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Das Handout des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung zeigt am 23.06.2014 in der Tiefsee einen Plastikfetzen, der sich in einem Schwamm (Cladorhiza cf. gelida) verfangen hat und mit Anemonen (Amphianthus sp.) besiedelt ist. Er wurde bei Kamera-Untersuchungen am Hausgarten Observatorium, dem Tiefsee-Observatorium des Alfred-Wegener-Instituts in der Framstraße, sowohl in 2014 als auch 2016 in 2500m Wassertiefe erfasst.

Studie

Die arktische Tiefsee hat ein Müllproblem

Bremerhaven - Zivilisationsmüll macht auch vor der arktischen Tiefsee nicht Halt. Dort schwebt Plastik durchs Wasser, Glasreste liegen auf dem Boden. Das bedeutet Gefahr für das sensible Ökosystem.

Wissenschaftler warnen vor einer zunehmenden Vermüllung der arktischen Tiefsee. Glas, Plastik und Fischernetze - all das findet sich 2500 Metern unter der Meeresoberfläche. Binnen eines Jahrzehnts stieg die Mülldichte dort stark, wie eine Langzeitmessung der Forscherinnen Mine Banu Tekmann und Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven ergab.

Seit 2002 beobachteten sie an zwei Messpunkten in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen mit einem ferngesteuerten Kamera-System den Meeresboden. Auf 7058 Fotos entdeckten sie dabei 89 Müllteile. Hochgerechnet führte das im Untersuchungszeitraum von 2002 bis 2014 zu einem Durchschnittswert von 3485 Müllteilen pro Quadratkilometer. Der Höchstwert lag 2014 bei 6333 Müllstücken.

Besonders dramatisch sei die Situation an der nördlicheren Messstation: „Hier ist die Verschmutzung in den Jahren von 2004 bis 2014 um mehr als das Zwanzigfache gestiegen“, sagte AWI-Biologin Tekman. Betrachtet man nur dieses nördliche Gebiet, ergab die Messung 2004 nur 346 Müllteile. Zehn Jahre später waren es 8082 Teile. „Bei unseren Untersuchung haben wir nur Partikel von mindestens zwei Zentimetern Größe gezählt“, betonte Bergmann.

Das Glas am Boden ist demnach am leichtesten zu erklären. Das Material driftet nicht über größere Distanzen. Es sinke sofort an Ort und Stelle auf den Meeresgrund, wie die Forscherinnen sagten. Die Messreihe zeige somit: Mit der Intensität der Schifffahrt in der Region nimmt auch die Mülldichte zu.

Schwieriger sei es, die Herkunft des Plastikmülls in den arktischen Gewässern zu erklären: Denn Plastik lege im Meer meist weite Reisen zurück, bevor es den tiefen Meeresgrund erreiche. Dabei sei der Einfluss des Golfstroms auf die Verbreitung von Plastikmüll in der Arktis unbestritten. Er transportiere die Plastikteile aus den südlichen Atlantikregionen in die Framstraße.

Zudem formulierten die Biologinnen einen neuen Ansatz: Es könnte einen Zusammenhang zwischen der Mülldichte und der Meereis-Ausdehnung geben. „Das Meereis könnte demnach ein Transportmittel für Müll sein und diesen während der Schmelzperiode im untersuchten Gebiet freigeben“, sagte Bergmann. Bislang sei man vom Gegenteil ausgegangen, da man das Eis eher als eine Barriere gegen die Verschmutzung betrachtetet habe.

dpa

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