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Armenien: Eine Kaukasusrepublik im Aufbruch

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Armeniens Hauptstadt Jerewan und der Mount Ararat
Armeniens Hauptstadt Jerewan und der Mount Ararat © Mikhail Pogosov / IMAGO

Armenien ist ein Binnenstaat in Vorderasien, der an die Länder Georgien, Aserbaidschan, Iran und die Türkei angrenzt. Die Kaukasusrepublik blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück zwischen fremdländischer Unterdrückung und hart erkämpfter Unabhängigkeit.

Jerewan – Über Jahrhunderte hinweg war Armenien von sämtlichen Großmächten heiß umkämpft. Das mit einer Fläche von 29.743 Quadratkilometer große Land konnte sich nach Jahrzehnte langen fremdländischen Unterdrückungen schließlich zur unabhängigen Republik mausern. Wenn auch wirtschaftlich der Staat im Kaukasus immer noch mit Armut zu kämpfen hat, hat es einige wichtige Kulturschätze zu verzeichnen.

Armenien: Umkämpftes Gebiet in der Antike

Die Geschichte des heutigen Armeniens reicht zurück bis in die Antike. Von etwa 850 bis 600 vor Christus hatte sich auf dem heutigen Gebiet das Königreich Urartu ausgebreitet. Unter persischer Herrschaft (von 546 bis 331 vor Christus) wurde die Provinz erstmals als Armenien auf einer dreisprachigen Inschrift erwähnt. Nach dem Feldzug Alexanders des Großen gegen die Perser wurde das Land schließlich in den Interessensbereich des Seleukidenreichs integriert.

Im Jahr 188 vor Christus ließ sich Artaxias I. zum König von Armenien ausrufen. Die Dynastie seiner Nachkommen festigte die Unabhängigkeit Großarmeniens als selbständiges Königreich. Dennoch blieb es geostrategisch bis in die Spätantike von Römern, Parthern, Sassaniden und Persern heiß umkämpft. Die islamische Expansion im 7. Jahrhundert markierte den Endpunkt der antiken armenischen Geschichte.

Armenien: Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

Doch auch in den Folgejahrhunderten wurde die Kaukasusregion von verschiedenen Großmächten in Besitz genommen. Im Mittelalter zerfiel schließlich das von arabischen Stämmen geführte Land. Nach wechselnden Eroberungen zwischen Byzanz und dem Kalifat gerieten ab dem 18. Jahrhundert Teile des Landes zunehmend in den Fokus persischer sowie russischer Interessen. Vor allem der Zerfall des Osmanischen Reiches begünstigte den Aufstieg der russischen Vorherrschaft. Dennoch verschärften sich die Konflikte, sodass in den Jahren 1894 bis 1896 die osmanische Regierung mehrere Massaker an der armenischen Bevölkerung veranlasste, denen 80.000 bis 300.000 Bewohner zum Opfer fielen.

Nach dem Eintritt des Osmanischen Reichs in den Ersten Weltkrieg eskalierte die Lage endgültig. 1915 markierte die vom osmanischen Innenminister Talât Bey initiierte Verhaftung und Deportation armenischer Intellektueller in Istanbul den Beginn des Völkermords an den Armeniern. Ein Genozid, bei dem schätzungsweise 300.000 bis 1,5 Millionen Armenier zu Tode kamen.

Armenien: Unabhängigkeit nach sowjetischer Herrschaft

1922 wurde Armenien in die Transkaukasische SFSR der neu gegründeten Sowjetunion eingegliedert. Dieser Verbund wurde 14 Jahre später aufgelöst, sodass Armenien (bzw. die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik – kurz Armenische SSR) als eine formal eigenständige Unionsrepublik Teil der Sowjetunion wurde.

1988 richtete ein Erdbeben verheerende Schäden in Armenien an, sodass die Regierung erstmals auch auf ausländische Hilfe angewiesen war. Die Naturkatastrophe kostete etwa 20.000 Armeniern das Leben. Die entstandenen wirtschaftlichen Schäden wirken noch bis in die Gegenwart nach. Nach der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion erlangte Armenien am 21. September 1991 seine Unabhängigkeit zurück.

Armenien: Das politische System

Armenien weist eine parlamentarische Republik auf. Das Parlament - die Nationalversammlung – wird alle vier Jahre gewählt. Alle Abgeordneten (derzeit 107) sind in einer Kammer zusammengefasst. Lange war die nationalkonservative Republikanische Partei Armeniens führend. 2018 sorgte die sogenannte „Samtene Revolution“ jedoch für einen neuen politischen Kurs. Die zentristisch-liberal ausgerichtete Partei „Zivilvertrag“ konnte unter dem amtierenden Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan bei den Parlamentswahlen in Armenien erstmals eine Mehrheitsregierung stellen. Er ist er Regierungschef des Landes. Staatspräsident ist Armen Sarkissjan.

Armenien: Fakten im Überblick

Armenien: Sprachen und Bevölkerung

Die armenische Sprache, die einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprache stellt, ist auch die Amtssprache des Landes. Auch wenn die Republik selbst gerade mal drei Millionen Einwohner aufweist, wird Armenisch weltweit von rund sieben Millionen Menschen gesprochen. Aufgrund seiner Geschichte ist aber nach wie vor Russisch Pflichtfach in der Schule und auch im Bildungssektor sowie im Geschäftsleben weit verbreitet. Inzwischen setzt sich aber auch Englisch als erste Fremdsprache immer mehr durch.

Ein Drittel der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Jerewan.

Laut einer Zählung von 2011 sind gut 98 Prozent der Einwohner auch ethnische Armenier. Damit gilt die Gesamtbevölkerung des Landes als nahezu ethnisch homogen. Die größte Minderheit stellen die Jesiden mit gerade mal 1,17 Prozent Bevölkerungsanteil, gefolgt von den Russen (0,39 Prozent), Assyrern (0,09 Prozent), Kurden (0,07 Prozent), Ukrainern (0,03 Prozent), Georgiern (0,02 Prozent) und Iranern (476 Personen). Die Bevölkerungsentwicklung ist stetig rückläufig. Das Verhältnis von Auswanderer zur Gesamtbevölkerung war lange Zeit mit 25 Prozent das vierthöchste der Welt und blieb bis 2015 fast unverändert.

Armenien: Geografie und Städte

Armenien grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Die Kaukasusrepublik wird von der Bevölkerung auch als das „Land der Steine“ bezeichnet, weil vor allem Berge und karge Hochebenen das Landschaftsbild des Staates prägen. Rund 90 Prozent des Landes liegt 1.000 Meter über dem Meeresspiegel oder höher. Zu den bedeutendsten Erhebungen zählt für die Armenier der biblische Berg Ararat mit 5.137 Metern – unweit der Hauptstadt Jerewan. Er gilt als Nationalsymbol des Landes. Allerdings hat die Sache aus geographischer Sicht einen Haken: Denn der Berg steht in bereits hinter der armenischen Grenze in der ostanatolischen Türkei.

Neben der Ararat-Ebene im Süd-Westen sind auch die Ketten des Kleinen Kaukasus im Norden, die vulkanische Hochfläche des Aragaz, die Schlucht von Hunot sowie der Sewansee landschaftlich besonders reizvoll. Armenien weist durch die Höhenunterschiede auch verschiedene Klimazonen auf, wobei es sich um größtenteils kontinentales Klima handelt. Die Republik ist in insgesamt elf Provinzen unterteilt.

Die Provinzen und Hauptstädte Armeniens im Überblick

Armenien: Wissenswertes zum Land

Armenien hat trotz wirtschaftlicher Armut vor allem kulturelle Reichtümer zu bieten. Eine der wichtigsten Bauwerke ist die Kathedrale von Etschmiadsin – eine armenisch-apostolische Kirche in der armenischen Provinz Armawir. Der Grundstein dafür wurde bereits zu Beginn des 3. Jahrhunderts gelegt. Sie wird als der älteste christliche Ort der Armenier verehrt und bildet auch das religiöse Zentrum des Landes. Seit dem Jahr 2000 wird das bedeutendste Baudenkmal Armeniens auch als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Daneben bilden auch noch die Klöster Haghpat und Sanahin, die archölogische Fundstätte von Zvartnots, das Kloster Geghard im Oberen Azat-Tal,  der Tempel von Garni, die Felsenhöhlen von Goris sowie die Kaskade von Jenewan beliebte Ausflugsziele des Landes.

Ein weiteres Kulturerbe – wenn auch immateriell gesehen – lässt sich in der armenischen Küche wiederfinden: Das Lawasch-Brot – ein Nationalgericht in Armenien. Dieses beliebte Fladenbrot aus Mehl, Wasser und Salz wird oft auf traditionelle Weise per Hand in einem Tandur (einem mit Holzkohle beheizten Backofen) zubereitet. Auch genießt die armenische Küche per se international einen guten Ruf. Sie ist eng verwandt mit den Kochtraditionen des Kaukasus und Kleinasiens, ist aber auch von osteuropäischen Einflüssen geprägt.

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