Sorgen nach neuen Daten

„Astrazeneca-Risiko wohl größer als gedacht“: Lauterbach schwenkt um und fordert U-55-Impfstopp in Deutschland

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Hirnvenenthrombosen und Todesfälle nach Impfungen: Jetzt fordert auch Karl Lauterbach einen Impfstopp mit Astrazeneca in Deutschland. Der Corona-Experte revidiert seine Meinung.

München/Berlin - Die nächste Wende in der Diskussion um den Astrazeneca-Impfstoff. Die Leiter von fünf der sechs Uni-Kliniken in Nordrhein-Westfalen haben sich in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und Landesgesundheitsminister für den vorläufigen Stopp von Corona-Impfungen jüngerer Frauen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca ausgesprochen. Das Risiko von weiteren Todesfällen sei zu hoch, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

Corona-Impfungen: Berlin, München und NRW-Kliniken stoppen Impfen mit Astrazeneca für u60-Jährige

Zuvor hatte es Berichte über mehrere Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca gegeben. Laut Paul-Ehrlich-Institut lagen am Montag, 29. März, 31 solcher Verdachtsfälle vor. Mehr noch: In den vergangenen Tagen wurden auch einzelne Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit Astrazeneca-Impfungen bekannt.

So starb laut Angaben des Uniklinikums Essen ein erst 36-jähriger Mann aus dem Kreis Kleve kurz nach einer Corona-Impfung mit Astrazenca. Und vor dem Wochenende hatte das Uniklinikum Rostock vom Tod einer 49-jährigen Krankenschwester nach einer Astrazeneca-Impfung berichtet.

Schon vor der Politik reagierten an diesem Dienstagmittag Mediziner. So stoppten zuerst Kliniken in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Berlin die Impfungen gegen Corona mit Astrazeneca für Menschen unter 60, kurz darauf zog München nach. Am frühen Dienstagabend vermeldete schließlich die Augsburger Allgemeine, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) in einem Beschlussentwurf das Mittel nur noch für Menschen ab 60 empfiehlt.

Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Auch Karl Lauterbach plädiert für vorläufigen Impfstopp

Doch: Wie nachvollziehbar sind die Bedenken, nachdem erst kürzlich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zum Weiterimpfen geraten hatte. Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der lange gegen einen solchen Stopp argumentiert hatte, ist das vorläufige Aussetzen der Impfungen jetzt ein folgerichtiger Schritt.

„Nach Sichtung der Daten und Argumente, sowie nach Gesprächen mit Spezialisten, schließe ich mich einer Änderung des Einsatzes des Astrazeneneca-Impfstoffes heute an. Ich hatte zunächst eine andere Position, aber man muss jetzt reagieren. Das Risiko für Jüngere und gerade für Frauen unter 55 Jahren ist offenbar größer als gedacht“, erklärte der Wissenschaftler und Parlamentarier Merkur.de.

Das zu Grunde liegende Phänomen, die Hirnvenenthrombose, trete besonders bei Jüngeren auf, erklärte der Mediziner weiter. Gerade Frauen seien häufiger betroffen.

Corona-Impfungen in Deutschland: Karl Lauterbach plädiert für Fokussierung auf Biontech-Impfstoff

„Vermutlich macht es daher Sinn, die Einschränkung auf ganz Deutschland auszuweiten. Wir brauchen jetzt eine Lösung und möglichst nicht die, dass jedes Bundesland eine andere Regelung trifft“, meinte Karl Lauterbach auf Nachfrage weiter.

Ein Schnellschuss sei jetzt nicht möglich, aber man müsse zwei Dinge tun: „Zum einen unbedingt die Erstimpfungen vorziehen und zum anderen prüfen, ob wir das Impfintervall zwischen Erstimpfung und Zweitimpfung beim Biontech-Impfstoff weiter ausdehnen können. Die Reihenfolge der Impfprioritäten sollten wir aber auf keinen Fall ändern.“ (pm)

Was passiert, wenn ich bereits eine Erstimpfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca erhalten habe? Über die aktuellen Beschlüsse berichtet auch owl24.de*. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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