Angst vor Hurrikan "Gustav": Anwohner von New Orleans auf der Flucht

Washington - Die 470 000-Einwohner-Metropole New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana wird zur Geisterstadt: Aus Furcht vor dem Hurrikan "Gustav" ist eine Zwangsevakuierung angeordnet worden.

Drei Jahre, nachdem Hurrikan «Katrina» die Stadt verwüstete und insgesamt 1800 Menschen das Leben kostete, wollen die Behörden aus Angst vor dem herannahenden Hurrikan die gesamte Stadt zwangsräumen. Bürgermeister Ray Nagin warnte vor der «Mutter aller Stürme» und rief die Bürger auf, die Gefahr ernst zu nehmen. Nachdem der Sturm zuvor mit voller Wucht den Westen Kubas getroffen und dort schwere Schäden angerichtet hatte, befand er sich am Sonntagmorgen über dem Golf von Mexiko. Auf seinem zerstörerischen Zug durch die Karibik hat «Gustav» bereits mehr als 80 Menschen das Leben gekostet.

Am Sonntagmorgen, 4.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ), war das Zentrum des Hurrikans noch 680 Kilometer von der Mündung des Mississippi entfernt. Mit einer Geschwindigkeit von 26 Stundenkilometern bewegte er sich in Richtung US-Küste. Dort wird er nach den Berechnungen der Meteorologen am späten Montagabend oder am frühen Dienstag auf Land treffen.

Im Westen Kubas hatte der Sturm am Samstag und in der Nacht zum Sonntag für erhebliche Verwüstungen gesorgt. Vorsorglich waren nach Angaben der Zivilverteidigung 300 000 Menschen aus besonders gefährdeten Orten in Sicherheit gebracht worden.

Laut Radio Havanna wurden Häuser und Wohnungen beschädigt, Bäume und Strommasten stürzten um, Straßen standen nach schweren Regenfällen unter Wasser. 50 Kilometer südlich der Hauptstadt schlugen fünf Meter hohe Wellen an den Strand. Betroffen war auch die vorgelagerte Touristeninsel Isla de la Juventud, die Kubas wichtigster Fruchtlieferant ist. In Havanna selbst war die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser unterbrochen, der öffentliche Nahverkehr ruhte. Ob Menschen verletzt wurden, war zunächst nicht bekannt.

Bei dem Wirbelsturm der zweitstärksten Kategorie vier wurden am Samstag bereits Spitzengeschwindigkeiten von knapp 240 Stundenkilometern gemessen. Die Meteorologen befürchten, dass er über dem Golf von Mexiko noch weiter an Stärke zunimmt und die höchste Kategorie fünf erreichen wird, bevor er die Küste erreicht.

Der Bürgermeister von New Orleans teilte mit, dass bereits am Samstag 10 000 Menschen mit Bussen, Zügen und Flugzeugen in Sicherheit gebracht worden seien. Am frühen Sonntagmorgen sollten die Evakuierungen fortgesetzt werden. Der internationale Flughafen von New Orleans sollte bis Sonntagabend (18.00 Uhr Ortszeit) geöffnet bleiben.

«Der Sturm ist so heftig und wird jeden Tag heftiger», sagte Nagin nach Angaben des Nachrichtensenders CNN. «Ich bin nicht sicher, dass wir so etwas je gesehen haben.» «Gustav» sei der Sturm des Jahrhunderts.

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