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Argentinien: Alles über das Land der sechs Kontinente

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Blick auf Buenos Aires
Blick auf Buenos Aires © Spectral / IMAGO

Argentinien wird auch als das Land der sechs Kontinente bezeichnet. Der Grund dafür sind die kontrastreichen Landschafts- und Klimazonen. Der Staat ist stark westlich geprägt und gilt für Touristen und Neulinge daher als ideales Einsteiger-Land für Lateinamerika.

Buenos Aires – Mit einer Fläche von 2.780.400 Quadratkilometern gilt Argentinien als das achtgrößte Land der Erde. Entsprechend vielfältig ist auch die Landschaft des südamerikanischen Staates – angefangen von reißenden Wasserfällen in tropischen Urwäldern bis hin zu staubtrockenen Hochwüsten und Gletschern. Ebenso facettenreich sind auch die Geschichte und die Kultur des Landes. Als unbestrittener Exportschlager Nummer eins gilt bis heute der Tango.

Argentinien: Präkolumbische Besiedlung und Kolonialzeit

In der Forschung geht man davon aus, dass die Besiedlung Argentiniens um etwa 15.000 vor Christus von Nordamerika aus erfolgte. In den verschiedenen Regionen des Landes entwickelten sich auch die Stämme unterschiedlich. Während die Pampas-Indianer Het eher als Jäger und Sammler unterwegs waren, praktizierten Stämme im Nordwesten des Landes im Mittelalter bereits Ackerbau und Viehzucht. Auch die Inkas expandierten im 13. und 14. Jahrhundert nach Süden in einige Teile Nord-Argentiniens.

Der Kaufmann und Seefahrer Amerigo Vespucci war einer der ersten Europäer, die im Jahre 1502 in Argentinien landeten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Argentinien von Spanien kolonisiert. Die Hauptstadt Buenos Aires wurde bereits 1536 errichtet, allerdings erst ein halbes Jahrhundert später als dauerhafter Stützpunkt der Spanier genutzt und zum Wirtschaftsstandort ausgebaut.

Die südlich davon gelegenen Gebiete wurden erst 300 Jahre später von Kolonisten unter großen Verlusten der indigenen Bevölkerung erobert.

Argentinien: Unabhängigkeitsbewegungen und Einwanderung

Am 25. Mai 1810 wurde in Buenos Aires die Unabhängigkeit des Staates ausgerufen. Die sogenannte Mai-Revolution uferte schließlich in einen landesweiten Befreiungskampf gegen die Spanier aus. Sechs Jahre später erlangte Argentinien endgültig seine Unabhängigkeit. Von 1816 bis 1880 sorgten Diktaturen und Bürgerkriege jedoch für weitere Unruhen im Land.

In den Jahren 1880 bis 1912 florierte die Einwanderung. Vor allem Italiener und Spanier wollten sich hier ein neues Leben aufbauen. Politisch wurde mit demokratischen Schlagworten gelockt. Tatsächlich war die Regierung aber eher oligarchisch geprägt.

Argentinien im 20. Jahrhundert

Die Zeitspanne von 1916 bis 1930 ging auch als die „Etappa Radical“ in die argentinische Geschichte ein. Dabei kam eine liberale bürgerliche Protestbewegung an die Macht, die wiederum von einem Militärputsch beendet wurde. Die 1930er Jahre wurden als berüchtigtes Jahrzehnt („Década infame“) bezeichnet, da hier die Scheindemokratie ihren Höhepunkt erreichte.

In den 1940er Jahren kämpfte sich der junge Offizier Juan Domingo Perón mit viel Geschick hoch an die Spitze des Landes. Mit seinen umfassenden Zugeständnissen an die Gewerkschaften wurde er von der Arbeiterklasse zum Volkshelden stilisiert. Nach seinem Sturz im Jahre 1945 wurde über Massendemonstrationen seine Rückkehr erwirkt. 1946 wurde Perón zum Präsidenten gewählt. Auch seine Frau Eva Perón (Evita) wurde zur Identitätsfigur der breiten Masse.

Argentinien galt im Zweiten Weltkrieg offiziell als neutral. Aus diesem Grund war es auch ein beliebtes Zielland von Flüchtlingen aus Europa, darunter auch eine Reihe von Nationalsozialisten und Faschisten aus Deutschland, die über Schlüsselfirmen auch hohe Vermögenswerte in den südamerikanischen Staat verschoben hatten. Doch auch Perón sympathisierte mit faschistischem Gedankengut, um den Kommunismus abzuwehren. Unter seiner Führung gelang dem Land in der ersten Regierungsphase ein wirtschaftlicher Aufschwung. Die steigende Inflation sowie die hohe Staatsverschuldung führten 1955 jedoch zum Sturz des einst beliebten Volkshelden.

In den Folgejahrzehnten war die Entwicklung Argentiniens immer wieder durch politische und wirtschaftliche Instabilitäten geprägt. Erst im Jahre 1983 hielten demokratische Strukturen Einzug. Dennoch hatte auch das demokratischere Argentinien bis heute immer wieder damit zu kämpfen, anhaltende Wirtschaftskrisen in den Griff zu bekommen.

Argentinien: Das politische System

Der Verfassung von 1994 nach weist Argentinien eine föderalistische, republikanische Präsidialdemokratie aus. Der Präsident ist demnach Staatsoberhaupt und Regierungschef in einer Person. Er wird alle vier Jahre direkt gewählt und darf nur in zwei aufeinander folgenden Perioden an der Macht sein. Spätere Kandidaturen sind jedoch möglich.

Die Legislative wird vom Kongress übernommen. Dieser besteht aus der Abgeordnetenkammer und dem Senat. Die Wahl und Anzahl der Abgeordneten wird nach einem bestimmten Schlüssel auf die Provinzen des Landes verteilt. Das Wahlsystem gilt jedoch als äußerst undurchsichtig, was einen Personenkult, Wahlbetrug und Korruption begünstigt. Die Parteienlandschaft selbst ist von einer starken Zersplitterung und Unstetigkeit geprägt.

Argentinien: Fakten im Überblick

Argentinien: Bevölkerung und Sprachen

Auch hinsichtlich der Bevölkerung ist Argentinien vielfältig und bunt aufgestellt. Das liegt mitunter daran, dass ca. 90 Prozent der rund 45 Millionen Einwohner aus dem europäischen Ausland stammen. Bereits im 19. Jahrhundert wanderten viele Italiener und Spanier nach Argentinien aus. Doch auch Deutsche wurden hier sesshaft und bilden heute drei bis vier Prozent der Bevölkerung.

Die landesweite Amtssprache ist Spanisch. Aber es gibt noch einige Minderheitensprachen, die in manchen Provinzen sogar amtssprachlichen Charakter aufweisen. Dazu zählen das Quechua, das Gauraní sowie die Sprachen der Wichí, der Toba und der Mocoví. In einigen Gegenden wir auch noch das Mapudungun gesprochen.

Argentinien: Geografie und Städte

Argentinien gilt nach Brasilien als der zweitgrößte Staat Südamerikas. Es ist umgrenzt vom Atlantischen Ozean im Osten, Bolivien und Paraguay im Norden, Brasilien und Uruguay im Nordosten und Chile im Westen. Es wird gerne auch als das Land er sechs Kontinente bezeichnet. Der Grund dafür ist die vielfältig Landschaft mit ihren unterschiedlichen klimatischen Bedingungen: Angefangen von den gewaltigen Anden, den trockenen Wüsten, den tropischen Regenwäldern bis hin zu Gletschern im ewigen Eis.

Entsprechend artenreich ist auch die Flora und Fauna. Etwa zwölf Prozent der Landfläche ist bewaldet. In den tropischen Regenwäldern gedeihen Pflanzen wie Rosenhölzer, Palisander sowie Palmen. In den ausgedehnten Graslandschaften sind Eukalyptus und Akazien beheimatet. Und in den Anden lassen sich Nadelwälder und Zypressen finden. Ebenso vielfältig ist die Tierwelt: Angefangen von diversen Affenarten und Reptilien bis hin zu Wildtieren wie Jaguare oder Pumas. Aber auch die Vogelwelt ist mit Kolibris, Flamingos, Tukane und Papageien bunt aufgestellt.

Trotz der enormen Größe des Landes leben etwa 87 Prozent der Bevölkerung in den Städten. Die größten Städte Argentiniens im Überblick:

Argentinien: Wissenswertes zum Land

Musik hat in der argentinischen Kulturgeschichte einen hohen Stellenwert. Das macht sich auch im populärsten Tanz des Landes bemerkbar, dem Tango. Er ist vermutlich unter dem Einfluss afrikanischer Rhythmen in den Bordellen der Vorstädte von Buenos Aires entstanden. Er galt ursprünglich als sehr anrüchig. Erst die Pariser Oberschicht verlieh dem Tanz den internationalen Glanz und Glamour. Auch Interpreten wie Carlos Gardel haben den Tango einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Noch heute ist in ganz Buenos Aires anhand der Tanzlokale (den Tanguerías) und an den zahlreichen Tanztreffen die Wichtigkeit dieses Tanzes spürbar. Jährlich wird am 11. Dezember sogar der „Tango Day“ zelebriert.

Kulinarisch ist Argentinien vor allem als Fleischland aufgestellt. Das Land besitzt sogar mehr Rinder als Einwohner. Das „Asado“-Steak erfreut sich darum höchster Beliebtheit. Das Nationalgericht ist allerdings das „Locro“. Dabei handelt es sich um einen Eintopf aus Mais, Bohnen, Kürbis und Rindfleisch. Aber auch spanische und italienische Einflüsse machen sich auf der Speisekarte immer wieder bemerkbar.

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