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Umweltforscher beobachten außergewöhnliche Dürre in ganz Deutschland. 

Ernteausfälle und Waldbrände

Angst vor der Jahrhunderthitze: Bleibt der Extremsommer die Ausnahme?

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Temperaturen wie sonst nur in Andalusien, Ernteausfälle, Waldbrände,tote Fische. Deutschland und die ganze Nordhalbkugel leiden unter der Hitze. Ist das ein Ausnahmesommer oder bald schon die Regel? Die Antwort ist nicht sehr erfreulich.

München – Die Bäume hatten staubtrockene Blätter, der Boden knietiefe Risse und den mächtigen Rhein und auch die Elbe konnte man zu Fuß durchqueren. Die meisten Brunnen waren ausgetrocknet, selbst die tiefsten. Die wenigen mit Wasser haben die Herrscher streng bewacht, nur beim Glockenschlag bekamen die Menschen ein paar Schlücke. Willkommen im Katastrophenjahr 1540. Die Sonne schien gnadenlos, die Nächte waren sternenklar, aber fast kein Tropfen Regen fiel. Elf Monate lang. Europa schwitzte, Europa verdurstete, Europa brannte.

Eine Familie aus dem Elsass notierte damals: „Von April bis November war es so heiß, dass man es in den Straßen der Stadt nicht aushielt und auch auf dem Feld nicht arbeiten konnte. Von morgens 9 Uhr bis am Abend verzogen wir uns in den Keller.“

Es war ein Jahrhundertsommer. Ein Albtraumsommer. Kann uns das heute auch passieren? Es scheint fast so. Europa und die gesamte nördliche Hemisphäre ächzen unter der Hitze.

Milliardenschwere Nothilfen für Bauern in Deutschland gefordert

In Riga, der Hauptstadt von Lettland, hat es seit dem 26. April nicht mehr geregnet. In Brandenburg, beim Autobahndreieck Potsdam, hat der Wald tagelang gebrannt. In Schweden stehen ganze Waldgebiete in Flammen. Der Deutsche Bauernverband fordert bereits milliardenschwere Notfallhilfen für die Landwirte, weil Getreide- und Rapsfelder verdorrt sind. Jeden Tag gibt es neue Katastrophenmeldungen. Kleine und große. Nicht nur aus Deutschland.

In Kalifornien waren am Dienstag 12 000 Feuerwehrleute im Einsatz, um die Brände im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat zu löschen. Eine Bewohnerin sagte, der Brand sei „fast wie ein Tornado mit Feuer“ gewesen und habe ihr Haus sowie das Haus ihrer Nachbarn „vernichtet“. Bereits 38 000 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Zehn Menschen sind in den Flammen gestorben.

Unzählige Fische in Hamburger Gewässer verendet

In vielen Gegenden Deutschlands hat es seit April fast nicht mehr geregnet. Es ist gleichzeitig heiß und trocken, eine fatale Mischung. Unzählige Fische sind in Hamburger Gewässern verendet. Seit Freitag wurden fünf Tonnen tote Fische gesammelt und in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt. Die Hitze senkt den Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch. „Eine Besserung ist nicht in Sicht“, sagt ein Sprecher der Umweltbehörde.

Ein tausendfaches Fischsterben ist auch am Rhein kaum noch abzuwenden. „Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie“, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Der Rhein habe westlich des Bodensees bereits 25 Grad Wassertemperatur.

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Auch an den bayerischen Flüssen wird die Situation kritisch. Laut dem amtlichen Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern hat der Pegelstand einiger Flussabschnitte den Status „sehr niedrig“ erreicht – zum Beispiel die Amper nach dem Auslauf am Ammersee oder die Isen im Kreis Mühldorf. Noch nicht problematisch ist der Wasserstand von Inn und Isar, allerdings ist der Zufluss zum Sylvensteinspeicher seit gestern ebenfalls „sehr niedrig“.

Berlin: Blasen auf dem Asphalt der Autobahn 

Stadt, Land, Fluss: Alles leidet gerade auf seine Art. In Berlin musste am Dienstag die Stadtautobahn 100 vorübergehend gesperrt werden, weil sich wegen der Hitze Blasen auf dem Asphalt gebildet hatten. Einzelne Atomkraftwerke in Deutschland haben bereits ihre Leistung heruntergefahren. Beim Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurde die Leistung um bis zu zehn Prozent verringert, teilte der Versorger EnBW mit. Dadurch soll der Anstieg der Wassertemperatur im Rhein durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden.

Bayern kühlstes Bundesland in Deutschland 

Die Republik kämpft mit der Hitze, nur beim Niederschlag fällt ein Bundesland aus dem Raster: Bayern. Der Freistaat war im Juli mit 19,5 Grad Celsius das vergleichsweise kühlste Bundesland, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Bei Dauerregen meldete Ruhpolding-Seehaus am 6. Juli mit 87,4 Liter pro Quadratmeter sogar die deutschlandweit höchste Regenmenge an einem Tag. Der bundesweit meiste Niederschlag fiel im Juli in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen mit teilweise bis zu 150 Litern pro Quadratmeter.

Das sind Ausreißer in diesem Sommer der Extreme. Maria Krautzberger ist Chefin des Umweltbundesamtes (UBA). Sie sagt: „Es ist anhaltend trocken und heiß – das könnte darauf hindeuten, dass es nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert einen Jahrhundertsommer geben wird.“

Bisher ist die zwiespältige Bezeichnung „Jahrhundertsommer“ für eine andere Jahreszahl reserviert – und zwar für 2003. Seinerzeit brachen schon im Juni alle Hitzerekorde in Deutschland. In Bayern und Baden-Württemberg wurden Temperaturen wie sonst in Andalusien gemessen. In Südeuropa kletterte das Thermometer auf fast 50 Grad. Ansonsten waren die Schlagzeilen identisch wie heute: Waldbrände! Hitzetote! Ernteausfälle!

Auch vom „Sahara-Sommer“ ist in jenen heißen Tagen 2003 viel die Rede. Beim „Spiegel“ notieren sie damals erstaunt, welche Folgen die Hitze für das deutsche Gemüt hat. „Plötzlich begreifen die Deutschen den Segen der mediterranen Siesta, die nun sogar vom Herrn Doktor empfohlen wird. Das abendliche Essen schieben sie schon mal Richtung Mitternacht, Biergärten und Straßenkneipen sind bis zur Sperrstunde brechend voll.“

Nur der Weinjahrgang 2018 wird vermutlich zuckersüß

Das ist die eine Seite der Superhitze – selbst die pflichtbewussten Deutschen lernen im Angesicht der Hitze das schöne, das entspannte Leben, obwohl das den Bayern schon seit Generationen keiner beibringen muss. Biergarten ist im Grunde ein anderes Wort für hitzefrei. Trotzdem gibt es keine deutsche Hitzewelle ohne Sorgen und Maßnahmenkataloge.

Der Sommer 2018 zeige einmal mehr, „dass wir uns an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger der „Frankfurter Rundschau“. Nötig seien Hitze-Aktionspläne und Warnsysteme. Für die Landwirtschaft empfiehlt sie, hitzeresistentere Sorten zu nutzen, Fruchtfolgen zu ändern und Monokulturen zu verringern.

Das Jahr 1540 war eine Katastrophe, überhaupt keine Frage. Aber es gab auch einen erfreulichen Nebenaspekt. Der Wein war zuckersüß und schmeckte besser als jemals zuvor. „Er sieht im Glas aus wie Gold“, schrieb ein Zeitzeuge. Vielleicht ist das ein kleiner Trost für alle Hitzegeplagten. Auch 2018 wird ein wunderbarer Jahrgang werden. „Wir sind so früh dran, dass wir selbst den Italienern Paroli bieten können“, erklärte ein Sprecher des Deutschen Weininstituts.

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