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Angst vor neuen Morden im Libanon

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- Bikfaja/Beirut -­ Begleitet von Schmährufen gegen Syrien haben die Anhänger des ermordeten libanesischen Industrieministers Pierre Gemayel den Leichnam des Getöteten zum Stammsitz seiner Familie in Bikfaja getragen. Tausende Menschen in schwarzer Kleidung säumten die Straßen in dem Bergdorf bei Beirut. Einige von ihnen riefen: "Den Tod für Syrien".

Papst Benedikt XVI., US-Präsident Bush und Bundeskanzlerin Merkel äußerten ihre Sorge über die Entwicklung im Libanon. Bush warf Syrien und dem Iran vor, die Regierung in Beirut destabilisieren zu wollen, ohne beide Länder jedoch direkt für die Tat verantwortlich zu machen. Merkel sprach von einem "feigen Mord": "Wir wollen, dass es einen selbstständigen Libanon gibt, und die Gewalt muss mit aller Kraft unterbunden werden."

Der Iran verurteilte den Mord als kriminellen Akt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran meinte, die Tat sei von jenen verübt worden, die verhindern wollten, dass ein nationaler Konsens Gestalt annehme. In einer in Beirut veröffentlichten Erklärung des antisyrischen Parteienbündnisses hieß es, das "syrisch-libanesische Geheimdienstregime" müsse gestürzt werden.

Drusenführer Walid Dschumblatt, der wie Gemayel zur antisyrischen Regierungsmehrheit gehört, machte die Führung Syriens für den Mord verantwortlich. Er warnte zugleich vor neuen Attentaten. "Vielleicht töten sie noch einen Minister", sagte Dschumblatt. Ziel des syrischen Regimes sei es, zu verhindern, dass Präsident Baschar al-Assad von dem internationalen Tribunal für die Aufklärung des Mordes an dem libanesischen Ex-Regierungschef Rafik Hariri angeklagt werde. Die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora hatte am Montag dem UN-Entwurf zugestimmt, der die Rahmenbedingungen für das Tribunal festlegt. An der Planung des Attentates, bei dem im Februar 2005 in Beirut Hariri und 22 weitere Menschen getötet worden waren, sollen nach ersten Ermittlungen syrische Geheimdienstoffiziere und Sicherheitsleute des syrientreuen libanesischen Staatspräsidenten Lahoud beteiligt gewesen sein.

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