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Von Normalität noch keine Spur: Ein Polizeibeamter geht am Dienstag (25.02.2020) über den Tatort in Volkmarsen. Am Vortag hatte ein 29-Jähriger bei einer Amokfahrt viele Menschen verletzt.

Amokfahrt in Volkmarsen

Volkmarsen: Wilde Verschwörungstheorien nach Amokfahrt - Polizei kämpft gegen Fake News

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Nach der Amokfahrt in Volkmarsen hatten einige Nutzer im Internet Falschnachrichten verbreitet. Es kursierten wilde Verschwörungstheorien. 

  • Nach der Amokfahrt in Volkmarsen hatten sich schnell Falschnachrichten im Netz verbreitet.
  • Einige AfD-Profile hatten die Falschnachrichten geteilt.
  • Die Polizei bat Nutzer darum, keine ungesicherten Meldungen ins Netz zu stellen.

Volkmarsen/Kassel - Im Zuge der Ermittlungen zur Amokfahrt in Volkmarsen hat die Polizei Nordhessen die Öffentlichkeit kontinuierlich über ihre Social-Media-Kanäle informiert. Vor allem auf Twitter verbreitete die Polizei gesicherte Informationen. Einerseits, um die Bevölkerung zu informieren, andererseits aber auch, um Gerüchten, Spekulationen und Falschnachrichten vorzubeugen, wie Polizeisprecher Matthias Mänz gegenüber der HNA-Redaktion sagte.

„Wir wissen von anderen Großeinsätzen, wie rasant sich Falschnachrichten besonders über die sozialen Medien verbreiten. Deshalb haben wir frühzeitig damit begonnen, über Twitter seriöse Informationen herauszugeben“, so Mänz.

Die Polizei hatte damit den richtigen Riecher. So dauerte es auch nach der Amokfahrt in Volkmarsen bei Kassel in Hessen nicht lange, bis im Netz Verschwörungstheorien auftauchten. Auf einer anonymen Website wurde behauptet, in Volkmarsen habe es einen islamistisch motivierten Anschlag gegeben. 

Nach Amokfahrt in Volkmarsen: AfD-Profile hatten die Falschmeldung geteilt

Obwohl keine Quelle genannt wurde, teilten einige AfD-Profile diese Falschmeldung. Zudem kursierte ein Foto, das angeblich den Täter zeigen soll. Auch diese Falschmeldung wurde von der Polizei auf Twitter umgehend dementiert.

Die Polizei hatte bereits direkt nach der Amokfahrt in Volkmarsen davor gewarnt, Videos, Fotos oder ungesicherte Informationen ins Netz zu stellen. „Wir appellieren eindringlich an alle, die Bilder oder Videos aus Volkmarsen haben: Halten Sie sich zurück mit Spekulationen; verbreiten Sie keine dieser Aufnahmen“, schrieb die Polizei auf Twitter.

Das hohe Maß an Transparenz traf auf große Resonanz. Die Twitter-Beiträge der Polizei Nordhessen zu Volkmarsen wurden im Vergleich zu anderen Beiträgen auf deren Seite von deutlich mehr Nutzern geteilt. Einige Beiträge wurden so tausendfach geteilt.

Gerüchte über Amokfahrt in Volkmarsen hatten sich schnell verbreitet

Allerdings verbreiteten sich auch Gerüchte über die Amokfahrt in Volkmarsen in rasanter Geschwindigkeit. So spekulierten zahlreiche Nutzer auf Facebook über die Nationalität des Täters. Einige Nutzer behaupteten, der Täter sei Marokkaner und beriefen sich dabei auf ausländische Presseagenturen. 

Andere Kommentare reichten von „Es war bestimmt ein Anschlag von Islamisten“ bis hin zu „Danke Merkel!“. Manche Kommentatoren stellten die Amokfahrt in Volkmarsen in einen angeblichen Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Hanau und behaupteten, es handele sich dabei um einen Racheakt von Muslimen.

Nutzer hatten wilde Verschwörungstheorien zu Amokfahrt in Volkmarsen verbreitet

Selbst der Hinweis der Polizei, bitte keine Fotos und Videos zu verbreiten, veranlasste einige Nutzer zu wilden Verschwörungstheorien und Fantasien. Auf Twitter schrieb der Nutzer „TanduayIce“, es sei „interessant, dass keine Aufnahmen verbreitet werden sollen“. Dann wird nachgeschoben: „Weil die Version der Regierung dann immer abweicht von der gesehenen Tat?“

Auch auf Facebook gab es für die Polizei viel zu tun. Fragen von Nutzern unter den Beiträgen wurden prompt beantwortet. Aufgrund der Vielzahl unseriöser und böswilliger Kommentare komme die Polizei laut eigenen Angaben aber nur nach und nach dazu, solche Kommentare zu entfernen oder im Extremfall sogar anzuzeigen.

Der Verdacht hat sich laut Polizei bestätigt: Die Tat in Volkmarsen war eine Amokfahrt. Bei der Tat beim Karneval war nicht zum ersten Mal ein Auto als Waffe missbraucht worden.

Knapp 100 Tage nach der Amokfahrt, bei der 154 Teilnehmer und Zuschauer des Rosenmontagszuges in Volkmarsen verletzt wurden, sind noch viele Fragen offen. Der Täter schweigt weiterhin

Video: Der Amokfahrt-Tatverdächtige in Volkmarsen war nicht alkoholisiert

Von Daniel Göbel

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