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"Hoffentlich ein Liebesbrief" steht auf der Einwurfklappe eines Briefkastens.

Handgeschriebene Zeilen sind schön und wertvoll

An die Leute, die keine Briefe mehr schreiben können

Die Geschichte von dem Praktikanten, der nicht wusste, wie er einen Briefumschlag beschriftet, macht unsere Autorin nachdenklich. Ist es okay, das Briefeschreiben zu verlernen? Sie findet: Nein. Briefe sind schön und wertvoll. 

Eine Freundin hat mir eine Geschichte erzählt, die eigentlich zu verrückt klingt, um wahr zu sein. Ein Praktikant, Anfang 20, sollte Briefumschläge beschriften. Eine Sache von zwei Minuten. Eigentlich. Doch die Aufgabe überforderte ihn. Er hakte ein paar Mal nach, was genau er auf die Umschläge schreiben solle. Die Adressaten und die Firma als Absender. Nach einer Viertelstunde zeigte er zögerlich die Briefe. Er hatte die Firmenadresse in die Mitte des Umschlags geschrieben. „Ich weiß nicht, wie das geht, habe ich noch nie gemacht, muss ich auch nicht“, sagte er halb entschuldigend, halb trotzig. Er gehört zu den jungen Leuten, die mit Briefen nichts anfangen können. Junge Leute, die dezent die Unterlagen fürs Bafög-Amt auf dem Küchentisch der Eltern liegen lassen - Mama und Papa werden die Zettel schon eintüten und abschicken. 

Haben junge Leute das Briefschreiben verlernt?

Die Deutsche Post bestätigt gegenüber unserem Nachrichtenportal, dass tatsächlich immer wieder in den Briefzentren Briefe und Postkarten auftauchten, „die eine mangelhafte Adressierung“ haben. Unleserliche Schrift, falsche Anordnung oder Platzierung – „welcher Generation der entsprechende Verfasser angehört, können wir nicht sagen“, sagt Sprecher Gerold Beck. Er erklärt: „Solche Briefsendungen werden von uns im Briefzentrum in der Video-Codierung nachcodiert, das heißt: Die Postleitzahl wird von Hand eingegeben und als rosafarbener Code unterhalb des Bestimmungsortes angebracht.“ Mit dieser Codierung könne die Sendung weitersortiert werden. Allen, die ratlos sind, wo sie was auf den Briefumschlag schreiben sollen, hilft die Post auf ihrer Webseite.  

Die Post reagiert mit Filmwettbewerb auf Rückgang der Briefe

Das Briefaufkommen in Deutschland geht pro Jahr um etwa zwei Prozent zurück, sagt Post-Sprecher Beck. Aktuell gebe es jeden Tag rund 64 Millionen Briefe. In den Tagen vor Weihnachten rechne die Post mit einem deutlichen Anstieg. „Denn dann schreiben auch Menschen Briefe und Karten, die das Jahr über oft mit Mail, Whatsapp & Co. auskommen. Gerade bei Jüngeren stellen wir in einigen Fällen die verstärkte Nutzung von Briefen und Postkarten fest.“ 

Im Frühjahr hat die Post dem Brief einen eigenen Filmwettbewerb gewidmet. Er hieß „Warum heute noch Brief?“ Mehr als 400 Kurzfilme haben die Jury erreicht. Den Publikumspreis gewannen zwei Jungen aus Neumarkt mit ihrem Film „Brief an Sophie“.

Das sagt die Hüterin des Liebesbriefarchivs über die Korrespondenz junger Menschen

Es gibt Situationen, in denen wir Briefe brauchen. Der Liebe unseres Lebens schreiben wir einen Brief statt eine Facebook-Message. Über Jahrhunderte hinweg haben sich Liebende Briefe geschrieben. Die Sprachwissenschaftlerin Eva Wyss von der Uni Koblenz hat ungefähr 15.000 Zettel voller romantischer Schwüre und Schlussmach-Zeilen in Deutschlands einzigem Liebesbriefe-Archiv gesammelt. Heute sei die Liebeskommunikation lockerer, teilweise verspielter. „Sie ist kein immer wieder unterbrochener Monolog wie beim Briefeschreiben, sondern findet bei WhatsApp und anderen Kurznachrichtendiensten nahezu gleichzeitig und permanent statt“, sagt Wyss. „Die Paare mischen ihre Sätze mit Emojis (Bildsymbolen) und Screenshots (Bildschirmfotos) - und sie wechseln romantische Liebesbezeugungen mit Alltagsinformationen wie zum Beispiel einer Einkaufsliste ab.“ Und doch seien diese Onlinenachrichten „nicht annähernd so schön“, wie das, was sie in alten Briefen lese, sagt Wyss' Assistentin Katharina Eggert.

In diesen Situationen brauchen wir Briefe statt E-Mails und WhatsApp-Nachrichten

Wenn ein Paar beschließt zu heiraten, schickt es seine „Save the Date“-Botschaft nicht per E-Mail, sondern bucht ein teures Paarshooting, lässt aufwändige Karten designen, schreibt die Adressen der Verwandten und Freunde mit Füller auf die farblich abgestimmten Umschläge und kauft 60 Briefmarken. Auch wenn ein Baby auf die Welt kommt, verschicken die Eltern kein Foto per WhatsApp, sondern eine niedliche Karte im Umschlag. Briefe sind schön und wertvoll. Wir zeigen, dass uns die Empfänger unserer Nachricht wichtig sind, dass wir uns gerne Zeit für sie nehmen.   

sah

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