Angst vor Dammbruch nimmt zu - neue Evakuierungen im Erdbebengebiet

Peking - Im südwestchinesischen Erdbebengebiet nimmt die Angst vor einem gefährlichen Dammbruch zu. Immer mehr Menschen werden in Sicherheit gebracht. Nach Angaben der Behörden in der Stadt Mianyang sind 200 000 Anwohner von den erneuten Evakuierungen betroffen.

Das Amt bestritt jedoch Berichte, wonach schon 1,3 Millionen Menschen am Freitag an andere Orte gebracht werden sollten. Ihm seien keine entsprechenden Anordnungen bekannt, berichtete ein Mitglied der Stadtregierung am Telefon. Anderen Angaben sprachen lediglich von einer "Übung", die 1,3 Millionen Menschen betreffe.

In der Erdbebenprovinz Sichuan wird befürchtet, dass ein natürlicher Damm aus Erde und Geröll, hinter dem sich in Tangjiashan ein großer See gebildet hatte, bersten und eine gewaltige Flutwelle auslösen könnte. 158 000 Menschen waren schon am Montag und Dienstag aus der Gefahrenzone am Unterlauf des Jian-Flusses gebracht worden. Seit Tagen versuchen Einsatzmannschaften, einen Kanal zu schaffen, um das Wasser abzulassen. Regenfälle hatten in den vergangenen Tagen den Wasserspiegel zusätzlich ansteigen lassen.

Die Straßen in Tangjiashan sind verschüttet, der See kann deshalb nur zu Fuß oder aus der Luft erreicht werden. Schaufelbagger und anderes schweres Gerät mussten mit Hubschraubern eingeflogen werden. Der Stausee liegt nicht weit oberhalb des besonders schwer von dem Erdbeben betroffenen Beichuan-Landkreises. Falls der Damm bricht, müssten mehr als eine Million Menschen umgesiedelt werden, erklärte telefonisch eine Mitarbeiterin des städtischen Katastrophenschutzes.

Von Freitag bis Samstag werden zunächst etwa 190 000 Menschen in höher gelegene Gebiete gebracht, erklärte die Frau. Nach früheren Berichten waren nach unterschiedlichen Notfallszenarien bis zu 1,3 Millionen Menschen darauf vorbereitet worden, im schlimmsten Fall ihre Wohnorte zu verlassen. Die Bevölkerung sei informiert worden, welche Gebiete möglicherweise überflutet werden könnten. Insgesamt haben sich im Erdbebengebiet 35 solcher Seen gebildet.

Die Zahl der Toten ist nach dem schweren Erdbeben der Stärke 8 auf 68 858 gestiegen, wie der Pekinger Staatsrat verlauten ließ. 366 586 Menschen wurden verletzt, 18 618 werden noch vermisst. Die Spenden für die Erdbebenopfer aus China und dem Ausland belaufen sich auf inzwischen fast 40 Milliarden Yuan (3,7 Milliarden Euro). Dazu kommen 22 Milliarden Yuan Regierungsgelder (2 Milliarden Euro).

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