Airbus-Passagier: "Ich dachte, nun ist alles aus"

Singapur - Die Notlandung des A 380 in Singapur ist glimpflich ausgegangen. Doch an Bord durchlebten die Menschen bange Minuten, als sie sahen, wie Teile aus dem Flügel brachen. Jetzt spricht ein Passagier über seine Todesangst. 

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In der Economy-Klasse saß auch der Deutsche Ulf Waschbusch (33), der sich auf seinen Urlaub in Australien freute. “Der Start verlief ganz normal, ich saß auf der linken Seite direkt am Flügel der Maschine, auf einem Fensterplatz und sah hinaus“, sagt Waschbusch, der seit März in Singapur als Produktionsleiter für eine Computerspiele-Plattform arbeitet. “Nach fünf Minuten hörten wir dann plötzlich einen Knall, von links. Ich sah dort dann Teile aus dem Flügel brechen.“ Es sei wie im Film gewesen, “ganz surreal, nur, dass man nicht im Kino sitzt und einen Horrorfilm anschaut“, sagte er. Nur einen kurzen Moment sei der Gedanke “Nun ist alles aus“ dagewesen, sagt Waschbusch. “Man bekommt erstmal Panik und fragt sich sofort: was passiert als nächstes?“

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Die Maschine sei aber völlig ruhig weitergeflogen. “Es hat nichts geruckelt, so waren wir alle ziemlich schnell beruhigt“, sagte Waschbusch weiter. “Niemand ist schreiend aufgesprungen oder so.“ Die Passagiere hätten sich unterhalten und abgewartet. “Man denkt: es wird schon irgendwie gehen.“ Die Piloten hätten die mehr als 400 Passagiere an Bord ständig auf dem Laufenden gehalten. “Wir wussten dann, dass wir noch kreisen mussten, um Benzin abzulassen.“ Die Landung sei schließlich völlig unspektakulär verlaufen. Die Maschine rollte allerdings bis ans Ende der Landebahn und nicht zum Terminal. Weil aus dem Triebwerk Benzin auslief, mussten die Passagiere zunächst noch mit dem Aussteigen warten. “Da wurden viele Leute nervöser als vorher“, sagt Waschbusch.

Die Klimaanlage des Flugzeugs fiel aus, und die Temperatur an Bord stieg in dem tropischen Klima schnell. Waschbusch, der fünf Tage in Sydney und Auckland in Neuseeland verbringen wollte, hat erstmal genug vom Urlaubmachen. “Wenn einem im Flugzeug unterwegs ein Stück vom Flügel abfällt, vergeht erstmal die Urlaubsstimmung“, sagt er. “In diesem Jahr wird das wohl auch nichts mehr.“ Vom Fliegen lasse er sich nicht abhalten. “Aber es muss ja nicht gleich morgen sein“, meinte er.

dpa

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