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Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Experte klärt über Stärken und Schwächen auf - „Besser als sein Ruf“

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Von: Andreas Beez

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Eine Pflegemitarbeiterin lässt sich an der Uniklinik Halle mit dem Corona-Vakzin von Astrazeneca impfen.
Eine Pflegemitarbeiterin lässt sich an der Uniklinik Halle mit dem Corona-Vakzin von Astrazeneca impfen. © Jens Schlueter/AFP

Viele wollen eine Corona-Impfung - aber nicht so gerne mit dem Vakzin von Astrazeneca. Zu Recht? Ein Experte liefert uns eine Analyse.

München Wenn es um die Corona-Impfungen* geht, hat die Verunsicherung der Bevölkerung einen Namen: Astrazeneca. Gefühlt ist der Impfstoff, den Forscher aus Oxford entwickelt haben, in Deutschland so begehrt wie Porridge, Aalsülze oder schottische Eier. Selbst Ärzte hegen insgeheim Zweifel.

So klingelte bei Professor Peter Kremsner am Donnerstag oft das Telefon, Medizinerkollegen wollten vom Chefinfektiologen der Uni Tübingen wissen, was denn von diesem Impfstoff zu halten sei. „Astrazeneca wirkt klar schlechter als die beiden anderen zugelassenen Impfstoffe, ist aber besser als sein Ruf. Deshalb rate ich allen: Lasst euch lieber mit Astrazeneca impfen als gar nicht“, sagt Kremsner. Für den Münchner Merkur analysiert der Impfstoff-Experte Stärken und Schwächen.

Astrazeneca-Impfstoff gegen Covid-19: „Schützt auch gut vor schweren Verläufen“

Wie gut wirkt Astrazeneca wirklich? 

Die Wirksamkeit wird mit circa 60 Prozent angegeben, Biontech und Moderna erreichen etwa 95 Prozent. Das beziffert die Schutzquote vor einer Covid-19*-Erkrankung allgemein. „Damit sind alle Erkrankungsformen gemeint – von sehr milden Symptomen bis hin zum Tod. Es scheint jedoch so zu sein, dass auch Astrazeneca wie die anderen Corona-Impfstoffe auch gut vor schweren Verläufen schützt“, erklärt Kremsner. Allerdings sei das noch nicht ausreichend mit Daten untermauert.

Was ist der große Unterschied? 

Fakt ist: Die drei Impfstoffe sind mit verschiedenen Technologien entwickelt worden. Biontech und Moderna setzen auf Messenger-RNA-Impfstoffe. Dabei werden – vereinfacht erklärt – Bauanleitungen für bestimmte Eiweißbestandteile des Coronavirus* verabreicht. Im Zuge einer Reaktionskette werden Antikörper und T-Zellen gebildet. Diese Abwehrstoffe fangen die Viren ab und zerstören sie.

Astrazeneca-Vakzin ist kein mRNA-, sondern ein Vektorimpfstoff wie Sputniv V

Statt auf dieses neuartige und hocheffektive mRNA-Prinzip setzt Astrazeneca auf modifizierte Adenoviren. Diese umgebauten Schnupfenviren dienen als Transportmittel, um Erbgutschnipsel des Coronavirus in die Zellen zu transportieren. Das Immunsystem wird darauf trainiert, den Erreger abzuwehren. Mittel auf der Basis dieser Träger-Technologie nennt man Vektorimpfstoffe.

Diese müssen aber nicht unbedingt schlechter wirken als mRNA-Impfstoffe, wie russische Wissenschaftler bewiesen haben: Ihr Vektorimpfstoff Sputnik V erreicht eine Wirksamkeit von 92 Prozent. „Es scheint ein sehr guter Impfstoff zu sein“, so Kremsner. Eine Zulassung in der EU dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Debatte um Corona-Impfstoffe: Hebeln Mutationen die Wirksamkeit aus?

Ist Astrazeneca wirklich schlechter verträglich? 

Wer sich gegen Corona impfen lässt, kann ein, zwei Tage Beschwerden haben – egal, welches Mittel er verabreicht bekommt. Dabei gelte, so sagt der Experte: „Je Jünger, desto schlimmer, die Älteren vertragen es besser.“

Hebeln die Mutationen* die Wirksamkeit der Impfstoffe aus? 

„Drei wissenschaftliche Arbeiten, die gerade im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht worden sind, zeigen, dass die Mutationen sehr wahrscheinlich kaum Auswirkungen auf die Wirksamkeit haben werden“, sagt Kremsner: „Während man beispielsweise bei einem Antibiotikum meist nur einen Ansatzpunkt hat, um den Erreger zu bekämpfen, sind es bei einem Impfstoff viele, etwa zehn solcher Ansatzpunkte, vielleicht sogar 30 oder noch mehr. Da müsste sehr, sehr viel zusammenkommen, dass ein Impfstoff deutlich schlechter oder gar nicht wirkt.“ Er sehe da „keine große, unmittelbare Gefahr“. *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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