dem kleinen Blutkrebspatienten ein Palliativ-Team an die Seite. Den Eltern erklären sie, dass Justus sie bald verlassen werde. „Das habe ich dann aber nicht gemacht“, sagt der Grundschüler keck. Inzwischen ist zwar noch immer nicht alles gut, aber Justus gilt als krebsfrei. Im November war er sogar schon für ein paar Tage wieder in der Schule.

8-Jähriger besiegt Krebs: „Wir geben nicht auf, egal, was kommt“

„Wir haben immer gesagt: Wir geben nicht auf, egal, was kommt“, sagt Justus‘ Mama Telja Fänrich. Die Aussicht, dass ihr Sohn nur noch kurze Zeit zu leben haben könnte, sei ein unvorstellbarer Schock für die ganze Familie gewesen.

Trotzdem soll nicht die Traurigkeit den größten Platz einnehmen, sondern die Freude am Leben. Und so machen die Eltern das Beste aus den vermeintlich letzten gemeinsamen Wochen mit Justus. Sie feiern seinen Kindergeburtstag nach – mit Limo und Piñata, ganz wie gewünscht.

Gesundheitszustand verbessert sich während der vermeintlich letzten Wochen seines Lebens

Justus erhält Besuch von der Feuerwehr und darf mit deren Drehleiter in luftige Höhen aufsteigen. Er badet im Swimmingpool der Nachbarn, obwohl Patienten nach einer Stammzelltransplantation davon aufgrund der Keimbelastung abgeraten wird. Seine Eltern mieten einen Kinosaal, weil Justus so gerne noch einmal ins Kino gehen möchte, und besuchen mit ihrem Sohn ein Spiel von Werder Bremen.

Weil Justus bedauert, dass er womöglich nie eine Diskothek besuchen wird, organisiert die Familie den Besuch in einer ebensolchen. „Wir haben uns eine gute Zeit gemacht und das Leben gefeiert“, erzählt Telja Fänrich.

8-Jähriger besiegt Krebs: Darth Vader, Chewbacca und andere Star-Wars-Figuren

Viele liebe Menschen helfen der Familie dabei: Bei einem Besuch im Bremer Naturerlebniszentrum Botanika laufen eigens für Justus Darth Vader, Chewbacca und einige weitere Star-Wars-Figuren auf. Der Verein German Pink Force hat diese Überraschung für Justus organisiert. Der schwerkranke Junge verbringt dadurch einen unvergesslichen Nachmittag – und darf sogar sein eigenes Laserschwert bauen.

Und auch wenn Justus direkt nach der Entlassung tatsächlich starke Symptome einer erneuten Leukämie zeigt, werden diese mit jedem Tag schwächer und schwächer – und Justus aktiver und beweglicher. Als er bei einer Wasserbombenschlacht in der Nachbarschaft mitmischt, beobachtet die Mutter ihren Sohn – und hält wie vom Donner gerührt inne. „Jemand, der gehen soll, verhält sich doch bestimmt anders“, denkt sie.

Punktierung des Knochenmarks: Knochmarkspende besiegt dendes krebskranken Jungen aus Niedersachsen

Sie spricht mit dem Palliativteam und mit den behandelnden Ärzten. Am 5. August wird Justus‘ Knochenmark auf Wunsch der Eltern punktiert, um das Stadium der Krankheit zu erfassen. Das Ergebnis: Justus ist krebsfrei. Zwar gibt es noch entartete Zellen im Blut, es ist aber keine Resterkrankung vorhanden.

Die Eltern glauben kaum, was sie hören. „Können Sie uns das erklären?“, fragen sie die Ärzte. Das können sie nicht. Sie staunen gemeinsam mit Justus‘ Familie über seinen Fortschritt. Vermutlich haben die Zellen von Justus‘ Spender, entgegen aller Prognosen, still und heimlich seine Leukämie besiegt. „Wir haben dann erst mal Kindersekt getrunken“, sagt die Mutter.

Erneute Punktion des Knochenmarks bringt überraschendes Ergebnis für den schwerkranken Jungen aus Stuhr

Am 10. September heiratet Justus’ Mutter seinen Stiefvater, den „Bonuspapa“, zu dem Justus ein inniges Verhältnis hat. „Wir dachten uns, gerade ist alles gut. Wer weiß, was kommt? Die Hochzeit haben wir innerhalb von zweieinhalb Wochen auf die Beine gestellt.“

Ende September findet erneut eine Punktion statt. Ergebnis: keine Resterkrankung. Ebenso Anfang November – da waren auch die entarteten Zellen nicht mehr zu sehen. „Wir haben dann angefangen, Justus wieder auf die Schule vorzubereiten.“

Rückkehr in die Schule

Und so durfte Justus im November für sechs Tage zur Schule gehen, bevor die vierte Welle der Corona-Pandemie ihn zurück ins Homeschooling bugsierte.

Justus während der Therapie.
Justus während der Therapie. © -

Es ist noch immer nicht alles gut bei Justus. Seine Nieren haben unter der Chemotherapie gelitten, er hat Probleme mit dem Essen und Trinken. Kürzlich war er wieder für ein paar Tage im Krankenhaus, weil ein Magen-Darm-Infekt ihn stark geschwächt hatte. Trotzdem ist die Familie guter Dinge, weil das Leben gerade so viel schöner ist als noch vor einem Jahr.

Langer Leidensweg: Nach Blutkrebsdiagnose verbringt Justus Wochen und Monate im Krankenhaus

Damals, als die Blutkrebsdiagnose frisch war, als Justus über Wochen und Monate im Krankenhaus bleiben musste. Als die Eltern sich vierteilten zwischen ihrem erkrankten Kind in der Klinik, seiner großen Schwester Tjalda (heute 11) und dem kleinen Bruder Nepomuk (1), der erst zweieinhalb Wochen vor der Horrordiagnose geboren worden war und auch volle Aufmerksamkeit benötigte.

In der Weihnachtszeit 2020 lief die Suche nach einem Stammzellspender für Justus auf Hochtouren. 3 640 Personen ließen sich im Rahmen einer virtuellen Aktion ein Registrierungsset der DKMS zusenden. Die große Hilfsbereitschaft in ihrem Umfeld gab der Familie viel Kraft und Zuversicht. Gefühle, die Telja Fänrich nun gerne an andere Betroffene weitergeben möchte, indem sie Justus‘ Geschichte erzählt.

Justus ist ein begeisterter Bäcker

Und Justus? Der genießt das Leben. Spielt mit seinen Geschwistern, fährt endlich wieder Fahrrad. Und backt und backt und backt. „Justus liebt das Backen. Er sucht sich die Rezepte immer selbst aus und backt mehr, als die Familie essen kann“, sagt seine Mutter lachend.

Nun aber kann das Weihnachtsfest kommen. Die Aussichten sind gut, dass es ein fröhliches wird. Eines mit einem gesunden Justus, der freudig in die Zukunft blickt. Was er in eineinhalb Jahren machen möchte, weiß der Achtjährige schon ganz genau. Dann ist die zweijährige Anonymitätsfrist bei Stammzelltransplantationen vorüber und er darf Kontakt zu seinem Lebensretter aufnehmen.

„Ich möchte ihn unbedingt kennenlernen“, sagt Justus. Und dann wird er ihm die Geschichte erzählen, von der Zeit, als die Ärzte ihn aufgegeben hatten, die starken Zellen des Spenders aber gemeinsam mit Justus‘ Körper und seinem unbändigen Lebenswillen dem Krebs ein echtes Schnippchen schlugen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.  

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