Laschet nimmt Spahn in Schutz

AstraZeneca-Impfstoff: EMA-Entscheidung da - WHO empfiehlt Fortsetzung der Corona-Impfungen

Die Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin wurden in Deutschland vorerst ausgesetzt. Am Donnerstag wird eine Entscheidung der EMA über die weitere Verwendung des Impfstoffs erwartet.

  • In Deutschland wurden die Corona-Impfungen* mit AstraZeneca vorerst gestoppt. Ausgerechnet in der dritten Welle kann jetzt in Deutschland weniger geimpft werden.
  • Die WHO empfiehlt, die Impfungen mit dem britisch-schwedischen Vakzin fortzusetzen. (siehe Update vom 17. März, 15.21 Uhr)
  • Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will am Donnerstag über die weitere Verwendung des AstraZeneca-Impfstoffs entscheiden. (siehe Update vom 18. März, 7.05 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

+++ Dieser Ticker ist beendet. Alle weiteren Entwicklungen zu den Impfungen mit AstraZeneca in Deutschland lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 18. März, 7.05 Uhr: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Donnerstag entscheiden, ob der AstraZeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus weiter verwendet werden soll. Sein Gebrauch war in Deutschland und anderen Ländern nach einigen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu den Corona-Impfungen ausgesetzt worden. Wie es in Deutschland nach der Bewertung durch die EMA weiter geht, wollen Bund und Länder am Freitag bei einem Impf-Gipfel beraten.

Gesundheitsminister Jens Spahn war für seine Entscheidung, die Corona-Impfung mit AstraZeneca auszusetzen, zunächst heftig kritisiert worden. Zuletzt regte sich von vielen Seiten aber auch Unterstützung für den CDU-Politiker. Spahn habe keine andere Möglichkeit gehabt, als den Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zu folgen, erklärte CDU-Chef Armin Laschet am Mittwochabend in der ARD-Sendung „maischberger. die woche“.

Das für die Impfstoff-Sicherheit zuständige Institut hatte wegen möglicher Gesundheitsrisiken dazu geraten, Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin auszusetzen. „Da kann Politik gar nicht anders, als der Wissenschaft folgen“, sagte Laschet. Der NRW- Ministerpräsident stellte sich vor den kritisierten Gesundheitsminister. Spahn habe „den schwersten Job überhaupt“.

Die EMA will am Donnerstag über die weitere Verwendung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca entscheiden. (Symbolbild)

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: WHO empfiehlt Fortsetzung der Impfungen

Update vom 17. März, 15.21 Uhr: Ein Paukenschlag in der AstraZeneca-Affäre: Die WHO empfiehlt nun bis auf Weiteres weiter mit dem Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers zu impfen. „Die WHO ist der Meinung, dass die Vorteile die Risiken überwiegen“, teilte die Organisation am Mittwoch in Genf mit. Einige EU-Länder, darunter auch Deutschland, Frankreich und Spanien, haben die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin vorerst ausgesetzt, weil mehrere Fälle von Blutgerinnseln in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet wurden.

Die WHO unterstreicht jetzt aber, dass eine Impfung gegen Covid-19 keine Krankheiten oder Todesfälle durch andere Ursachen reduziere. Thrombosen passierten häufig. „Venöse Thromboembolien gehören zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit“, so die WHO. Es sei Routine, mögliche Zwischenfälle bei Impfkampagnen zu registrieren und zu untersuchen. Das zeige, dass die Überwachungssysteme funktionierten. Allerdings bedeute eine zeitliche Nähe aber nicht zwangsläufig auch einen kausalen Zusammenhang. Man bleibe im engen Kontakt zur Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA).

Unterdessen hat Großbritannien auch auf die harten Worte von Ursula von der Leyen in Richtung von AstraZeneca reagiert. Ein britischer Regierungssprecher verwies auf ein Gespräch zwischen Premierminister Boris Johnson und von der Leyen zu Anfang des Jahres. Die Kommissionschefin habe damals zugesagt, dass der EU-Mechanismus zur Exportkontrolle ausschließlich der Transparenz diene. „Wir erwarten, dass sich die EU an ihre Zusagen hält“.

Nach AstraZeneca-Impf-Stopp: Ursula von der Leyen schießt gegen den Hersteller

Update vom 17. März, 13.41 Uhr: Die Corona-Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin haben einige EU-Länder, darunter auch Deutschland, momentan ausgesetzt. Doch von einer baldigen Weiterverwendung scheint auch Ursula von der Leyen überzeugt. So sehr, dass sie dem Hersteller jetzt sogar droht. Denn die EU erwägt einen Export-Stopp für Hersteller in Impfstoff-produzierenden Ländern, die ihre Lieferzusagen nicht einhalten. Das verkündete die Präsidentin der EU-Kommission bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Gemeint ist damit besonders AstraZeneca.

Den britisch-schwedischen Pharmakonzern kritisierte sie wegen der Lieferschwierigkeiten seines Impfstoffs scharf. Die Firma werde im zweiten Quartal nach derzeitigen Angaben nur etwa 70 Millionen Dosen liefern, sagte sie. „Das sind erheblich weniger als die 180 Millionen, die sie vertraglich zugesagt haben zu liefern.“ Bei Astrazeneca sei noch „viel Luft nach oben“.

Es gehe bei einem möglichen Export-Stopp darum, „Gegenseitigkeit und Verhältnismäßigkeit“ sicherzustellen. „Wir werden auch darüber nachdenken, ob Exporte in Länder, die höhere Impfraten haben als wir, verhältnismäßig sind“, zitiert die Bild von der Leyen weiter. Die Politikerin spielt damit klar auf Großbritannien an. An dem Ziel, dass bis Ende des Sommers 70 Prozent der Erwachsenen in der EU vollständig geimpft sein sollen, hielt von der Leyen fest. Der Start der Impfkampagne sei zwar schwierig gewesen. Doch man habe Fortschritte gemacht.

Nach schweren Thrombose-Fällen: Deutschland setzt Impfung mit AstraZeneca aus

Erstmeldung vom 17. März: München - Zwar steht Deutschland mit dieser Entscheidung nicht alleine da, für Kritik sorgt sie dennoch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschloss am Montag, die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin vorerst auszusetzen. Dazu hatte ihm das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nach dem Auftreten von acht Thrombosefällen geraten. Unter den acht Personen gab es drei Todesfälle. Betroffen waren hauptsächlich Frauen im jungen und mittleren Alter. Auch in zahlreichen anderen EU-Ländern wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Spanien oder Schweden war man diesen Schritt gegangen. Ein Fehler?

Massive Kritik an Spahn: EMA hält an AstraZeneca-Impfstoff vorerst fest

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ist nach wie vor davon überzeugt, dass der Nutzen des Impfstoffs - Schutz vor Covid-19*- höher ist als das Risiko. Es gebe derzeit keine Belege, dass die bei einzelnen Geimpften aufgetretenen Blutgerinnsel von dem AstraZeneca-Impfstoff verursacht worden seien, sagte Behördenchefin Emer Cooke am Dienstag. Ihre Behörde berät nun erneut über den britisch-schwedischen Impfstoff und will am Donnerstag zu einer abschließenden Einschätzung kommen. Die EU-Kommission hofft dann auf eine europaweite Wiederaufnahme der Impfungen mit dem Corona-Vakzin von AstraZeneca. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zeigt sich bezüglich der Bewertung am Donnerstag zuversichtlich. „Darauf warten wir und folgen dem wissenschaftlichen Rat der EMA“, sagt sie am Dienstag..

Auch die FDP und die Grünen sehen den Impfstopp in Deutschland kritisch. Die bereits langsame Impfkampagne* könnte durch die Aussetzung noch weiter in Verzug geraten. „Mir ist und bleibt schleierhaft, wie Herr Spahn zu seiner Entscheidung gekommen ist. Das sorgt für Verwirrung, das sorgt für Verunsicherung im ganzen Land“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* nannte die Entscheidung „einen Fehler“. FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte sogar die Entlassung von Spahn. Der für Mittwoch (17. März) angesetzte Impf-Gipfel wurde auf den Freitag verschoben, um die erneute Einschätzung der EMA abzuwarten. Allein in Deutschland waren bereits vor dem Stopp etwa 1,6 Millionen Menschen mit AstraZeneca geimpft worden.

Trotz des Stopps für AstraZeneca - in Bayern werden große Lieferungen erwartet

Verteidigt wurde Spahns Entscheidung hingegen vom Chef der Intensivmediziner-Vereinigung DIVI, Uwe Janssens. „Herr Spahn kann doch gar nicht anders entscheiden, wenn die Expertinnen und Experten vom Paul-Ehrlich-Institut ihm so eine Botschaft auf den Tisch legen“, sagte er am Mittwoch dem Deutschlandfunk. Bei den Erkrankungen handelte es sich um seltene Sinusvenen-Infektionen. Die Zahl der aufgetretenen Thrombosen nach der Impfung mit AstraZeneca sei signifikant höher, „als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten.“ Das erklärt das PEI auf seiner Webseite. Es sei nur etwa ein Fall zu erwarten gewesen, aber sieben seien bis zur Empfehlung zur Aussetzung gemeldet worden.

In Bayern erwartet das Gesundheitsministerium ungeachtet des derzeitigen Stopps der Corona-Impfungen*mit dem AstraZeneca-Präparat vorerst weitere Lieferungen. Von Anfang März bis Anfang April waren insgesamt 660.000 Impfdosen AstraZeneca avisiert. „Hiervon wurden 309.600 Impfdosen bereits zugeliefert, während die Zulieferung der verbleibenden 350.400 Impfdosen bis zur 13. Kalenderwoche noch bevorsteht“, teilte das Ministerium in München auf Anfrage mit. (mam/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Matthias Bein

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