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Bei einem gewaltsamen Protest gegen eine angebliche Koran-Verbrennung sind im Norden Afghanistans mindestens acht Ausländer getötet worden.

Afghanistan: Demonstranten töten UN-Mitarbeiter

Kabul - Bei Protesten gegen eine Koran-Verbrennung in den USA haben Demonstranten im nordafghanischen Masar-i-Scharif die örtliche UN-Zentrale angegriffen und mindestens fünf Ausländer getötet.

Der Sprecher der afghanischen Polizei für die Nordregion, Lal Mohammad Ahmadsai, sagte, bei allen Toten habe es sich um ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen gehandelt. Die Vereinten Nationen bestätigten Tote unter ihren Mitarbeitern. Identifiziert wurden bisher vier Sicherheitsleute aus Nepal, eine norwegische Pilotin, ein Schwede und eine Person aus Rumänien. Außerdem kamen vier Demonstranten ums Leben.

Rund 2.000 Menschen hatten am Freitag vor einem UN-Büro in der Stadt Masar-i-Scharif gegen die Verbrennung eines Korans in einer Kirche im US-Staat Florida demonstriert. Einige von ihnen eröffneten das Feuer auf Polizisten und stürmten das Gebäude. Der Sprecher der Regierung der Provinz Balch, Munir Ahmad Farhad, sagte, Demonstranten hätten das Gebäude in Brand gesteckt und Wachmänner und Polizisten, die das Gelände sicherten, mit Steinen beworfen.

Weitere 53 Menschen wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. Wie die Behörden mitteilten, wurden mehr als 20 Demonstranten festgenommen, die versucht haben sollen, Fahrzeuge und Geschäfte in Brand zu setzen.

Rückblick Blutiger Taliban-Angriff auf UN-Gästehaus

Blutiger Taliban-Angriff auf UN-Gästehaus

Erst am Freitag war aus gleichem Anlass im Norden des Landes ein UN-Büro gestürmt worden. Dabei kamen elf Menschen ums Leben. Demonstrationen gab es am Freitag außerdem in Herat im Westen Afghanistans, wo Teilnehmer eine amerikanische Flagge verbrannten. Nahe der US-Botschaft in Kabul nahmen etwa 100 Menschen an einer Protestkundgebung teil.

Am Flughafen von Masar-i-Scharif außerhalb der Stadt unterhält die Bundeswehr ihr größtes Feldlager in Afghanistan. Nach Angaben der Bundeswehr waren keine deutschen Soldaten involviert.

Reaktionen

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, sei bestürzt über die Gewalt gegenüber den Menschen, die beim Aufbau des Landes helfen wollten, sagte UN-Sprecher Farhan Haq am Freitag. 

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte die mutmaßliche Koran-Verbrennung vergangene Woche als Verbrechen gegen die Religion verurteilt und die USA und die Vereinten Nationen aufgerufen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

US-Kirche fühlt sich nicht für Gewalt verantwortlich

US-Pastor Terry Jones

Der US-Pastor Terry Jones hatte im vergangenen Jahr gedroht, am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September eine Kopie des Korans zu verbrennen. Nach heftiger Kritik erklärte er zunächst, von seinem Vorhaben absehen zu wollen. Am 20. März wurde der provokante Akt nach Angaben der Kirche dennoch in die Tat umgesetzt.

Der US-Pastor Wayne Sapp, der ebenfalls an dem von Jones geleiteten Dove Outreach Center in Florida predigt, bezeichnete die jüngsten Gewaltausbrüche in Afghanistan am Freitag als “tragisch“. Trotzdem bereue er die Handlungen seiner Kirche nicht. “Ich fühle in keinster Weise, dass unsere Kirche verantwortlich ist für das, was passiert ist“, sagte Sapp.

NATO wehrt Angriff auf Stützpunkt ab

Unterdessen wehrten NATO-Soldaten am Samstag einen Anschlag auf einen ihrer Stützpunkte in Kabul ab und töteten dabei mindestens zwei der Angreifer. Drei NATO-Soldaten wurden nach Angaben des Militärbündnisses bei dem Angriff verletzt. Mindestens einer der Aufständischen habe möglicherweise eine Sprengstoffweste getragen. Der Polizeichef der Provinz Kabul sagte, Berichten zufolge habe es sich insgesamt um drei Angreifer gehandelt. Zwei von ihnen seien getötet worden, als ihre Sprengstoffwesten detoniert seien. Ein dritter sei angeschossen worden.

dpa/dapd

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