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Affenpocken-Ausbruch wurde 2021 simuliert – Test wird nun von Verschwörungstheoretikern zweckentfremdet

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Von: Anna Lorenz

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Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus.
Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus. © Andrea Männel / dpa

Wegen des weltweiten Auftretens von Affenpocken befleißigen sich Querdenker bereits jetzt, eine Verschwörung hinter den Infektionen zu vermuten. Anlass ist eine Simulation – doch Zufall bleibt Zufall.

München – Neben all den Problemen, die Corona mit sich brachte, hat die Pandemie gezeigt: Verschwörungstheorien rund um Viren scheint es nicht an Publikum zu mangeln. Während die Affenpocken bisher noch keine größeren Wellen geschlagen haben, demonstrierten im Zuge von Covid-19 tausende Menschen gegen die, ihrer Ansicht nach, zu harten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Wie viele Infektionen dabei herauskamen, ist unbekannt – doch auf der Waage der Querdenker freilich nicht beachtlich, denn die einen leugneten schlicht die Existenz des Virus, die anderen sahen eine Ansteckung als notwendiges Übel, um ihre vermeintlich verlorene Freiheit wiederzuerlangen.

Affenpocken nach Simulation – Koinzidenz ist Zufall, doch sorgt jetzt für Ärger

Dreh- und Angelpunkt der Theorien rund um die gegenwärtigen Affenpocken-Fälle ist der Umstand, dass dieses Virus Teil einer Katastrophensimulation war, die 2021 anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz durchgespielt wurde. Im Rahmen des Gedankenexperimentes sollte geprüft werden, inwieweit die Lehren aus der Corona-Pandemie den Schutz vor weiteren, gesundheitlichen Bedrohungen verbessert haben. „Es ging darum, zu prüfen, ob wir aus der Covid-Pandemie etwas gelernt haben beziehungsweise die bestehenden oder geschaffenen Prozesse auch einem leicht anderen Erregertyp und Pandemieverlauf gerecht werden“, so der Vizevorsitzende und CEO der Münchner Sicherheitskonferenz, Benedikt Franke, gegenüber der Tagesschau.

Planspiel zu Affenpocken aus dem Jahr 2021: „Welt auf Schutz vor künftigen Pandemien erschreckend unvorbereitet“

Die Affenpocken-Simulation wurde bereits seit dem Spätsommer 2020 vorbereitet. „Für das Übungsdesign wollten wir einen Erreger auswählen, der sich plausibel in unser fiktives Szenario einfügt“, erklärt Jaime Yassif, Vize-Präsidentin der Non-Profit-Organisation „Nuclear Threat Initiative“ (NTI), die das Gedankenmodell mitkonzipiert hat. Als Ausbruchszeitpunkt der simulierten Pandemie auf der SiKo aus dem Jahr 2021 wurde in dem Übungsszenario der 15. Mai festgelegt. Die Nähe des damals gewählten hypothetischen Termins zum Zeitpunkt der gegenwärtigen Affenpocken-Fälle bewirkt allerdings, dass nun im Netz Theorien rund um ein langer Hand geplantes, bewusstes Initiieren einer todbringenden Seuche kursieren.

Während Verschwörungstheoretiker und Querdenker sich die derzeitigen Affenpocken-Infektionen für ihre Zwecke zunutze machen, kann Yassif derartigen Geheimniskrämereien nichts abgewinnen. Die Koinzidenz von Simulationszeitpunkt und der gegenwärtigen Verbreitung des Virus sei als bloßer Zufall nicht der entscheidende Punkt, „sondern die Tatsache, dass die Welt auf den Schutz vor künftigen Pandemien erschreckend unvorbereitet ist und wir dringend Maßnahmen ergreifen müssen, um diese Anfälligkeit zu beseitigen“.

Mit einer durchgeplanten Virus-Verbreitung und einem Theorie-Test für die jetzige Praxis hat die Simulation derweil sicherlich nichts gemein, es handelt sich lediglich um das was es ist: Ein Zufall. Viel mehr sind Übungsszenarien dieser Art allgemein einfach gängige Praxis – so plant die WHO gegenwärtig die Simulation einer Pocken-Pandemie, um „zu erfahren, ob aus Fehlern der Vergangenheit effektive Lehren gezogen wurden“, wie Karl Lauterbach (SPD) am Donnerstag, 19. Mai 2022, zum Auftakt einer Beratung der Gesundheitsminister führender Industriestaaten ausführte. (askl)

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