+
Polizisten im Juli 2014 bei der Suche das der Leiche Jenisas in einem Waldstück in der Region Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Mordprozess beginnt acht Jahre nach Jenisas Verschwinden

Das Verschwinden der kleinen Jenisa bewegte im Jahr 2007 viele Menschen. Nun steht ihr mutmaßlicher Mörder vor Gericht. Wird es ein Indizienprozess oder legt der Mann, der bereits für einen anderen Kindsmord verurteilt wurde, ein Geständnis ab?

Hannover (dpa) - Er ist bereits als Mörder eines kleinen Jungen verurteilt und steht nun wegen des gewaltsamen Todes eines weiteren Kindes vor Gericht. Acht Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Jenisa in Hannover beginnt heute der Mordprozess gegen einen 44-Jährigen.

Der Mann war von Anfang an der Hauptverdächtige. Er soll die Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin in sein Auto gelockt haben und mit ihr in einen Wald bei Wunstorf gefahren sein. Dort soll er sie sexuell missbraucht und getötet haben. Jenisas Leiche wurde erst im Herbst 2014 entdeckt.

Aus Mangel an Beweisen kam der Mann seinerzeit frei. Erst nachdem er im vergangenen Jahr für den Mord an dem fünfjährigen Dano im westfälischen Herford verurteilt wurde, rückte er wieder in den Fokus der Ermittler.

Mitgefangenen soll er gesagt haben, dass er sich an der damals Achtjährigen vergangen und sie anschließend getötet habe. Die Häftlinge gaben den Hinweis auf einen Wald bei Hannover, und tatsächlich entdeckten Fahnder dort Jenisas Leiche. Dem Mann wird außerdem sexueller Missbrauch und Vergewaltigung angelastet. Zu den Vorwürfen schweigt er bislang.

Das Strafmaß liegt bei einem zweiten Mord in der Summe zwar weiter bei einer lebenslangen Haft. In dem Prozess in Hannover kann aber die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Über die Fortdauer der Haft oder eine Entlassung wird dann erst einige Jahre später entschieden.

Jenisa verschwand am 7. September 2007. Sie war auf dem Weg zu einer Tante, die aber nicht zu Hause war. Im Fahrstuhl des Hochhauses sah eine Frau das Mädchen noch, dann verlor sich die Spur. An einer Autobahn bei Wunstorf gefundene Kleidung deutete auf ein Verbrechen hin. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft lockte der heute 44-Jährige das Kind unter dem Vorwand, es nach Hause zu fahren, in sein Auto, um es zu missbrauchen.

Der Mann war bereits 2007 ins Visier der Fahnder geraten und hatte sich bei seiner Befragung in Widersprüche verstrickt. Schließlich kam er aber nach wochenlanger Untersuchungshaft aus Mangel an Beweisen frei. Er war zwar in der Nähe der abgelegten Kleidung gewesen, Zeugen hatten Jenisa in einem Wagen gesehen, der seinem Auto glich - doch nachgewiesen werden konnte ihm das Verbrechen damals nicht.

Nun steht dem Mann ein Indizienprozess bevor. Das Gericht muss prüfen, inwieweit es den Angaben der Mitgefangenen Glauben schenkt. Möglicherweise wird sich der Angeklagte im Gerichtssaal doch noch zu den Vorwürfen äußern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Notärztin von zwei Jugendlichen attackiert und schwer verletzt: Wird der Täter abgeschoben?
Rettungskräfte werden beim Eintreffen vor einem Pflegeheim von Jugendlichen angegriffen, dabei wird eine Notärztin schwer verletzt. Laut Joachim Herrmann wird nun eine …
Notärztin von zwei Jugendlichen attackiert und schwer verletzt: Wird der Täter abgeschoben?
10.200 Kilometer: Sommerferien beginnen mit Staurekord
Geduldprobe zu Urlaubsbeginn: Statt rasch zum Ferienziel zu gelangen stehen viele genervte Autofahrer stundenlang auf den Autobahnen. Der ADAC hat drei Erklärungen dafür.
10.200 Kilometer: Sommerferien beginnen mit Staurekord
Tödlicher Unfall in Niedersachsen: Zwei Männer werden aus Auto geschleudert
In Wardenburg ereignete sich am Sonntagmorgen ein schwerer Unfall, bei dem die zwei Insassen eines Autos ums Leben kamen. Der 25-jährige Fahrer hatte nach ersten Angaben …
Tödlicher Unfall in Niedersachsen: Zwei Männer werden aus Auto geschleudert
Thüringen: Widerliche Attacke auf die Autos eines Paares
Bizarrer Vorfall im thüringischen Kölleda, wie man ihn wohl nur seinen ärgsten Feinden wünscht: Zwei Autos wurden mit menschlichen Fäkalien überschüttet.
Thüringen: Widerliche Attacke auf die Autos eines Paares

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.