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"Alle wollen nach Hause"

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- München/Ko Lanta - Einen Tag nach der verheerenden Flutkatastrophe laufen in den Krisengebieten die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Immer noch gibt es aber keine gesicherten Erkenntnisse, wie viele deutsche Touristen unter den tausenden Opfern sind. Der Deutsche Reisebüroverband (DRV) sprach von mindestens vier toten Deutschen.

Die Toten waren nach Angaben des Reisebüroverbands bei den Aufräumarbeiten nach der Todeswelle gefunden worden. Weitere Angaben machte der Verband nicht. Insgesamt seien 8200 Deutsche in den am schlimmsten betroffenen Gegenden auf den Malediven, in Sri Lanka und im thailändischen Phuket.

Passagiere warten in Zeltstadt auf Rückflug

Die Veranstalter arbeiten mit Hochdruck daran, die Kunden nach Hause zu bringen. Tui, Thomas Cook und Rewe-Reisen schicken mehrere leere Maschinen täglich in die Gebiete, um die Urlauber zurückzuholen.

Meldungen über chaotische Zustände bei der Rückreise kommen aus Sri Lanka. Auf dem Flughafen Colombo sei wegen Überlastung des Terminals inzwischen eine Zeltstadt für die Wartenden aufgebaut worden, sagte ein LTU-Sprecher. Auch herrsche eine recht aggressive Stimmung, um noch einen Platz in den Flugzeugen zu bekommen.

"Alle wollen nach Hause."

Am Strand der Insel Ko Lanta in Südthailand laufen unterdessen die Aufräumarbeiten: Die Besitzer von Strandrestaurants und Bungalowanlagen befreien das, was die Welle übrig gelassen hat, von angeschwemmtem Sand und Matsch. An vielen Stellen sind die meist einfachen Bambushütten komplett zusammengebrochen.
Die Besitzerin des Lanta River Sand Resort hat bis auf zwei alle Hütten der vorderen Reihe am Strand verloren. Wasser und Strom funktionieren nicht. Die Nacht hat sie mit ihren Angestellten und einigen Gästen unter freiem Himmel verbracht, auf einem Hügel in sicherer Entfernung zum Meer. "Seit 34 Jahren lebe ich am Meer, aber so etwas habe ich noch nie erlebt."

Wie es mit dem Resort weitergehen soll, weiß sie noch nicht. Bislang hatte sie nicht viel Zeit zum Nachdenken: Bis in die Nacht versorgte sie ihre Gäste auf dem Hügel mit Essen und Trinken. Das erste, was sie vor den Fluten rettete, war der Safe mit den Dokumenten der Gäste.

Noch höher den Berg hinauf gleicht die abgelegene Bungalowsiedlung namens Lanta Hala Bala House einem Flüchtlingslager. Pierre und Sabine aus Tirol haben die Nacht auf dem Balkon eines bereits mit anderen Urlaubern belegten Zimmers verbracht. Sie wollen eine weitere Nacht oben bleiben. "Ich habe gehört, dass es bis zu 48 Stunden lang Nachbeben geben kann. Da bleibe ich lieber in Sicherheit", sagt Sabine.

Internet-Preise haben sich verdoppelt

Die Küstenstraße ist unterdessen passierbar, vorbei an kaputten Booten und demolierten Pickup-Trucks. Im touristischen Hauptort Ben Saladan drängen sich die Urlauber in den Reisebüros - alle wollen so schnell wie möglich die Insel verlassen. Noch ist unklar, wann die Fähre wieder fährt. Ein Urlauber aus Darmstadt versucht, der Frau im Reisebüro klarzumachen, dass er keine Anzahlung leisten kann: "Mein ganzes Geld ist weggespült worden." Überfüllt sind auch die Internetcafés, alle wollen daheim Nachricht geben. Der Preis für die Minute hat sich seit der Welle verdoppelt.

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