ARD-Meteorologe Karsten Schwanke erklärt den April-Winter.
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ARD-Meteorologe Karsten Schwanke erklärt den April-Winter.

Schnee im Frühling

„April-Winter“: ARD-Meteorologe erläutert Wetter-Phänomen, das jetzt knallhart zuschlägt

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Erst März-Sommer und jetzt April-Winter. Wechselhaftes Wetter ist für den April eigentlich nichts Ungewöhnliches. Dieses Jahr ist es allerdings extrem. ARD-Meteorologe Schwanke erklärt das Phänomen.

München - Der Winter kann weg, wünschen sich bestimmt einige. Gärtner und Gärtnerinnen dagegen bringt die aktuelle Wetterlage im Frühling in die Bredouille. Waren die Temperaturen in der vergangenen Woche doch arg verführerisch. Viele Pflanzen sind schon längst abgedeckt, vom Kälteschutz befreit. Magnolien stehen teils schon in voller Blüte - jetzt Schnee und Frost. Schnee, Hagel und dazu noch Wind - vom Frühling ist grad wirklich nichts mehr zu spüren.

ARD-Meteorologe Karsten Schwanke (52) erklärt den Frühlings-Winter im Wetterbericht der „Tagesschau“. Dabei verweist der Wetterexperte auf eine These des US-Klimaforscher Judah L. Cohan vom MIT (Massachusetts Institute of Technology). Der Klimaforscher sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang des arktischen Meereises und darauf folgenden kälteren Spätwintern im Norden Europas und Asiens.

„Wenn es im Sommer und im Herbst wenig Eis in der Arktis gibt, dann fällt mehr Schnee im Oktober und im November in Sibirien und das führt dazu, dass es kalte Spätwinter in Eurasien geben kann“, führt Schwanke aus. Der ARD-Meteorologe zieht auch einen Vergleich zwischen den Wintern 2012/13 und 2020/21.

Wetter-Phänomen April-Winter: Muster gab es 2012/13

„2012 war so ein Jahr. Absolutes Minimum in der Arktis“, so Karten Schanke. Wenig Eis in der Arktis im Sommer folgte viel Schnee in Sibirien. Im März 2013 war es dann deutlich zu kalt in Russland und im Norden Europas. Es habe sogar eine geschlossene Schneedecke auch in der norddeutschen Tiefebene gegeben.

Auch im Jahr 2020 war das Phänomen laut Schwanke zu beobachten. Auf die zweitniedrigste Meereseisausdehnung im Oktober - September folgte im Februar 2021 ein ähnliches Muster: im Norden Russlands viel zu kalt und in Deutschland frostige Tage Mitte Februar.

Wetter in Deutschland - Nach März-Sommer jetzt April-Winter

Der März 2021 war laut der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ein „kontrastreicher März, mit viel Sonnenschein und zu wenig Niederschlag“. Der erste meteorologische Frühlingsmonat verabschiedete sich mit einem Hitzerekord. Im badischen Rheinau wurden über 27 Grad gemessen. Damit ist der 31. März 2021 jetzt laut DWD der wärmste Märztag seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. „In Rheinau-Memprechtshofen im Oberrheingraben wurde um 17 Uhr mit 27,2 Grad Celsius der alte deutsche Rekord von 26,6 Grad Celsius vom 28.3.1989 in Baden-Baden überboten“, twitterte der DWD.

Nun ist der „Aprilwinter“ eingezogen. Die Temperaturen sind um 20 Grad gefallen. Kalte Polarluft aus arktischen Breiten sorgt für Neuschnee bis in tiefe Lagen. Skandinavientief „Ulli“ geht am Donnerstag (8. April) die Puste aus. Das Wetter in Deutschland beruhigt sich dann langsam. Dann soll es milder werden. In der ARD-Mediathek liefert Karsten Schwanke mehr Hintergründe zum Thema Wetter. (ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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