Eine Spritze mit dem Corona Impfstoff AstraZeneca wird in einem Impfzentrum aufgezogen.
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Astrazeneca bleibt im Fokus: Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Impfung und dem Auftreten des Clarkson-Syndroms?

Wir klären DIE Impfstoff-Fragen

Astrazeneca-Impfung: EMA prüft Zusammenhang mit seltener Erkrankung - was ist das Clarkson-Syndrom?

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Neuer Wirbel um Astrazeneca: Die Europäische Arzneimittelbehörde prüft Fälle einer seltenen Gefäßkrankheit auf einen möglichen Bezug zur Corona-Impfung. Was hat es mit dem Clarkson-Syndrom auf sich?

Amsterdam - Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) beschäftigt sich weiterhin intensiv mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Die EMA untersucht derzeit mögliche Verbindungen zwischen der Impfung und dem Auftreten der seltenen Erkrankung Kapillarlecksyndrom, auch Clarkson-Syndrom genannt. Konkret geht es dabei um fünf Fälle. Wie die EMA ausdrücklich mitteilt, ist ein ursächlicher Zusammenhang noch nicht bestätigt. Merkur.de klärt alle wichtigen Fragen.

Astrazeneca: Was genau ist das Clarkson-Syndrom?

Beim Clarkson-Syndrom handelt es sich um eine sehr seltene Erkrankung, die im Zusammenhang mit einer Schwellung von Körpergewebe auftritt. Die Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße (Kapillargefäße) ist dann so hoch, dass Plasma austritt und unter Umständen das Zwischengewebe befällt. Aufgrund der Abnahme des Plasmawassers ist eine Bluteindickung möglich. Infolgedessen kann es zu einem Abfall des Blutdrucks kommen. 

Das Syndrom wurde im Jahr 1960 von einem Medizinerteam aus New York rund um Dr. Bayard D. Clarkson entdeckt. Daher trägt es neben der offiziellen Bezeichnung Kapillarlecksyndrom (Systemisches Capillary-Leak-Syndrom / SCLS) auch den Namen Clarkson-Syndrom.

Astrazeneca: Wie gefährlich ist das Clarkson-Syndrom?

In der Regel kommt es bei Betroffenen zu unterschiedlichen Krankheitsabläufen aus sogenannten Krisen und Ruhephasen. Der Abstand zwischen den Krisen liegt zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren. Zunächst treten starke Bauchschmerzen und Übelkeit auf. Je nach Ausmaß des Syndroms kann es daraufhin auch zu einem Herz-Kreislauf-Kollaps oder akutem Nierenversagen kommen.

Später kann es aufgrund der extrem gestiegenen Flüssigkeitsmenge zu einer sogenannten Polyurie, einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung, kommen. Daraufhin ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Lunge denkbar. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Wasserlunge. Wird ein akutes Lungenödem nicht rechtzeitig behandelt, kann es zum Atemstillstand und damit in wenigen Minuten zum Tod kommen. Es gibt keine kurative, sprich heilende Behandlung. Das Ausmaß der Symptome kann lediglich abgemildert werden.

Wie Orphanet, eine Datenbank für seltene Krankheiten, erklärt, sind die Überlebenschancen gering: „Trotz der Fortschritte bei der Diagnose und dem Krankheitsmanagement, mit deren Hilfe das Überleben der Patienten verlängert werden konnte, bleibt die Prognose schlecht.“ Die Mortalität, also die Sterberate, erreiche nach zehn Jahren 30 bis 40 Prozent.

Astrazeneca: Wie weit ist das Clarkson-Syndrom verbreitet?

Es handelt sich um eine äußerst seltene Gefäßerkrankung. Deshalb ist das Clarkson-Syndrom bislang auch wenig erforscht. Eine Studie aus dem Jahr 2002 kam zu dem Ergebnis, dass bis dahin weltweit gerade einmal 57 Fälle bekannt waren. Die Betroffenen waren im Durchschnitt 46 Jahre alt (neun bis 67). Männer und Frauen scheinen gleichermaßen betroffen.

Laut Angaben von Orphanet wurde das Clarkson-Syndrom seit seiner Entdeckung im Jahr 1960 in weniger als 150 Fällen berichtet.

Astrazeneca: Was bedeuten die EMA-Untersuchungen für die Corona-Impfung?

Die EMA erachtet den Astrazeneca-Impfstoff weiterhin als sicher. Das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns war bereits wegen eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Impfung und dutzenden, teilweise auch tödlichen, Fällen von Thrombosen in die Schlagzeilen geraten. Daraufhin waren in etlichen Ländern - unter anderem auch in Deutschland - die Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt worden.

Mittlerweile kam die EMA zu dem Schluss, dass der Nutzen der Corona-Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als „sehr seltene Nebenwirkung“ des Impfstoffs aufzuführen. In Deutschland wurde der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs grundsätzlich auf Menschen ab 60 Jahren eingeschränkt. Die Ständige Impfkommission hatte eine entsprechende Altersbeschränkung für Astrazeneca empfohlen. Richtig erscheint die Einschätzung auch aufgrund des Todes einer jungen Frau aus NRW, die infolge einer Impfung ihr Leben verlor.

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