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Siamesische Zwillinge nach drei Jahren getrennt: Sensations-OP mithilfe von virtueller Realität

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Von: Lukas Einkammerer

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Siamesische Zwillinge aus Brasilien sind nach drei Jahren voneinander getrennt worden. An der schwierigen OP waren mithilfe von virtueller Realität Ärzte aus aller Welt beteiligt.

Rio de Janeiro – Hinter den siamesischen Zwillingen Bernardo und Arthur Lima liegt eine lange, medizinische Reise. Denn als die beiden vor drei Jahren in Brasilien geboren wurden, war das Geschwisterpaar am Kopf verbunden. Solche sogenannten Doppelfehlbildungen sind sehr selten – treten im Schnitt bei nur einer von einer Million Geburten auf – und können ganz unterschiedlich schwer ausfallen. In einigen Fällen lässt sich die Verbindung leicht lösen, in anderen sind unzählige Operationen nötig. Oft ist eine Trennung auch gar nicht möglich.

Für die Lima-Brüder beginnt nun ein aufregender, neuer Lebensabschnitt. Denn sie konnten nach einer komplizierten und bahnbrechenden Prozedur, an der Ärzte aus aller Welt beteiligt waren, endlich voneinander getrennt werden. Es ist fast schon ein kleines medizinisches Wunder.

die siamesischen zwillinge Bernardo und Arthur Lima liegen in einem Bett im Krankenhaus.
Eine medizinische Sensation: Die siamesischen Zwillinge Arthur und Bernardo Lima wurden nach drei Jahren voneinander getrennt. © AFP PHOTO / RIO DE JANEIRO STATE HEALTH DEPARTMENT / ARTHUR PEREIRA

Siamesische Zwillinge aus Brasilien getrennt: Bernardo und Arthur waren am Kopf verbunden

Bei siamesischen Zwillingen unterscheiden Experten zwischen verschiedenen Formen. So können Kinder laut NetDoktor.de unter anderem an Brustkorb, Bauch und Becken verwachsen sein, oder wie im Fall von Bernardo und Arthur Lima am Kopf. Ein solcher „Kraniopagus“ stellt für Mediziner eine große Herausforderung dar und erfordert – falls eine operative Lösung überhaupt in Frage kommt – langwierige und hochkomplizierte Eingriffe, bei denen in vielen Fällen ein großes Risiko besteht.  

Bei den Lima-Zwillingen wurden insgesamt neun Operationen vorgenommen, bei denen ein 100-köpfiges medizinisches Personal über 23 Stunden lang im Einsatz war. Kompliziert wurde das Großvorhaben dadurch, dass Arthur und Bernardo wichtige Gehirngefäße teilen. „Anfangs hat niemand gedacht, dass es möglich ist“, berichtete der Neurochirurg Gabriel Mufarrej im Anschluss an die Sensations-OP, „Beide zu retten war eine historische Errungenschaft.“ Möglich gemacht wurden die Eingriffe von Gemini Untwined, einer Londoner Hilfsorganisation, die sich für die Behandlung von Kraniopagus-Zwillingen einsetzt.

Berühmte siamesische Zwillinge

- Abigail und Brittany Hensel sind an der Hüfte verwachsen und teilen von der Taille abwärts alle Organe. Durch diverse Auftritte in den US-Medien sowie ihren eigenen Dokuserien machen die beiden, die mittlerweile als Lehrerinnen arbeiten, auf ihre außergewöhnliche Situation aufmerksam.

- Lakshmi, ein 2005 in Indien geborenes Mädchen, kam mit vier Armen und Beinen auf die Welt. Grund dafür war ihr siamesischer Zwilling, dessen Kopf sich nie ausgebildet hatte. Da ihr Aussehen einer indischen Göttin ähnelte, wollten ihre Mitmenschen ihr einen Tempel errichten. Trotz vieler Gegenstimmen wurde sie letztendlich jedoch von ihrem Zwilling getrennt - und konnte sich kurze Zeit später über ihre Einschulung freuen.

Siamesische Zwillinge aus Brasilien getrennt: Virtuelle Realität half bei OP

Hochkomplexe Operationen wie die Trennung von Bernardo und Arthur Lima bedürfen höchster Präzision und medizinischer Expertise. Um sich auf den Eingriff ausführlich vorzubereiten, übten die Ärzte in Rio de Janeiro und London deshalb mithilfe von virtueller Realität und damit konzipierter Scans der Köpfe der Zwillinge den Eingriff.

„Es ist einfach wundervoll, es ist großartig, die Anatomie zu sehen und die Operation (virtuell) vorzunehmen, bevor die Kinder irgendeinem Risiko ausgesetzt werden“, äußerte sich der Chirurg Noor ul Owase Jeelani gegenüber der britischen Nachrichtenagentur PA. Die Arbeit mit virtueller Realität bezeichnete er als „Weltraum“-Technologie.

Zwar erholen sich Bernardo und Arthur derzeit noch von der Operation – und haben noch Schwierigkeiten beim Sprechen – das Ärzteteam zeigt sich jedoch zuversichtlich. „Es wird Zeit brauchen, bis sie da sind, wo wir sie haben wollen“, erklärte Gabriel Muffarey, „Aber ich glaube an sie.“ Bis dahin kann man den Beiden also nur die Daumen drücken und hoffen, dass die Heilung gut verläuft. (le mit afp)

Im US-Bundesstaat Alabama kam es bei der Geburt der Zwillinge Curtis und C‘Asya ebenfalls zu einem medizinischen Wunder.

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