+
Der Angeklagte Ibrahim B. soll 2007 die achtjährige Jenisa getötet haben.

Landgericht Hannover

Lebenslange Haft für Mörder der kleinen Jenisa

Hannover - Späte Gerechtigkeit im jahrelang ungeklärten Fall der kleinen Jenisa: Das Landgericht Hannover hat den Angeklagten wegen Mordes an dem achtjährigen Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hat bereits ein anderes Kind auf dem Gewissen.

Schuldspruch acht Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Jenisa: Wegen Mordes an der Achtjährigen hat das Landgericht Hannover einen Mann zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Gericht befand den 44-Jährigen für schuldig, die Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin im Jahr 2007 erschlagen zu haben. Auslöser seien Streitereien mit der Familie der Lebensgefährtin gewesen. "Er hat beschlossen, die Familie in Unglück, in Verzweiflung zu stürzen", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in der Urteilsbegründung.

Der Mann ist bereits wegen Mordes an einem anderen Kind - dem kleinen Dano aus Herford - zu lebenslanger Haft verurteilt. Rosenbusch sagte, dass der Angeklagte jetzt mindestens 30 Jahre im Gefängnis bleiben muss.

Mit seinem Urteil entsprach das Schwurgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer lebenslangen Haftstrafe. Die Nebenklage hatte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigerin hatte mangels zwingender Tatbeweise einen Freispruch oder eine Einstellung des Prozesses verlangt.

Schon als Jenisa verschwand, hatten Familie und Fahnder den nun Verurteilten im Visier. Damals kam er aber aus der Untersuchungshaft frei, weil die Polizei ihm nichts nachweisen konnte. Die Leiche des Mädchens blieb verschwunden. Nachdem der Mann im vergangenen Jahr für den Mord an dem fünfjährigen Dano hinter Gitter kam, machten die Ermittler Fortschritte.

Mitgefangene erschlichen sich unter einem Vorwand das Vertrauen des Angeklagten. Dieser gestand ihnen offenbar die Morde an Dano und Jenisa und schilderte, wo er das tote Mädchen versteckt hatte. Die Häftlinge informierten die Justiz. Im Jahr 2014 fand sich schließlich das Skelett von Jenisa.

Was aber trieb den Verurteilten zu seinem Tun? Vor Gericht schwieg er; den Mitgefangenen gab er einen Einblick. Weil er sich als Türke immer wieder von der aus Albanien stammenden Roma-Familie seiner damaligen Partnerin gedemütigt gefühlt haben soll, entschloss er sich demnach als Strafaktion zu dem Verbrechen. Auch Dano soll er aus Rache getötet haben, weil das Kind ebenfalls zur Volksgruppe der albanischen Roma gehörte.

Prozessvorschau Landgericht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Nacht der 1000 Lichter“: Gedenken an das Loveparade-Unglück
Vor sieben Jahren fanden bei der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen den Tod. Bei einer „Nacht der 1000 Lichter“ gedachten am Sonntag Angehörige und Verletzte der …
„Nacht der 1000 Lichter“: Gedenken an das Loveparade-Unglück
Die Rückkehr des Habichtskauzes
In Deutschland soll es wieder freilebende Habichtskäuze geben. Die jungen Eulenvögel werden behutsam an ihr Leben ohne menschliche Hilfe gewöhnt. Ganz oben auf dem …
Die Rückkehr des Habichtskauzes
Bär greift Mann in italienischer Alpenregion an
Rom (dpa) - Ein Bär hat einen Mann in der italienischen Region Trentino angegriffen und verletzt. Das Tier habe den 69-Jährigen am Samstagabend in den Arm gebissen, als …
Bär greift Mann in italienischer Alpenregion an
Mit Maschinenpistole verwechselt: Shisha löst Großeinsatz bei Polizei aus
Die Beobachtung eines Nachbarn hat ein Großeinsatz der Polizei in Bielefeld ausgelöst. Er meinte, eine Maschinenpistole gesehen zu haben. In Wirklichkeit wollten zwei …
Mit Maschinenpistole verwechselt: Shisha löst Großeinsatz bei Polizei aus

Kommentare