+
Fällt heute die Entscheidung im Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (rechts=), der im Billigflieger zum Papst flog? 

Druck auf Tebartz-van Elst wächst

Architekt: Bischof wusste von den Baukosten

München - In der Debatte um die Kosten für das Diözesane Zentrum in Limburg hat jetzt der Architekt des Baus ausgesagt, der Bischof habe von Anfang an gewusst, "was da für Kosten auf ihn zukommen."

Mindestens zwei Verantwortliche aus dem Umfeld des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst sollen bereits im Sommer 2011 über die tatsächlichen Baukosten der Residenz informiert gewesen sein. Es sei seit der Kostenberechnung im Mai 2011 klar gewesen, dass der Neubau des Gebäudekomplexes auf dem Domberg deutlich stärker zu Buche schlagen werde als die damals veröffentlichte Summe, sagte der Architekt Michael Frielinghaus am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Da seinerzeit bereits mit „deutlich mehr als 20 Millionen Euro“ gerechnet worden sei, habe er sich über die kurz zuvor vom Bischöflichen Stuhl genannte Summe von 5,5 Millionen Euro „gewundert“, sagte der Architekt. Er könne aber nicht sagen, ob neben Generalvikar Franz Kaspar und Diözesanbaumeister Tilmann Staudt auch der Bischof selbst informiert gewesen sei.

Mit Tebartz-van Elst habe er lediglich Änderungen abgesprochen, die normal seien und „bei jedem Schul-Neubau auch vorkommen“, versicherte Frielinghaus. Der Bischof sei ein kluger Gesprächspartner gewesen, der zuhören konnte und abgewogen habe.

Die Kosten für den Bau seien keineswegs explodiert, da seit langer Zeit mit ihnen gerechnet worden sei, sagte Frielinghaus. „Es geht hier nicht um eines der vergleichbaren Großprojekte, die permanent neue Schätzungen veröffentlichen“, sagte er. Derzeit wird mit Baukosten zwischen 30 und 40 Millionen Euro gerechnet.

Tebartz-van Elst und Zollitsch beim Papst

Eine Entscheidung des Skandals um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst steht möglicherweise unmittelbar bevor: Der 53-Jährige hält sich derzeit in Rom auf - genauso wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Beide wollen den Fall mit Papst Franziskus erörtern. Es sei für den Bischof selbstverständlich, „dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in Limburg in den Händen des Heiligen Vaters liegt“, erklärte das Bistum. Wann die Gespräche stattfinden, blieb zunächst unklar. 

Laut Zeitungsberichten vom Wochenende könnten indessen die Kosten für das Zentrum, dass als Wohn- und Amtssitz des Bischofs sowie als Begegnungsstätte dient, weiter steigen. Grund sind Klagen von Stadt und Anwohnern über Schäden, die im Umfeld der Bauarbeiten entstanden. Laut „Welt am Sonntag“ könnte die Gesamtsumme die 40 Millionen Euro-Grenze erreichen

Tebartz-van Elst könnte Zwangsverwalter bekommen

Im Finanzskandal der Diözese Limburg könnte der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ein Art Zwangsverwalter bekommen. Es gebe mehrere Szenarien, sagte der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, am Montag im rbb-inforadio. Neben einem Rücktrittsangebot gebe es eine zweite Möglichkeit: „Es könnte auch einen so genannten Co-Adjutor geben, also eine Art Zweit-Bischof, der die Amtsgeschäfte mit übernimmt.“

Zudem sei auch eine apostolische Visitation denkbar, „also dass der Papst eine Untersuchungskommission bestimmt“, sagte Hagenkord. Allerdings gibt es bereits eine Prüfgruppe der Deutschen Bischofskonferenz. Wann sie Ergebnisse vorlegen wird, ist nicht bekannt.

Trierer Bischof empfiehlt Rücktritt

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann legte dem Limburger Glaubensbruder den Rücktritt nahe. „Die Situation ist ja so eskaliert, dass man sagen muss, der Bischof Franz-Peter kann im Grunde in Limburg nicht mehr arbeiten“, sagte er am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. „Ein Bischof braucht ja auch Akzeptanz.“ Wenn aber die Akzeptanz der Gläubigen schwinde, könne ein Bischof nicht mehr als Seelsorger arbeiten.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, beklagte im Deutschlandfunk, der Limburger Skandal wirke sich bereits auf das Spendenaufkommen aus. Neher sprach von einem massiven Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust, „der eigentlich so kaum mehr zu heilen sein wird“. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt des Bischofs sagte Neher, er wolle keine Empfehlungen geben. Er habe aber den Eindruck, dass „eigentlich keine Basis mehr da ist für ein fruchtbares Arbeiten, und das geht ja weit über das Bistum Limburg hinaus, berührt uns in Deutschland in der Caritas“.

Hat der Bischöfliche Vermögensverwaltungsrat auch versagt? 

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller forderte im Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ den Rücktritt des Vermögensverwaltungsrats des Limburger Bischöflichen Stuhls. „Als Ehrenmänner sollten sie Verantwortung übernehmen und zurücktreten“, sagte er unter Verweis auf mögliche Interessenkollissionen und persönliche Beziehungen zwischen Mitgliedern der Diözesanleitung und dem Aufsichtsgremium. „Eine solche wechselseitige Kontrollfunktion ist zu vermeiden, denn Interessenkollisionen sind nicht auszuschließen.“ Der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls besteht aus drei externen Personen: dem früheren Chef der Hessischen Staatskanzlei Jochen Riebel (CDU), dem Vorstandssprecher der Josefs-Gesellschaft in Köln, Theodor Michael Lucas, und dem Bochumer Wirtschaftsprüfer Carl-Friedrich Leuschner. Das Gremium hat nach eigenen Aussagen weder Haushalte noch Jahresrechnungen zu sehen bekommen.

KNA/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sternschnuppen im Oktober: So sehen Sie den Orion-Regen heute Nacht
Sternschnuppen im Oktober 2017: Freitag und Samstag in der Nacht sind am Himmel über Deutschland Orioniden zu sehen. Hier finden Sie alle Infos.
Sternschnuppen im Oktober: So sehen Sie den Orion-Regen heute Nacht
Mutter postet dieses Foto im Supermarkt - und bekommt richtig Ärger
Eine Mutter aus Australien wollte nur einen Alltagsmoment mit ihrer Community teilen - mit diesen heftigen Reaktionen hat sie nicht gerechnet.
Mutter postet dieses Foto im Supermarkt - und bekommt richtig Ärger
Diabolisch: Mörderin wollte mit diesem Posting ihre Tat verschleiern
Ein bestialischer Mord erschüttert Nordost-England. Vielleicht das schaurigste Detail: Die Täterin verfasste auf Facebook eine Nachricht, um nicht unter Verdacht zu …
Diabolisch: Mörderin wollte mit diesem Posting ihre Tat verschleiern
Fingerkuppe abgebissen: Wildschwein verletzt vier Menschen
Wilde Szenen in Schleswig-Holstein: In Heide hat ein Wildschwein-Duo am helllichten Tag die Innenstadt unsicher gemacht. Die Einwohner mussten vier Stunden das Zentrum …
Fingerkuppe abgebissen: Wildschwein verletzt vier Menschen

Kommentare