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Affenpocken: Weitere Fälle in Großbritannien – Für Kinder wohl besonders gefährlich

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Von: Anna Lorenz

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Nach einem ersten dokumentierten Fall von Affenpocken am vergangenen Sonntag (8. Mai) sind zwei weitere Personen in Großbritannien mit dem Virus infiziert. Steht die nächste Epidemie bevor?

London – Am Samstag, 14. Mai, vermeldete die Gesundheitsbehörde Großbritanniens, UK Health Security Agency (UKHSA), dass sich zwei weitere Personen mit dem Affenpocken-Virus infiziert haben. Bereits vergangene Woche war ein erster Fall der Erkrankung im vereinigten Königreich registriert worden. Hierbei war darauf hingewiesen worden, dass die betroffene Person sich in Nigeria aufgehalten und die Infektion mutmaßlich dort zugezogen hatte, bevor sie nach Großbritannien reiste. Das Auftauchen weiterer Fälle erscheint, gerade in Anbetracht der Corona-Pandemie, alarmierend.

Affenpocken in Großbritannien: Zwei weitere Fälle registriert – Betroffene wurden isoliert

Von dem Affenpocken-Virus betroffen sind laut UKHSA zwei, in einem Haushalt lebende Personen. Während die eine sich gegenwärtig in häuslicher Isolation befinde, werde die andere stationär behandelt. Ein Zusammenhang zu dem vorausgegangenen Affenpocken-Fall sei laut Behörden nicht erkennbar. Bis dato ist allerdings nicht klar, wo sich die Infizierten mit dem Virus angesteckt haben.

Die Erkrankung an Affenpocken verläuft laut UKHSA in der Regel nicht lebensbedrohlich; allerdings sind die Erreger, die vor allem von Nagern, Hörnchen und Primaten übertragen werden, vom RKI in die Risikogruppe 3 einklassifiziert. Dies bedeutet nach Paragraph drei der Biostoffverordnung, dass das Virus „eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen“ kann. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland mit Affenpocken zu infizieren, gering, jedoch nimmt das RKI an, dass aufgrund des nachlassenden Pockenimpfschutzes eine Ansteckung bei Kontakt mit dem Virus stetig wahrscheinlicher wird. So verweist das Institut darauf, dass die „(Primär-)Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch [...] von ursprünglich 30% bei Einzelfällen in den 1980iger Jahren auf 73% der 1997 in der DR Kongo dokumentierten Fälle“ angewachsen ist. Am 20. Mai wurde der erste offizielle Affenpocken-Fall in Deutschland bestätigt.

Affenpocken in Europa: Kinder haben größeres Risiko – In Deutschland keine Impfung möglich

Ein von den Pocken befallenes Kind in Leopoldsville/Kongo (Archivfoto von 1961).
Humane Pockenviren sind vor allem für Kinder gefährlich. Der letzte Ausbruch von Affenpocken im Kongo zeigte ein erhöhtes Risiko infizierter Jugendlicher. (Archivbild) © picture alliance / dpa | dpa

Dem folgend, sei vor allem für Kinder, die beispielsweise auf dem Spielplatz ein erhöhtes Risiko haben, das von infizierten Eichhörnchen, Mäusen oder Ratten hinterlassene Virus via Kontakt mit tierischem Blut, Sekreten oder Tröpfcheninfektion aufzunehmen, eine Ansteckung wahrscheinlicher. Bei den letzten Ausbrüchen in den Neunzigerjahren im Kongo waren vermehrt unter 16-Jährige betroffen; zwei Prozent der infizierten Kinder unter acht Jahren starben innerhalb von drei Wochen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die bisher bekannten drei Fälle in Großbritannien noch keinen Hinweis auf eine akute Gefahrenlage im vereinten Königreich, geschweige denn in ganz Europa geben.

Zudem ist zu bedenken, dass Risikostufe 3 zwar bedeutet, dass „die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung“ bestehen kann, allerdings „normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich“ ist. Die Pockenimpfung gilt laut RKI als wirksamer Schutz gegen die Affenpocken, allerdings ist, da die WHO Pockenerkrankungen als ausgerottet bewertet, heutzutage keine derartiges Vakzin mehr zugelassen. Auch die WHO und CDC empfehlen wegen möglichen Nebenwirkungen keine Pockenimpfung. Jedoch gehen die Behörden davon aus, dass Infizierte in der Regel keinen heftigen Verlauf zu befürchten haben. Eine Therapie erfolgt symptombezogen mit dem Ziel, weitere Ansteckungen zu verhindern. Im Zuge der Erkrankung, die bis zu vier Wochen dauern kann, ist eine stetige Infektiösität gegeben, die in Hochphasen auch als „Staubinfektion“ vonstatten gehen kann – beispielsweise durch den Kontakt mit – wie bei Windpocken – abfallenden Pockenkrusten.

Die Fälle in Großbritannien müssen somit aufmerksam untersucht werden – Grund für allgemeine Beunruhigung besteht laut den Behörden allerdings bis dato nicht, da davon ausgegangen wird, dass eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung als nicht wahrscheinlich gilt. (askl mit dpa)

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