Amokfahrer entschuldigt sich bei Opfern

Oldenburg - Der wegen einer Amokfahrt mit 20 Verletzten angeklagte 20-Jährige hat vor dem Landgericht Oldenburg die Tat weitgehend eingeräumt und sich bei den Opfern entschuldigt.

“Ich bin in Panik geraten. Ich wollte nur noch weg“, hieß es in einer von seinem Anwalt am Mittwoch verlesenen Erklärung. Gleichzeitig betonte der Litauer jedoch, dass er nicht vorsätzlich gehandelt habe. Der Mann war laut Anklage am 1. Mai 2010 in Friesoythe (Landkreis Cloppenburg) mit seinem Auto betrunken absichtlich zweimal in eine Menschenmenge gerast. Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Lebensgefährliche Verletzungen hatte damals eine 19-jährige Lehramtsstudentin davongetragen. Sie hatte unter anderem wegen eines Schädelbruchs und eines Schädelhirntraumas sechs Tage im Koma gelegen und insgesamt sieben Wochen in Krankenhaus und Rehabilitation verbracht. Die Frau sagte unter Tränen vor Gericht: “Ich werde auf jeden Fall eineinhalb Jahre länger studieren müssen, wenn ich das überhaupt kann.“ Seit dem Unfall habe sie den Geruchssinn verloren und könne schlecht schmecken. Schnell bekomme sie Kopfweh, könne sich nicht lang konzentrieren und sich nur schwer etwas merken. An den Unfall selbst und die zwei Wochen danach könne sie sich nicht erinnern. 

Opfer schildern Folgen durch Unfall

Ein 19-jähriges Opfer schilderte, dass er von dem Auto auf die Motorhaube geschleudert worden und dann auf die Straße gefallen sei. Er sei hinter dem Auto hergelaufen. Als das Auto stoppte, habe er die Fahrertür aufgerissen und den Litauer angeschrien. Der Angeklagte habe mit einem Bier in der Hand am Steuer gesessen und sei dann wieder angefahren. Die beiden Opfer gehören zu den insgesamt sieben Nebenklägern in dem Verfahren. Neben ihnen hat das Gericht noch rund 30 Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Bis Ende Oktober sind vorerst weitere fünf Verhandlungstage anberaumt.

Angeklagter kann sich an Einzelheiten nicht erinnern

Vor Gericht gab der Angeklagte an, dass er im Sommer 2009 das Gymnasium in Litauen abschloss und dann eigentlich zur Polizei oder studieren wollte. Er sei aber zunächst nach Deutschland gekommen, um sich das Geld für Ausbildungszeit oder Studium zu verdienen. An alle Einzelheiten des Vorfalls könne er sich nicht erinnern. Die Zusammenstöße führte er Unerfahrenheit und Trunkenheit zurück. Am Vorabend des 1. Mai sei er von dem Vorarbeiter in seiner Firma zur Teilnahme an einer Feier aufgefordert worden. Dort habe er sehr viel getrunken und anschließend nicht geschlafen. Am nächsten Morgen habe der Vorarbeiter ihm die Schlüssel zu seinem Wagen gegeben und zum Fahren aufgefordert. Der Vorarbeiter habe seines Erachtens gewusst, dass er keinen Führerschein hatte. Nach Angaben des Gerichts waren am 1. Mai gegen 10.00 Uhr auf der Straße mehrere hundert Fußgänger mit rund 20 Bollerwagen unterwegs. Der Angeklagte soll zu diesem Zeitpunkt 1,69 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Als er die Menge erreichte, habe er gebremst, dann aber wieder beschleunigt und sei in die Gruppe gefahren. Dabei waren acht Menschen verletzt worden. Der damals 19-Jährige habe kurz gehalten, dann aber erneut stark beschleunigt. Er habe seinen Wagen in eine weitere Personengruppe gelenkt, die mitten auf der Straße stand. Eigentlich habe er flüchten wollen und darum den möglichen Tod der Menschen billigend in Kauf genommen. Bei dieser Tat seien zwölf Menschen zum Teil schwer verletzt worden.

dapd

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