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Appell an die Bürger: Nicht mehr benötigte Medikamente, Lacke, Dünger und andere Chemikalien sollen keinesfalls über das Abwasser entsorgt werden. Foto: Oliver Berg

Arzneirückstände im Wasser schwer zu beseitigen

Seit einigen Jahren weisen Forscher immer wieder Spuren von Antibiotika und Schmerzmitteln in Gewässern nach. Es sind auch Folgen hohen Medikamentenkonsums und falscher Entsorgung. Was tun?

Berlin (dpa) - Die Verringerung von Arzneimittel-Rückständen im Wasserkreislauf wäre nach Einschätzung von Forschern nur mit großem technischen und finanziellen Aufwand möglich. Das gilt auch für andere Chemikalien.

Kein technisches Verfahren allein sei in der Lage, alle bekannten Stoffe zu eliminieren, teilten die Technische Universität Berlin (TU) und die Berliner Wasserbetriebe zum Abschluss von zwei Projekten mit. Sie appellierten daher an Verbraucher, nicht mehr benötigte Medikamente, Lacke, Dünger und andere Chemikalien keinesfalls über das Abwasser zu entsorgen.

"Wir haben erkannt, dass wir es mit einer Reihe von Stoffen zu tun haben, die in Kläranlagen nicht vollständig entfernt werden können", sagte Projektleiter Prof. Martin Jekel (TU Berlin) der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe um 50 bis 100 Stoffe, vor allem aus Medikamenten. Die bisher gemessenen Mengen variierten, auch je nach Stelle im Wasserkreislauf. Gesetzliche Zielwerte fehlten noch, sagte Jekel.

Die Spuren werden bereits seit einigen Jahren auch dank verbesserter Messtechnik nachgewiesen. Ursache sind menschliche Ausscheidungen und falsche Entsorgung. Da die Bevölkerung altert, wird gerade in Ballungsräumen in Zukunft mit steigenden Konzentrationen in Flüssen gerechnet. In geringerem Umfang wirkt sich das auch auf das Grundwasser aus. Dokumentiert ist bislang nur bei einzelnen Stoffen, dass sie bei Tieren schädlich sein können. Die Folgen beim Menschen sind weitgehend unklar.

In Anlagen der Berliner Wasserbetriebe erprobten die Forscher etwa Verfahren mit Ozon und Pulveraktivkohle, die in Zukunft als zusätzliche Reinigungsstufe in Klärwerken eingesetzt werden könnten. "Die sind gut geeignet, aber nicht vollkommen vergleichbar miteinander", sagte Jekel. Welche Verfahren tatsächlich infrage kämen, hänge davon ab, welche Stoffe beim Gewässerschutz in den zukünftigen gesetzlichen Regelungen Priorität bekommen.

Für Jekel sollten das insbesondere das weit verbreitete Schmerzmittel Diclofenac und das Antibiotikum Sulfamethoxazol sein: "Es sieht danach aus, dass dabei künftige Zielwerte überschritten werden." Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg rüsteten bereits Kläranlagen nach, auch in der Schweiz tue sich viel. In Berlin folgt aus der Forschung etwa ein großtechnischer Test in einer Anlage, in der Oberflächenwasser aufbereitet wird: Dort soll ein Pulveraktivkohlesilo ab Jahresende Spurenstoffe zurückhalten.

Projekt Askuris

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