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Afghanistan: Regierungsminister heute Fahrradkurier in Leipzig - „Job macht mir Spaß“

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Von: Patrick Freiwah

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Fahrradkurier eines Lieferdienstes (Symbolbild)
Fahrradkurier eines Lieferdienstes (Symbolbild). © Arnulf Hettrich/Imago

Vormals einflussreicher Minister in Afghanistan - heute Fahrradkurier in Ostdeutschland: Ein 50-Jähriger erklärt seinen außergewöhnlichen Werdegang und die Vorgänge in der Heimat.

Kabul/Leipzig - Die dramatischen Geschehnisse in Afghanistan verfolgt Syed Ahmad Shah Sadaat nur noch aus der Ferne: Der 50-Jährige erlebte vor wenigen Jahren am Hindukusch einen steilen politischen Aufstieg, der ihn innerhalb kurzer Zeit zum Kommunikationsminister seines Heimatlandes beförderte.

Wie die Bild schildert, war der gebürtige Afghane mit seiner Familie früh nach Großbritannien ausgewandert, wo er Elektrotechnik studierte und als Erwachsener Karriere in der Mobilfunkbranche machte. Ein Auftrag seines Arbeitgebers führte ihn schließlich 2016 nach Afghanistan, wo Präsident Aschraf Ghani auf ihn aufmerksam wurde und ihm prompt einen Posten im Ministerium anbot. „Ich habe dort zwar viel weniger verdient, aber ich wollte meinem Land dienen“, erklärt der Mann sein Abenteuer - das jedoch längst beendet ist: Heute fährt er für einen bekannten Lieferdienst in Leipzig Pizzas und andere Gerichte an die Kundschaft aus.

Afghanistan: Politische Karriere in der Heimat - Heute Fahrradkurier

An die Spitze des Ministeriums gelangte Sadaat angeblich deswegen, weil sein Vorgesetzter wegen „krimineller Machenschaften“ entlassen wurde, führt das Portal aus. Die Verantwortung war groß, sogar ein Satellit zur Verbesserung des Mobilfunknetzes sei geplant gewesen. Doch der Plan ist gescheitert und mittlerweile fährt der 50-Jährige in Leipzig mit dem Rad herum und verdient Geld damit. Was ist passiert? Die Wendung sei folgendermaßen verlaufen:

Als sich in Afghanistan der Vormarsch der Taliban ankündigte, habe ein enger Kreis um den ehemaligen Machthaber Ghani angeblich Gelder aus der Staatskasse „abgezwackt“ und von langer Hand die Flucht ins Ausland vorbereitet. Ob die These stimmt? Bis heute nicht bewiesen, wie Bild erklärt. Im Gespräch mit Merkur.de hatte kürzlich ein Nahostexperte geschildert, wie er die Vorgänge in Afghanistan bewertet.

Der Lieferando-Kurier aus Leipzig führt aus, korrupte Gefolgsleute von Ghani hätten ihn 2018 ins Visier genommen und seinen Rücktritt erzwungen. Hier entschied sich der für kurze Zeit einflussreiche Afghane dann offenbar zur zweiten Flucht aus seiner Heimat und landete diesmal in Deutschland. „Hier fühle ich mich sicher“, schildert Sadaat und erklärt, dass dieser Faktor für ihn wichtiger sei als der Verdienst:. „Ich bin kein reicher Mann mehr, aber der Job macht mir Spaß und das Geld reicht zum Leben.“

Afghanistan: Lieferando-Kurier appelliert an deutsche Bevölkerung

Mit einem Appell richtet sich der Ex-Politiker aus Afghanistan auch an die deutsche Bevölkerung, die Bild zitiert: „Die Welt muss jetzt an der Seite des afghanischen Volkes stehen! Sonst werden die Probleme dort auch zu unserem Problem hier in Deutschland.“ Ähnlich hat sich kürzlich der Kommandeur der Anti-Taliban-Bewegung im deutschen TV geäußert: Europa müsse sich auf eine neue Flüchtlingswelle gefasst machen. Jetzt habe Deutschland noch die Chance, dagegen vorzugehen.

Währenddessen ist ein Selbstmordanschlag mit vielen Toten der neue Tiefpunkt in der jüngsten Afghanistan-Entwicklung. US-Präsident Joe Biden nahm zu den Vorfällen Stellung, die dem Vernehmen nach nicht von den Taliban ausgingen:

Afghanistan ist ein Land, mit dem heute vor allem Krieg und Terror assoziiert werden. Dabei kennt der Staat auch gute Zeiten und bietet beeindruckende, weitgehend unberührte Naturschönheiten. Was ist passiert? Chronologie der vergangenen 25 Jahre. (PF)

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