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„Blackfacing" ist  Anglizismus des Jahres 2014.

Kritik und Lob

Das ist der Anglizismus des Jahres

Berlin - Whistleblower, Crowdfunding oder Shitstorm: Wer kennt diese Wörter nicht? Nun wurde der Anglizismus des Jahres 2014 gewählt. Er wird als prägnantes Sprachphänomen gefeiert, löst jedoch auch starke Kritik aus.

Mal kein Begriff aus der Netzwelt wie bisher oft: Der Ausdruck „Blackfacing“ für schwarz angemalte Gesichter von Weißen ist zum „Anglizismus des Jahres“ gekürt worden. Das Wort sei vom englischen Blackface abgeleitet und bezeichne stereotyp geschminkte Weiße, die schwarze Menschen darstellen, ursprünglich vor allem im Schauspiel, teilte die Jury am Dienstag in Berlin mit. In jüngerer Zeit tauche das Phänomen auch öfter außerhalb des Theaters auf.

„Blackfacing" sogar schon bei „Wetten dass..?"

Im Jahr 2014 gab es „Blackfacing“ etwa bei der Fußball-WM, als sich deutsche Fans beim Spiel gegen Ghana schwarz schminkten. Diskutiert wurde auch die Sternsinger-Tradition mit einem Schwarzen unter den Heiligen Drei Königen oder das Auftreten vom Zwarte Piet in den Niederlanden, einem angeblich dunklen Nikolaus-Helfer.

Ende 2013 gab es in Augsburg eine „Wetten, dass..?“-Saalwette, bei der sich Dutzende wie Lukas, der Lokomotivführer, und der dunkelhäutige Jim Knopf zurechtmachten - beliebte Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Das ZDF handelte sich Rassismus-Vorwürfe ein.

Über den Begriff „Blackfacing“ sagte der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Das Blackfacing gilt als rassistisch, weil es die Identität und die Erfahrungen schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können. Mit dem Blackfacing maßen sich weiße Menschen an, für schwarze Menschen sprechen und handeln zu können, und nehmen ihnen damit den Raum, dies selbst zu tun.“

Von „Big Data" bis „Photobombing"

 In früheren Jahren hatten die Sprach-Experten rund um den 44-jährigen Stefanowitsch vielfach Wörter der Internet-Ära wie „Shitstorm“ oder „Crowdfunding“ zu „Anglizismen des Jahres“ gekürt.

Am Wort „Blackfacing“ überzeugte die Jury, dass es in Deutschland schon lange „geblackfacete“ Weiße gebe, aber erst das Englische dem Deutschen ein Wort gegeben habe, diese Tradition zu benennen.

Die weiteren Plätze für das Jahr 2014 belegten laut Jury die Begriffe „Big Data“ (kaum auswertbare Datenmengen) und der Publikumsliebling „Selfie“ (digitale Selbstporträts der Smartphone-Ära). Bereits für 2013 war „Selfie“ unter den Top-Wörtern.

Gut im Rennen waren 2014 demnach auch „Social Freezing“ (Einfrieren von Eizellen zur karrierebedingten Verschiebung des Kinderkriegens), „Photobombing“ (Fremde im Foto sprengen das eigentliche Motiv) sowie „Sexting“ (Wort aus Sex und Texting; für erotische Fotos und den möglichen Missbrauch solcher Bilder via Handy etwa).

Seit 2010 kürt die Initiative „Anglizismus des Jahres“ um Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin jährlich positive Beiträge des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. 2013 gewann etwa die Skandal-Nachsilbe „-gate“.

dpa

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