+
Wochenlang wurden Blumen zum Gedenken an den jungen Berliner abgelegt.

Anklage nach tödlicher Attacke am Alex

Berlin - Knapp fünf Monate nach dem tödlichen Angriff auf den 20-jährigen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz hat die Staatsanwaltschaft vier Tatverdächtige angeklagt.

Den mutmaßlichen Schlägern im Alter von 19 bis 21 Jahren wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, zwei von ihnen zudem Körperverletzung mit Todesfolge, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 ohne Anlass angegriffen, brutal verprügelt und getreten worden. Er starb einen Tag später an Gehirnblutungen. Die Attacke hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Hauptverdächtiger geflüchtet

Der Hauptverdächtige im Alter von 19 Jahren ist in die Türkei geflüchtet. Auch ein weiterer mutmaßlicher Schläger ist noch auf der Flucht. Ein Tötungsvorsatz sei bei den Angeklagten nicht nachweisbar, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Deshalb gebe es keine Anklage wegen Mordes oder Totschlags. „Wir haben ein relativ klares Bild.“

Laut Anklage sollen die beiden Geflüchteten zusammen mit einem 19 und 21 Jahre alten Angeklagten zusammen auf den jungen Berliner eingeschlagen und eingetreten haben. Als sich ein Begleiter von Jonny K. einmischte, schlugen laut Staatsanwaltschaft die beiden anderen jetzt Angeklagten auf den Freund ein. Dieser wurde schwer verletzt. Diese beiden mutmaßlichen Angreifer sollen laut Anklage aber nicht an den tödlichen Schlägen und Tritten auf Jonny K. beteiligt gewesen sein.

Der Berliner Opferbeauftragte Roland Weber sagte, die Anklage sei nachvollziehbar. Auch wenn nicht Mord oder Totschlag angeklagt seien, drohten bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung mehrjährige Haftstrafen. Die Anklage wurde vor einer Jugendkammer des Landgerichts erhoben. Drei der Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, einer ist auf freiem Fuß.

Nach dem geflüchteten Hauptverdächtigen wird laut Justizverwaltung mit einem deutschen und europäischen Haftbefehl gefahndet. Bei den türkischen Behörden wurde ein Festnahme-Ersuchen gestellt. Da die Türkei nicht Mitglied der EU sei, gelte dort ein europäischer Haftbefehl nicht, hieß es.

Berlin trauert um Jonny K.

Bilder: Berlin trauert um Jonny K.

Die türkischen Behörden haben ihrerseits ein Rechtshilfeersuchen an Deutschland gerichtet, um die Ermittlungspapiere der Berliner Staatsanwaltschaft zu sehen. Unklar ist, welche Staatsangehörigkeit der Verdächtige derzeit hat. Die Türkei liefert ihre Staatsbürger nicht aus.

Ob ein Verfahren in der Türkei eröffnet werden soll, ist offen. Bei einer Verurteilung in der Türkei könnte nach Einschätzung von Experten aber eine höhere Strafe drohen als in Deutschland, auch weil dort das Jugendstrafrecht nicht angewendet wird. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor. Die Berliner Justiz versuche seit Monaten alles, um den Hauptverdächtigen zurückzuholen, sagte Steltner. „Das Ganze ist eine komplizierte Geschichte.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

24-Jährige ertrinkt - und ruft kurz vor ihrem Tod die Mutter an, um ihr noch etwas zu sagen
Eine herzzerreißende Geschichte: Eine junge Frau kommt mit ihrem Auto von der Straße ab und landet in einem Kanal. Danach greift sie zum Handy, um ihr allerletztes …
24-Jährige ertrinkt - und ruft kurz vor ihrem Tod die Mutter an, um ihr noch etwas zu sagen
Fahrer stirbt mit Handy in der Hand bei Auffahrunfall
Ein Fahrer eines Lieferwagens ist mit seinem Handy in der Hand auf der belgischen Autobahn tödlich verunglückt. Vermutlich war er abgelenkt. 
Fahrer stirbt mit Handy in der Hand bei Auffahrunfall
Mindestens 250 Erdbebentote in Mexiko
Der Präsident dankt der Bevölkerung: "Tapfer und mit Solidarität" hätten die Mexikaner auf das Erdbeben reagiert. Die Suche nach Überlebenden in den Trümmern ist ein …
Mindestens 250 Erdbebentote in Mexiko
Polizeibewerber in NRW dürfen kleiner als 1,68 Meter sein
Münster (dpa) - Eine vom Land Nordrhein-Westfalen geforderte Mindestgröße von 1,68 Meter für männliche Polizeibewerber ist unzulässig. Das hat das Oberverwaltungsgericht …
Polizeibewerber in NRW dürfen kleiner als 1,68 Meter sein

Kommentare