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Der Verurteilte im Kölner Landgerichtssaal.

Erpresserischer Menschenraub

Acht Jahre Haft für Kita-Geiselnehmer

Köln - Über zehn Stunden hielt er den Leiter einer Kita als Geisel mit einem Messer gefangen, um für seine Familie Geld zu erpressen. Am Montag ist der Geiselnehmer nun verurteilt worden.

Als die Strafe von acht Jahren Haft verkündet wird, blickt der Geiselnehmer aus der Kölner Kita zu Boden. So hat er es während des gesamten Prozesses getan. Wie ein Häuflein Elend sitzt er auf seinem Stuhl in dem niederschmetternd spröden Saal des Landgerichts Köln und lässt sich von einem türkischen Dolmetscher zuflüstern, was gesprochen wird.

So unsicher der Angeklagte im Gerichtssaal auch wirkt, am 5. April offenbarte er eine andere Seite. Das wurde im Prozess spätestens an jenem Tag deutlich, als seine ehemalige Geisel, der Leiter der Kita aus Köln-Chorweiler, als Zeuge vor Gericht aussagte. „Ich spürte immer das Messer an meiner Kehle, die ganzen zehn Stunden lang“, schilderte der 52-Jährige. „Das war natürlich extrem bedrohlich für mich.“

Der Täter hatte die Einrichtung am Morgen betreten und gesagt, er wolle seine Kinder anmelden. Im Büro des Leiters zog er ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge. Er müsse jetzt etwas sehr Unangenehmes tun, sagte er. Damit begannen für den Kita-Leiter die schlimmsten Stunden seines Lebens.

Der Mann verlangte als Bedingung für seine Freilassung drei Millionen Euro und einen Fluchtwagen. Jedesmal, wenn er mit der Polizei telefonierte und erfuhr, dass das Geld noch nicht da war, wurde er aggressiver. Er fesselte sein Opfer und legte ihm eine Kabelschlinge um den Hals. Die letzte Eskalationsstufe bestand darin, dass er ihm mehrmals eine Schere in den Rücken rammte - die Schmerzensschreie sollten die Polizei davon überzeugen, dass es ihm ernst war. Das Eingreifen eines Spezialeinsatzkommandos empfand der Kita-Leiter als Erlösung.

Verteidiger Gottfried Reims hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, er wolle die Frage nach dem Warum in den Mittelpunkt stellen. Warum verübt jemand so eine furchtbare Tat? Reims charakterisierte den Angeklagten als entwurzelten Migranten. Der gebürtige Türke kam mit 26 Jahren nach Deutschland auf der Suche nach dem Glück, das sich zuhause nicht einstellen wollte. Doch das Land blieb ihm fremd. Die Sprache beherrscht er auch nach über 20 Jahren nur bruchstückhaft. Seine Ehe scheiterte, zu mehr als zu Gelegenheitsjobs reichte es nie. Da habe er schließlich „auf den Teufel gehört (...) und es ist passiert“, erklärte er seinem Anwalt.

Das Gericht wertete die von dem Angeklagten empfundene Ausweglosigkeit durchaus als strafmildernd. Gegen ihn spreche aber, dass er ein „ganz erhebliches Maß an Brutalität und Gewalt angewandt“ habe. Er habe seinem Opfer bewusst Schmerzen zugefügt. „Da könnte man auf den Gedanken kommen, das Folter zu nennen“, sagte der Vorsitzende Richter Harald Helmes.

Der Leiter der Kita nahm seinen Dienst sofort wieder auf, als die Einrichtung eine Woche nach der Tat wieder öffnete. Für die Kinder sei es wichtig gewesen, ihn zu sehen und zu sprechen und schnell in den Alltag zurückzufinden, erklärte er vor Gericht. Bis heute leidet er unter Kopfschmerzen und Verspannungen als Folge eines Stichs in den Rücken. Gravierender sind die psychischen Folgen. Durch den Prozess seien die bösen Bilder wieder hochgekommen, sagte er. Aber gleichzeitig sei das Verfahren auch ein wichtiger Schritt, um irgendwann vielleicht doch mit dem Erlebnis fertig zu werden.

dpa

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