Angeblicher Deutscher als Geisel

- Bagdad/London/Berlin - Das Auswärtige Amt geht Berichten über die angebliche Entführung eines Deutschen im Irak nach. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, die deutsche Botschaft in Bagdad sei eingeschaltet worden und kümmere sich um die Hintergründe des Falls. Allerdings deute alles darauf hin, dass der Mann kein Deutscher sei, hieß es am Donnerstag in Berliner Regierungskreisen.

Der im Irak Verschleppte lebt nach Informationen von Radio Bremen seit 1998 in Bremen. Ein Sprecher von Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) habe bestätigt, dass der Mann nach wie vor in Bremen gemeldet sei. Der Entführte sei 1997 nach Deutschland eingereist und ein Jahr später als Asylbewerber anerkannt worden, berichtete der Sender. Damit habe er auch einen entsprechenden Pass, nicht aber die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen. Nach dem Sturz des SaddamRegimes soll der Iraker seinen Status als anerkannter Asylbewerber wieder verloren haben. Dagegen klage der Mann.

Der arabische Sender El Dschasira hatte zuvor berichtet, dass irakische Aufständische einen gebürtigen Iraker mit deutscher Staatsbürgerschaft verschleppt hätten. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" nennt sich die Gruppe "Beschützer der Islam-Brigade". Die Geiselnehmer verlangten die Freilassung aller in Deutschland inhaftierten Muslime und ein Ende der deutschen Sicherheitszusammenarbeit mit der irakischen Regierung.

Auf einem Video, das dem Bagdader Büro des US-Nachrichtenmagazins "Time" zugespielt worden sei, identifiziere sich die Geisel als Hassan al-Sajdi und bitte Bundeskanzler Gerhard Schröder um Hilfe, schreibt "Der Spiegel". Unbestätigt blieb die Behauptung des Entführten, er sei als Journalist für eine deutsche Redaktion tätig.

Der Verteidigungsausschuss des britischen Parlaments erklärte unterdessen, die von den USA geführte Koalition im Irak habe bei der Einschätzung der Sicherheitslage nach dem Sturz Saddams schwere Fehler begangen. Die Planung für die Zeit nach Kriegsende war "voller Fehler und Fehleinschätzungen", heißt es in einem Bericht des Ausschusses, der von britischen Medien veröffentlicht wurde. Die von den Aufständischen ausgehende Gefahr sei weitgehend ignoriert worden.

Nach Einschätzung des Ausschusses kann die Zahl der 8 000 britischen Soldaten im Irak nicht vor 2006 reduziert werden. Frühestens dann könnten irakische Sicherheitskräfte die Kontrolle übernehmen. Der britische Außenminister Jack Straw sprach bisher von einer Reduzierung der britischen Soldaten zum Jahresende. Danach könne die irakische Regierung das Mandat verlängern. Das sei sehr wahrscheinlich, und dabei könne es sich um "einen sehr langen Zeitraum handeln", heißt es in dem Bericht.

Im Irak wurden nach Polizeiangaben westlich von Bagdad die Leichen zweier irakischer Soldaten entdeckt, die von Aufständischen enthauptet worden waren. Irakische Soldaten töteten im Nordirak nach Armeeangaben drei Aufständische. Wie die US-Armee mitteilte, war in der Nacht zum Mittwoch in einem Gefangenenlager im Militärstützpunkt Camp Charlie in Hilla ein "Sicherheitsgefangener" in seiner Zelle gestorben. Der Tod des Mannes werde untersucht, hieß es. Die US-Armee bezeichnet mutmaßliche Aufständische als "Sicherheitsgefangene".

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