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Der Angreifer attackierte auch Gäste am Strand dieses Hotels.

Attacke in Hurghada

Angreifer ersticht zwei deutsche Frauen: Steckt der IS dahinter?

In Ägypten kommt es immer wieder zu Anschlägen, diesmal trifft es einen bei Touristen beliebten Badeort am Roten Meer. Nun ist es traurige Gewissheit: Bei den Getöteten handelt es sich um zwei deutsche Frauen.

Hurghada/Berlin - Der Messer-Angreifer im ägyptischen Badeort Hurghada soll der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört haben. Er habe mit den Extremisten über das Internet in Kontakt gestanden und von ihnen den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Sicherheitskreisen in Kairo. Es handelt sich demnach um einen Studenten aus dem Norden Ägyptens. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Bei der Messerattacke in dem Urlaubsort am Roten Meer sind zwei deutsche Frauen getötet worden. Außerdem habe der Angreifer bei der Bluttat am Strand einer Hotelanlage vier weitere Menschen verletzt, bei denen es sich ebenfalls um Ausländer handele, teilte der staatliche ägyptische Informationsdienst (SIS) mit. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar.

Die beiden getöteten Frauen stammen aus Niedersachsen. Das hat das Innenministerium in Hannover am Samstag bestätigt. „Die Nachricht von dem heimtückischen Messerattentat im ägyptischen Badeort Hurghada, dem am gestrigen Freitag zwei Frauen aus Niedersachsen zum Opfer gefallen sind, macht mich sehr betroffen“, sagte dazu Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Angaben eines Sprechers der Staatskanzlei. „Es ist immer wieder unbegreiflich, warum Täter derart sinnlose Gewalttaten gegenüber friedlichen Menschen ausüben. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer, denen ich viel Kraft wünsche. Ich gehe davon aus, dass die ägyptischen Behörden alles Notwendige unternehmen.“

Die zwei Frauen wohnten dauerhaft in Hurghada

Regierungssprecher Steffen Seibert hat sich bestürzt über den Tod der zwei Deutschen bei einer Messerattacke geäußert. "Wir trauern zutiefst um die beiden deutschen Frauen, die in Hurghada hinterhältig ermordet wurden und denken in Anteilnahme an ihre Familien", schrieb Seibert am Samstagmorgen im Internetdienst Twitter.

Laut einem Bekannten der getöteten Frauen handelt es sich bei ihnen - anders als zunächst berichtet - nicht um Urlauberinnen, sondern um dauerhafte Bewohnerinnen Hurghadas. Er habe die beiden persönlich gekannt, sagte der ehemalige deutsche Honorarkonsul Hurghadas, Peter-Jürgen Ely, am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Eine weitere Bekannte von ihm habe die Frauen nach der Tat identifiziert.

Das Auswärtige Amt hingegen spricht in der offiziellen Bestätigung noch von Urlauberinnen: "Wir haben nunmehr die traurige Gewissheit, dass zwei deutsche Urlauberinnen bei dem Angriff in Hurghada ums Leben gekommen sind", sagte eine Ministeriumssprecherin am Samstag. Nach allem, was bislang bekannt sei, sollte die Tat gezielt ausländische Touristen treffen.

Konsul der deutschen Botschaft besichtigt Tatort

Der Konsul der deutschen Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo sowie ein Beamter des Bundeskriminalamtes wurden noch in der Nacht in Hurghada erwartet. Unter anderem sollen sie den Tatort besichtigen und die Rückführung der Leichen in die Wege leiten. Außerdem sollen Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet werden, wie die Deutsche Presse-Agentur vom Hotelmanagement erfuhr.

Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums war der Angreifer von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den Hotelstrand geschwommen und dort mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Die ägyptische Nachrichtenseite Al-Masry Al-Youm meldete unter Berufung auf den Manager des Hotels „El Palacio“, der Täter habe zunächst an einem benachbarten Hotelstrand Urlauber attackiert, bevor er sich zum Strand seiner Anlage weiterbewegte. Dort sei er von Sicherheitsleuten und Gästen überwältigt worden.

Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Wer der Mann ist und was ihn zu der Tat bewegte, war auch Stunden nach dem Vorfall noch offen.

Auf einem anderen Bild, das ägyptische Medien verbreiteten, liegt eine blutverschmierte Touristin mit Bikini und Sonnenbrille auf einem Sofa in einer Hotellobby.

Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Angriff. „Diese feige und niederträchtige Tat, die sich gezielt gegen Urlauber gerichtet zu haben scheint, die einfach nur eine unbeschwerte und erholsame Zeit am Meer verbringen wollten, verurteilen wir auf das Schärfste“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Wir trauern mit den Familien der Opfer und hoffen, dass alle, die bei dem Angriff verletzt worden sind, rasch und vollständig wieder gesund werden.“

Unterschiedliche Angaben zur Herkunft der Verletzten

Zur Herkunft der verletzten Urlauber gab es unterschiedliche Angaben. Die Agentur Tass meldete unter Berufung auf die Botschaft der Ukraine in Kairo, unter den Opfern seien - entgegen erster Berichte - keine ukrainischen Staatsbürger. Die Agentur Interfax berichtete, dass eine russische Frau verletzt worden sei und berief sich dabei auf das russische Konsulat. Das tschechische Außenministerium bestätigte, dass eine 36 Jahre alte tschechische Touristin bei der Messerattacke am Bein verletzt worden sei. Sie schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Hurghada ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Scharm el Scheich das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt. Der Badeort ist vor allem für seine durchgängig warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt.

Der Tourismus in Ägypten kämpft seit den gesellschaftlichen Unruhen und dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak im Jahr 2011 mit Problemen. Immer wieder kam es zu Anschlägen, die sich nicht nur gegen Sicherheitskräfte, sondern auch gegen Touristen richteten. Vor zwei Jahren stürzte zudem eine russische Passagiermaschine kurz nach dem Start aus dem Ferienort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) behauptete später, das Flugzeug mit 224 Menschen an Bord durch eine Bombenexplosion zum Absturz gebracht zu haben.

Angriffe und Terroranschläge auf Touristen in Ägypten

Immer wieder kommt es im Urlaubsland Ägypten zu Angriffen auf Touristen. Die Reisebranche des Landes leidet darunter sehr.

18. April 1996: Im Eingangsbereich eines Kairoer Hotels erschießen vier mutmaßliche Aktivisten der Gamaa Islamija 18 griechische Reisende. Ihr eigentliches Ziel sollen Israelis gewesen sein.

18. September 1997: Neun Deutsche und der ägyptische Fahrer sterben bei einer Bombenattacke auf einen Touristenbus vor dem Ägyptischen Museum in Kairo.

17. November 1997: Mitglieder der Terrorgruppe Gamaa Islamija erschießen vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor 58 Urlauber und mehrere Polizisten. Unter den Toten sind 36 Schweizer und vier Deutsche.

7. Oktober 2004: In den Sinai-Badeorten Taba und Ras al-Schaitani gehen nahezu gleichzeitig mehrere Sprengsätze hoch. Unter den 34 Toten sind zwölf Israelis.

7. April 2005: Ein Motorradfahrer wirft in der Altstadt von Kairo einen Sprengsatz in ein Geschäft des Basars Chan al-Chalili. Bei der Explosion werden ein Amerikaner, zwei französische Staatsbürger und der Attentäter tödlich verletzt.

23. Juli 2005: Bei der Explosion von drei Sprengsätzen im Badeort Scharm el Scheich werden 66 Menschen getötet, vor allem Ägypter. Unter den Toten sind auch mehrere ausländische Touristen, darunter zwei Briten, ein Italiener und ein Tscheche.

24. April 2006: Bei einer Anschlagsserie im Badeort Dahab kommen mindestens 22 Menschen ums Leben, darunter auch ein zehnjähriger Junge aus Baden-Württemberg.

19. September 2008: 19 Teilnehmer einer Wüstensafari, darunter fünf Deutsche, werden über den Sudan und Libyen in den Tschad verschleppt. Zehn Tage später kommen alle Geiseln frei.

22. Februar 2009: Auf dem Basar Chan al-Chalili explodiert eine Bombe. Eine französische Touristin stirbt, 25 Menschen werden verletzt.

31. Oktober 2015: Ein russischer Airbus stürzt nach dem Start vom Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Insassen kommen ums Leben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekennt sich zu dem Anschlag, der mit einer Bombe an Bord ausgeführt wurde.

8. Januar 2016: Beim Angriff eines Mannes mit Messern auf ein Touristenhotel im Badeort Hurghada werden drei Urlauber verletzt.

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