Todkranker britischer Junge

Alfie Evans darf nicht ausreisen - erneute Niederlage für Eltern

Die Eltern des todkranken britischen Jungen Alfie Evans kämpfen vor Gericht dafür, dass ihr Sohn zur Behandlung nach Rom ausgeflogen werden darf. Ein Flugzeug stünde bereit. 

London/München - Update vom 25. April 2018: Die Eltern von Alfie kämpften weiter für die Ausreise ihres todkranken Sohns. Sie legten Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts ein. Nun haben sie britischen Medien zufolge erneut eine Niederlage vor Gericht hinnehmen müssen. Der knapp zwei Jahre alte Junge darf demnach nicht nach Italien ausgeflogen werden. Die Richter am Berufungsgericht in London wiesen am Mittwoch Anträge der Eltern ab, eine frühere Entscheidung zu kippen. Fraglich ist, ob ihn seine Eltern zum Sterben mit nach Hause nehmen dürfen.Der schwerkranke britische Junge Alfie Evans würde in Deutschland nach Expertenansicht „selbstverständlich auf Wunsch der Eltern weiterbehandelt“. Das sagte der Professor für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum München, Nikolaus Haas, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in London.

Der knapp zwei Jahre Alfie hat eine schwere neurologische Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Die Ärzte im Kinderkrankenhaus Alder Hey in Liverpool halten weitere lebenserhaltende Maßnahmen für sinnlos, weil die Krankheit das Gehirn des Kindes fast vollständig zerstört haben soll. Sie wollen Alfie weiteres Leiden ersparen und ihn deshalb so bald wie möglich sterben lassen. Die Eltern dagegen wollen, dass Alfie solange wie möglich lebt und in Italien weiter behandelt wird.

Ausreise nach Italien abgelehnt - Eltern kämpfen

Die zuständigen Richter bestätigten jedoch in mehreren Instanzen die Auffassung des Krankenhauses in Liverpool. Am Montag wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt. Das Kind atmet seitdem von selbst. Nachdem ein weiterer Antrag, das Kind nach Italien bringen zu dürfen, am Dienstag abgelehnt wurde, legten die Eltern erneut Berufung ein. Die Verhandlung dauerte am Mittwoch noch in den Abendstunden an.

In einer Online-Petition forderten derweil mehr als 400 000 Menschen, Alfie ausreisen zu lassen. Dutzende Unterstützer demonstrieren seit Tagen vor dem Krankenhaus in Liverpool. Auch der Papst hatte sich für Alfies Eltern stark gemacht.

Italiener wollen Alfie im Eiltempo einbürgern

Die italienische Regierung hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Alfie ins vatikanische Kinderkrankenhaus Bambino Gesù zu bringen. Der Innenminister und der Außenminister brachten im Eilverfahren die italienische Staatsangehörigkeit auf den Weg. Das Kabinett segnete den Vorstoß ab. Auf dem Flughafen Ciampino steht eine Maschine der Luftwaffe bereit, die Alfie nach Italien transportieren könnte.

Deutscher Medizinprofessor verwundert

Alfies Vater, Thomas Evans, äußerte die Hoffnung, sein Sohn könne, wenn schon nicht nach Italien, dann doch wenigstens nach Hause gebracht werden. Ein Vorschlag, den ein Richter bereits am Dienstag ins Spiel gebracht hatte. Das Krankenhaus zeigte sich aber skeptisch. Eine sofortige Verlegung sei wegen der „Feindseligkeit“ der Unterstützer von Alfies Eltern gegen die Krankenhausmitarbeiter zur Zeit unmöglich.

Der deutsche Medizinprofessor Haas zeigte sich verwundert, dass Alfie nicht schon lange bei seinen Eltern ist. In Deutschland gebe es Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen, die in einem ähnlichen Zustand zu Hause betreut würden.

In die Kontroverse schaltete sich zuletzt auch Polens Präsident Andrzej Duda ein: „Alfie Evans muss gerettet werden“, schrieb er am Mittwoch beim Kurznachrichtendienst Twitter.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP / ACTION4ALFIE

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flugzeugentführung? Maschine muss wegen Fehlverhalten eines Passagiers umdrehen
Zu einem Flugzeug, das von Dubai nach Kabul unterwegs war, hat es Meldungen einer Entführung gegeben. Jetzt hat sich die Fluggesellschaft zu Wort gemeldet. 
Flugzeugentführung? Maschine muss wegen Fehlverhalten eines Passagiers umdrehen
Giftquallen-Alarm auf Mallorca: Badeverbote verhängt
Kurz vor Sommerbeginn ist an der mallorquinischen Küste eine äußerst giftige Qualle aufgetaucht. An vielen Stränden wurde deshalb die rote Flagge gehisst. 
Giftquallen-Alarm auf Mallorca: Badeverbote verhängt
Nach Hundeangriff auf Syrer in Magdeburg - 23-Jähriger im Gefängnis
Nach der Beißattacke von Hunden auf einen Syrer in Magdeburg ist Haftbefehl gegen den Hundehalter erlassen worden.
Nach Hundeangriff auf Syrer in Magdeburg - 23-Jähriger im Gefängnis
Bombe in Dresden soll ferngesteuert entschärft werden
Auch gut 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Bergung von Munition in Städten wie Dresden beinahe Alltag. Doch dieses Mal ist alles anders.
Bombe in Dresden soll ferngesteuert entschärft werden

Kommentare