+
Tote Wildvögel werden im Sicherheitslabor untersucht.

Expertin im Interview

Die Angst vor dem Virus: So verbreitet sich die Vogelgrippe

  • schließen

München - Elke Reinking vom Friedrich-Laeffler-Institut erklärt im Interview, wie sich die Vögel infizieren und warum kranke Tiere getötet statt behandelt werden. 

Warum stecken sich Vögel mit Grippe an?

Elke Reinking. 

Elke Reinking: Wildlebende Wasservögel sind ein natürliches Reservoir für Influenza-Erreger. Die Viren mit der Kennung H5 und H7 sind besonders bedeutsam, da sie die klassische Geflügelpest, die Vogelgrippe, auslösen können. Der aktuell grassierende Virustyp H5N8 ist ein sehr krankmachendes Virus. Infizierte Wasservögel, Reiherenten sind aktuell betroffen, sterben in kürzester Zeit. Da sich Influenza-Viren ständig verändern, befürchtet man immer, dass sie auf Säugetiere und Menschen übertragbar werden, wenn wir sie nicht stoppen. Die saisonale Grippe beim Menschen setzt sich übrigens aus den verschiedensten Grippeviren zusammen, da können tatsächlich Viren von Vögeln dabei sein, aber es gibt auch Grippeviren aus dem Säugetierbereich, z.B. von Schweinen.

Menschen rät man zur Grippeimpfung. Warum wird das Geflügel nicht auch geimpft?

Reinking: Das ist in Deutschland gesetzlich verboten. Die Impfung schützt nur vor dem Ausbruch der Krankheit, aber nicht vor einer Infektion. Unter der Impfdecke, so sagen wir, ist das Virus weiter vorhanden und kann weiter verbreitet werden. Das möchte man verhindern. Sehr seltene Geflügelrassen oder Vögel in Zoos können jedoch mit Ausnahmegenehmigungen geimpft werden.

Warum werden kranke Tiere nicht behandelt, sondern getötet?

Reinking: Das ist im Tierseuchengesetz vorgeschrieben, man möchte verhindern, dass das Virus weiter verschleppt und andere Bestände gefährdet werden. 

Ist die Situation mit der Vogelgrippe 2006 vergleichbar?

Wenn in einem Betrieb die Vogelgrippe grassiert, müssen im Umkreis (Sperrbezirk) alle Tiere, hier Puten, in den Stall.

Reinking: Auch damals gab es zunächst zwei Schwerpunkte von Erkrankungen mit dem H5N1-Virus, hier bei uns oben im Norden und im Süden Deutschlands. Die Ostsee und der Bodensee sind bekannte Vogelrastgebiete und auch Rückzugsgebiete für Wildvögel, wenn es in Sibirien und Skandinavien zu Kälteeinbrüchen kommt. Dann machen sich viele Vögel auf den Weg in etwas wärmere Gefilde. Man muss sich die Ansteckung wie einen Staffellauf vorstellen. Das Virus wird mit dem Kot, mit Nasen- und Augensekret ausgeschieden. Die Vögel stecken sich an, wenn sie sich dicht aneinander drängen, oder über das Wasser. Gerade bei den derzeitigen Temperaturen ist das Virus im Wasser sehr stabil.

Hat man aus der damaligen Epidemie gelernt?

Reinking: Alles ist schneller geworden: Die Tests zum Nachweis des Erregers dauern nur noch Stunden, nicht mehr Tage. Die Maßnahmen zum Aufstallen von Geflügel, zum Einrichten von Sperrbezirken oder auch zum Töten von ganzen Beständen werden schneller getroffen und viel schneller umgesetzt.

Interview: sus

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Camperin vergewaltigt: Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Der brutale Überfall auf ein campendes Paar in der Nähe von Bonn sorgte vor einem halben Jahr für Aufsehen. Nun steht der mutmaßliche Vergewaltiger vor Gericht. Er …
Camperin vergewaltigt: Angeklagter bestreitet Vorwürfe
Oktoberfest 2017: „Sichere Wiesn“ - nicht nur verlorene Schlüssel und verpasste Züge
116 Mädchen und Frauen haben sich in der ersten Wiesn-Woche hilfesuchend an eine spezielle Anlaufstelle des Oktoberfestes gewandt - genauso viele wie im vergangenen Jahr.
Oktoberfest 2017: „Sichere Wiesn“ - nicht nur verlorene Schlüssel und verpasste Züge
Todes-Drama auf der A67: Zeugen schildern Geschehnisse anders
Zwei Tage nach dem Geisterfahrer-Unfall bei Rüsselsheim werden neue Details bekannt. Das Drama mit drei Toten ereignete sich anders als zunächst gedacht - doch viele …
Todes-Drama auf der A67: Zeugen schildern Geschehnisse anders
Nach Erdbeben: Suche nach Verschütteten in Mexiko-Stadt dauert an
Nicht ganz eine Woche liegt das schwere Erdbeben in Mexiko zurück. Die Suche nach Verschütteten dauert in der Hauptstadt Mexiko-Stadt noch immer an.
Nach Erdbeben: Suche nach Verschütteten in Mexiko-Stadt dauert an

Kommentare