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Aidsepidemie erreicht neuen Höchststand

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- Genf/Berlin - Mehr Infektionen, mehr Tote: Trotz einzelner Lichtblicke hat die weltweite Aidsepidemie mit 39,5 Millionen Infizierten einen neuen Höchststand erreicht. Bis zum Jahresende werden sich weltweit 4,3 Millionen Menschen neu mit dem Aidserreger HIV angesteckt haben.

2,9 Millionen Aidstote verzeichnet der Weltaidsbericht 2006, der in aktualisierter Fassung am Dienstag vom Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS der Vereinten Nationen in Genf und Berlin vorgestellt wurde. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) betonte: «Inzwischen sind fast die Hälfte der Infizierten weltweit Frauen, vor zehn Jahren waren es nur 12 Prozent.»

Die Bundesregierung werde bei der G8- und EU-Ratspräsidentschaft das Thema Aids und die besondere Unterstützung für Frauen und Mädchen hochrangig auf die Agenda setzen, betonte die Ministerin. Rund 400 Millionen Euro will Deutschland 2007 für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit weltweit einsetzen.

In Deutschland stagniert die Zahl neuer Infektionen auf hohem Niveau: Im ersten Halbjahr 2006 wurden 1197 neue Fälle gemeldet. Vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, hat sich die Zahl der Neuansteckungen von 2001 bis 2005 wieder mehr als verdoppelt. «Aber auch Migranten sind hier zu Lande weit schlechter über HIV und Aids informiert als Deutsche», kritisierte Ulrich Heide, Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung in Berlin. «Wir alle wissen nicht erst seit der Vogelgrippe, dass Infektionskrankheiten vor keiner Grenze Halt machen.» Allein in den vergangenen 18 Monaten hätten Betroffene aus 112 Herkunftsländern, die in Deutschland leben, bei der Aidsstiftung um Hilfe gebeten.

Nach wie vor wird Afrika südlich der Sahara am stärksten von dem Immunschwächevirus heimgesucht: Dort leben fast zwei Drittel aller Infizierten (63 Prozent). Zwar sei der Anteil der Infizierten in einigen Ländern der Region zurückgegangen, diese Trends seien aber weder stark noch weit verbreitet genug, um die Epidemie wirklich zu schwächen, betonte UNAIDS. Fast drei Viertel (72 Prozent) aller Aids- Todesfälle gab es im Süden Afrikas (2,1 Millionen). Den stärksten Anstieg der HIV-Infektionen verzeichnet der Bericht in Ost- und Zentralasien sowie Osteuropa. Dort gab es 2006 etwa ein Fünftel (21 Prozent) mehr Infizierte als noch 2004.

Weltweit erhalten nach UNAIDS-Angaben nur etwa ein Viertel der 6,8 Millionen Bedürftigen Medikamente. Im Kampf gegen Aids fehle viel Geld: 2006 stünden weltweit voraussichtlich 8,9 Milliarden US-Dollar (6,9 Millionen Euro) zur Verfügung. Benötigt würden aber 14,9 Milliarden Dollar. Zahlreiche Hilfsorganisationen klagen, dass die reichen Länder hinter zugesagten Hilfszahlungen zurückbleiben. Würden die vorhandenen Behandlungs- und Vorbeugemethoden umgesetzt, ließen sich bis Ende 2020 etwa 29 Millionen neue Infektionen verhindern, berichtete UNAIDS. Allein bis 2015 würde das 24 Milliarden Dollar Behandlungskosten sparen.

In Asien, der am zweitstärksten betroffenen Region, leben 8,6 Millionen Menschen mit HIV/Aids. In Indien sind 5,7 Millionen infiziert, es ist damit vor Südafrika (5,5 Millionen) das Land mit den meisten Betroffenen. Zunehmend werden Inderinnen infiziert, weil sich ihre Männer bei Prostituierten anstecken - in Bombay sind laut UNAIDS bis zu 54 Prozent der Prostituierten HIV-positiv. Verseuchte Drogenspritzen haben 44 Prozent der 650 000 Betroffenen in China infiziert.

In den reichen Ländern West- und Zentraleuropas sowie den USA leben insgesamt 2,4 Millionen HIV-Infizierte, etwa 290 000 steckten sich 2006 neu an. Mitverantwortlich für die kaum sinkenden Zahlen sei auch der durch die neuen Medikamente hervorgerufene Gedanke, «dass HIV kein Todesurteil mehr sein muss», sagte UNAIDS-Direktor Bertil Lindblad. «Vor 15 Jahren war Aids in den Großstädten sichtbar, heute ist das nicht mehr der Fall.» Die Gefährlichkeit der Krankheit müsse wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken. «Schließlich wird die Zahl der Menschen mit HIV/AIDS auch bei uns jedes Jahr größer», sagte Heide.

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