+
Amnesty-Delegierte hatten sich dafür ausgesprochen, sich für die volle Entkriminalisierung aller Aspekte einvernehmlicher Sexarbeit einzusetzen. Foto: Jeroen Jumelet/Archiv

Amnestys Vorstoß zur Legalisierung von Prostitution erntet Kritik

Gegen Strafen für Prostitution will sich Amnesty International künftig einsetzen - Frauenrechtler sind empört. Doch es gibt auch Unterstützung für die umstrittene Empfehlung.

Berlin (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erntet Kritik für ihren Vorstoß, sich künftig weltweit für die Entkriminalisierung von Prostitution stark zu machen. "Geht's noch?", fragte das Frauenmagazin "Emma" am Mittwoch auf Twitter.

Amnesty-Delegierte aus aller Welt hatten sich am Dienstag in Dublin dafür ausgesprochen, sich für die volle Entkriminalisierung aller Aspekte einvernehmlicher Sexarbeit einzusetzen.

Die "Emma"-Redaktion um Deutschlands bekannteste Feministin Alice Schwarzer veröffentlichte auch einen Artikel als Reaktion auf den neuen Kurs: "Amnesty will Zuhälter schützen", heißt es darin. Die Organisation habe "endgültig jede Glaubwürdigkeit verloren". Sie wolle "ausgerechnet diejenigen, die Milliarden an dem Handel mit Frauen verdienen, vor Bestrafung schützen".

Die Empfehlung wurde am Dienstag beim International Council Meeting getroffen - einer Art Hauptversammlung der internationalen Bewegung von Amnesty. Damit ist die internationale Führung von Amnesty befugt, eine entsprechende Politik zum Umgang mit Prostitution zu entwickeln.

Die Hilfsorganisation Solwodi, die für Opfer von Zwangsprostitution eintritt, übte ebenfalls scharfe Kritik. "Amnesty stellt sich auf die Seite von Zuhältern und Menschenhändlern", sagte die Gründerin und Frauenrechtlerin Lea Ackermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Unterstützung gab es indes vom Deutschen Frauenrat: Der Beschluss sei eine Stärkung für die Frauenrechte, sagte die stellvertretende Vorsitzende Susanne Kahl-Passoth. Johanna Weber, politische Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen, sagte: "Wir brauchen mehr Rechte, denn das ist unser Schutz, und keine Verbote."

Schon der Entwurf der Amnesty-Empfehlung hatte Kritik geerntet: Prominente wie Meryl Streep und Kate Winslet hatten einen Aufruf an Amnesty unterstützt, auf den nunmehr vollzogenen Schritt zu verzichten. Amnesty selbst wies darauf hin, man habe vor der Empfehlung zahlreiche Betroffene angehört. Eine aktuelle Reaktion auf die Kritik gab es zunächst nicht.

Artikel "Emma"

Amnesty-Mitteilung

Tweet Emma

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuseeländer findet zufällig seine Lottoscheine wieder und kann es nicht fassen
Es gibt Dinge, die sind einfach unglaublich. Zwei Wochen lang hat ein Neuseeländer zwei Lottoscheine mit sich herumgetragen und überhaupt nicht daran gedacht. 
Neuseeländer findet zufällig seine Lottoscheine wieder und kann es nicht fassen
Zwei Bandidos-Rocker in Köln niedergeschossen - Täter weiter auf der Flucht 
Zwei Männer sind am Dienstagnachmittag mitten in Köln niedergeschossen worden. Die Polizei sucht unter Hochdruck weiter nach dem Täter. Ermittler haben einen …
Zwei Bandidos-Rocker in Köln niedergeschossen - Täter weiter auf der Flucht 
Balkonbrüstung reißt ab: Mann fällt in Tiefe und stirbt
Hamburg (dpa) - Weil die Balkonbrüstung aus der Verankerung riss, ist ein Mann in Hamburg aus dem zweiten Stock in die Tiefe gefallen und ums Leben gekommen.
Balkonbrüstung reißt ab: Mann fällt in Tiefe und stirbt
Polizisten finden sich in Erotik-Fesselszene wieder
Nach einem Polizeieinsatz in der Pfalz haben die Beamten eine Einladung zu einem erotischen Fesselkurs à la "Fifty Shades of Grey" bekommen.
Polizisten finden sich in Erotik-Fesselszene wieder

Kommentare