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Freispruch für Nicolas Bonnemaison.

Sterbehilfe-Prozess

Arzt tötet alte Patienten - Freispruch

Paris - In einem aufsehenerregenden Prozess wurde am Mittwoch ein Krankenhausarzt freigesprochen, der sieben sehr alten Patienten an ihrem Lebensende todbringende Medikamente verabreicht hatte.

Die Geschworenen des Gerichts in der südwestfranzösischen Stadt Pau sprachen den Notfallmediziner Nicolas Bonnemaison von allen Anklagepunkten frei. Es könne nicht nachgewiesen werden, dass der Arzt die Patienten im Sinne des Strafgesetzbuches habe vergiften wollen.

Bonnemaison hatte im Krankenhaus der südfranzösischen Stadt Bayonne zwischen 2010 und 2011 sieben sehr alten und unheilbar kranken Patienten ohne Absprache mit anderen Ärzten oder Angehörigen Medikamente verabreicht, die den Tod der an ihrem Lebensende stehenden Patienten beschleunigten. Dem 53-Jährigen drohte wegen "Vergiftung besonders verletzlicher Personen" eine lebenslange Haftstrafe.

Bonnemaison bestreitet die Verabreichung der Medikamente nicht, verteidigte sich aber, er habe den Patienten Leid ersparen wollen. "Ich denke, es gehört zur Pflicht des Arztes, seine Patienten bis ans Ende vom Ende zu begleiten", sagte Bonnemaison am Mittwochmorgen in seinem Schlusswort. "Ich habe als Arzt gehandelt, so wie ich den Beruf verstehe."

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag fünf Jahre Haft mit möglicher Bewährung gefordert, nicht aber ein Berufsverbot. "Nein, Sie sind kein Mörder", sagte Anklagevertreter Marc Mariée. "Sie wollten nichts Schlechtes tun". Das Gesetz verbiete es aber, Menschen zu töten. Als der Vorsitzende Richter am Mittwoch den Freispruch verkündete, brandete im Gerichtssaal lauter Applaus auf.

Regierungssprecher Stéphane Le Foll sagte in Paris, das Urteil zeige, wie notwendig eine "Weiterentwicklung des gesetzlichen Rahmens" bei der Sterbehilfe sei. Ein Gesetz aus dem Jahr 2005 regelt zwar den Einsatz schmerzlindernder Medikamente, die auch den Tod beschleunigen können. Kritiker bemängeln aber, es gebe noch zu viele Unklarheiten. Das Gesetz erlaubt auch, unheilbar Kranke an deren Lebensende "sterben zu lassen", damit diese nicht mehr leiden müssen. Wie in den meisten europäischen Staaten ist in Frankreich die aktive Sterbehilfe verboten, ebenso die Beihilfe zur Selbsttötung.

Frankreichs Staatschef François Hollande hatte im Wahlkampf eine Reform der Gesetzgebung zum Lebensende von Menschen versprochen. Der konservative Abgeordneten Jean Leonetti, aus dessen Feder des Gesetz von 2005 stammt, und der sozialistische Abgeordnete Alain Claeys sollen dazu bis Jahresende Vorschläge unterbreiten.

Zweiter Fall sorgt für Aufregung

In der Sterbehilfe-Debatte sorgt noch ein zweiter Fall für Aufregung: Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht verfügte am Dienstag, dass die künstliche Ernährung des seit einem Verkehrsunfall vor sechs Jahren querschnittsgelähmten Vincent Lambert eingestellt werden darf, wie es seine Ärzte, seine Frau und weitere Verwandte fordern. Bei dem 38-Jährigen sind laut Ärzten kaum mehr Bewusstseinsanzeichen vorhanden.

Lamberts tief religiöse Eltern wollen ein Abschalten der Geräte aber verhindern und zogen vor den Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Dieser forderte am Dienstagabend, Lambert bis zu einem endgültigen Beschluss weiter am Leben zu erhalten.

AFP

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