Ein Fläschchen mit fünf Milliliter Corona-Impfstoff von Astrazeneca steht im Corona-Impfzentrums in Berlin-Tegel auf einem Tisch vor der Verpackung.
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Astrazeneca hat für seine Studie möglicherweise „veraltete Infomationen“ verwendet.

Studie wirft Fragen auf

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: „Veraltete Informationen“ - US-Behörde zweifelt an Daten zur Wirksamkeit

  • Kai Hartwig
    vonKai Hartwig
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Schwere Nebenwirkungen nach Astrazeneca-Impfungen werfen Fragen über die genauen Ursachen auf. Zudem steht eine Studie des Pharmaunternehmens in der Kritik.

Washington D.C. - Die Schlagzeilen um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca reißen nicht ab. Vergangene Woche wurden die Impfungen mit dem Serum des schwedisch-britischen Pharmaunternehmens ausgesetzt. Grund waren diverse Fälle von Blutgerinnseln, die bei Geimpften auftraten. Aus Dänemark wurde unterdessen erneut ein Todesfall gemeldet, die genauen Hintergründe sind noch unklar.

Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) gab einige Tage später aber grünes Licht. Der Astrazeneca-Impfstoff sei „sicher und wirksam“. Bezüglich der Wirksamkeit veröffentlichte das Pharmaunternehmen zu Wochenbeginn eine Phase-III-Studie. Demnach biete die Impfung mit Astrazeneca einen Schutz von 79 Prozent, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Vor einem schweren Krankheitsverlauf schütze das Vakzin sogar zu 100 Prozent, besagten die Studienergebnisse.

Corona-Studie zu Astrazeneca-Impfstoff: US-Experten zweifeln Daten an

Doch US-Experten zweifeln nun an diesen Erkenntnissen. Sie befürchten, dass die Ergebnisse der Studie auf veralteten Daten basieren. Am Dienstag äußerte sich das Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Demnach habe ein internes Kontrollgremium „seine Besorgnis ausgedrückt“. Man vermute das Einbeziehen von „veralteten Informationen“. Somit könne ein „unvollständiges Bild der Wirksamkeit vermittelt“ worden sein.

Das Gremium der US-Behörde richtete eine Forderung an das Pharmaunternehmen. Astrazeneca solle „mit dem Data and Safety Monitoring Board (DSMB) zusammenzuarbeiten, um die Wirksamkeitsdaten zu überprüfen und sicherzustellen, dass die genauesten, aktuellsten Wirksamkeitsdaten so schnell wie möglich veröffentlicht werden“.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Pharmaunternehmen spricht von hoher Wirksamkeit bei Älteren

Noch am Montag hatte Astrazeneca bekannt gegeben, sein Vakzin sei auch bei älteren Menschen sehr wirksam. Zudem bestehe kein erhöhtes Thrombose-Risiko durch die Impfung. Den Angaben der Studie zufolge nahmen insgesamt 32.449 Probanden teil. Darunter befanden sich rund zwei Drittel geimpfte Personen. Knapp 20 Prozent der Studienteilnehmer waren 65 Jahre oder älter. Bei etwa 60 Prozent gab es Vorerkrankungen wie Diabetes und damit ein erhöhtes Risiko eines schweren Corona-Verlaufs.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die in Deutschland für die Impfstoff-Zulassung zuständige Behörde, wollte sich auf Nachfrage von Merkur.de nicht zu der Astrazeneca-Studie äußern. Das PEI sei noch nicht im Besitz des „entsprechenden wissenschaftlichen Papers“, sagte eine Sprecherin. Allerdings erwarte man, „dass die Daten zeitnah auch der Europäischen Arzneimittelagentur EMA vorgelegt und dort dann von den Expertinnen und Experten der nationalen Gesundheitsbehörden bewertet werden“. An diesem Vorgang beteilige sich dann auch das PEI.

Dafür will das Institut noch in dieser Woche einen „Sicherheitsbericht“ veröffentlichen. Der beschäftigt sich mit „Verdachtsfällen von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen mit den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen“. (kh)  

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