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Auf dem Hof eines Autohauses in Wendlingen endete der Amoklauf des 17 Jahre alten Tim K. In den Scheiben des Autohauses klafften dicke Einschusslöcher.

Winnenden-Amoklauf

Mitschüler schildern: So tickte Tim K.

Stuttgart - Im Prozess gegen den Vater des Winnenden-Amokläufers haben am zweiten Verhandlungstag Ex-Mitschüler des Täters ausgesagt. Im Mittelpunkt der Vernehmungen stand Tim K.s Persönlichkeit.

Am zweiten Verhandlungstag sollte auch die Frage geklärt werden, ob Tim K. Zugang zum Waffenschrank seines Vaters hatte. Die früheren Mitschüler beschrieben Tim wie auch im ersten Prozess als ruhigen, netten und ganz normalen Jugendlichen.

Die Zeugen gingen mit Tim in die neunte und zehnte Klasse der Albertville-Realschule in Winnenden. Dort und bei seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen hatte Tim im März 2009 15 Menschen getötet und 14 weitere verletzt. Anschließend nahm er sich das Leben.

Ein heute 22-Jähriger sagte am Montag: „Er war normal, ruhig, wie jeder andere auch.“ Ein anderer Klassenkamerad beschrieb Tim als „sehr freundlich“. Mit dem 17-Jährigen hätten sie nicht allzu engen Kontakt gehabt, seien aber wegen der Prüfungsvorbereitungen auch bei ihm zu Hause gewesen. Im Keller des Elternhauses habe Tims Vater seinem Sohn und den Mitschülern Waffen gezeigt, die er aus seinem Waffenschrank geholt habe.

Tims Vater im ersten Prozess zu Bewährungsstrafe verurteilt

Die Staatsanwaltschaft wirft Tims Vater vor, die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt und damit den Amoklauf ermöglicht zu haben. Er war bereits wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber wegen eines Verfahrensfehlers auf. Der Prozess musste deshalb neu aufgerollt werden. Angeklagt ist der 53-Jährige - wie auch im ersten Prozess - wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Zu der Frage, ob Tim ohne seinen Vater an die Waffen in dem Schrank kam, gab es am Montag unterschiedliche Aussagen. Ein Mitschüler sagte, das sei ihm nicht bekannt. Ein anderer erklärte, er vermute, dass Tim den Zahlencode für den Waffenschrank gekannt habe. „Gesagt hat er es mir nie, aber ich bin davon ausgegangen“, sagte der ehemalige Mitschüler. Einen konkreten Grund für seine Vermutung gebe es nicht. Mit der Aussage widersprach er seinen Angaben in seiner ersten Vernehmung wenige Tage nach dem Amoklauf. Damals hatte er laut Protokoll ausgesagt, Tim habe damit angegeben, dass er den Code für den Waffenschrank gewusst habe.

Am Freitag sollen Mitarbeiter einer psychiatrischen Klinik in Weinsberg (Landkreis Heilbronn) vernommen werden. Dort war Tim zeitweise in Behandlung. Die Klinik hatte erst nach dem Amoklauf einen Abschlussbericht verfasst. Über die Frage, ob die Ärzte und Psychiater von ihrer Schweigepflicht entbunden werden können und aussagen müssen, gibt es unterschiedliche Ansichten. Im ersten Prozess hatten sie sich auf die Schweigepflicht berufen. Ihre Vernehmung am Freitag wird daher mit Spannung erwartet.

dapd

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