Testkassette
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Lösung auf eine Testkassette tröpfeln: Im Internet macht ein Anbieter jetzt mit einem unseriösen Angebot zu Schnelltests Kasse (Symbolbild).

ARD-Test zeigt Missstände

Dubiose Corona-Tests: ARD entlarvt Schnelltest-Anbieter -  in 15 Minuten zur „Fachperson“

  • Kathrin Reikowski
    VonKathrin Reikowski
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Nach Ende der kostenlosen Schnelltests drängen Anbieter auf den Markt, die via Video zum Testexperten schulen. Im ARD-Test fiel ein Anbieter in Sachen Seriosität durch.

München - Seit 11. Oktober sind Corona-Schnelltests in den meisten Fällen nicht mehr kostenlos. Ungeimpfte zahlen für den Restaurantbesuch, den Gang in die Bibliothek oder ins Theater schnell mal ordentlich mehr. Eine gute Möglichkeit scheint da „Test-Express“ zu sein: Der Anbieter macht Testwillige in zwölf Minuten zum Experten, der dann negative Selbsttests bescheinigen kann - und das per Video.

„Mit Test-Express kannst Du jederzeit selbst 3G-Corona-Testbescheinigungen erstellen. Du wirst von uns zur „Fachperson“ ernannt und kannst damit Selbsttests „beaufsichtigen““, schreibt „Test-Express“ auf der Website. Wie tagesschau.de herausfand, geht es dabei aber nicht immer sehr genau zu.

Via Video zum Schnelltestexperten: Bereits 35.000 Registrierte in Onlineportal

Etwa 35.000 Menschen sollen sich laut Anbieter bereits als „Fachperson“ bei der Website registriert haben. Erlaubnis zur Registrierung bekommt, wer ein 12-minütiges Video angesehen hat. Ob er oder sie dabei vor dem Computer saß oder nicht, wird nicht überprüft. Ebenso wenig wie die Identität des künftigen Experten kontrolliert wird. Laut tagesschau.de sieht der Betreiber kein Problem darin. „Jeder Nutzer muss sich bei uns mit Adresse und Handynummer sowie E-Mail-Adresse legitimieren“, sagte Markus Bönig, Geschäftsführer des Betreibers CliniGo Gmbh. Auf eine Kontrolle mit Personalausweis-Nummer habe man bislang verzichtet.

„Niemand kann für sich selbst eine Bescheinigung erstellen. Ein erwachsener Bürger kontrolliert die Durchführung eines Selbsttests durch einen anderen Menschen und bestätigt das Ergebnis“, erklärte Bönig weiter. Wer sich von einer „Fachperson“ testen lässt, muss sich ebenfalls bei „Test-Express“ registrieren und 1,99 Euro pro abgerufenem Testergebnis zahlen. Für sogenannte „Vielgetestete“ gibt es Mengenrabatt.

ARD macht den Test: Fiktive Person kann sich als Schnelltestexperte registrieren

Der Medizinrechtler Jens Prütting geht gegenüber tagesschau.de nicht davon aus, dass der Test via „Test-Express“ zu einem Eintritt nach 3G-Regelungen befähige. Der Anbieter sieht es anders: „Wir haben uns hier natürlich auch anwaltlich im Vorfeld beraten lassen und sind der Auffassung, dass wir korrekt handeln“, so Bönig. Dementsprechend wirbt die Website auch damit, der Test werde „überall anerkannt“ und entspreche „den Nachweisrichtlinien des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts“.

Im ARD-Test konnten sich die Journalisten unter fiktivem Namen und mit einer kostenlosen Mailadresse anmelden - und hätten dann Zertifikate ausstellen können. Rechtliche Konsequenzen sind laut Rechtsexperten schwer abzuschätzen. Indes würden in sozialen Medien das „Test-Express“-Angebot eifrig unter Corona-Kritikern beworben: Motto: „Testet Euch gegenseitig frei!“, so tagesschau.de.

Kommt das Ende aller Tests? Ein Statistik-Professor sieht Deutschland nah an der Herdenimmunität und spricht vom Freedom Day. (kat) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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