Keine Hinweise auf Zusammenhang

Lehrer stirbt nach Impfung: Region in Italien stoppt nach Todesfall AstraZeneca-Charge - bisher Entwarnung

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In Italien sorgt ein weiterer Todesfall nach einer Corona-Impfung für Aufregung. Ein Lehrer verstarb nach einer AstraZeneca-Impfung. Bisher haben die Behörden keine Hinweise auf einen Zusammenhang.

Turin - Die beunruhigenden Meldungen um den Corona-Impfstoff* des Herstellers AstraZeneca reißen nicht ab. Nach dem Tod eines Lehrers am Sonntag hatte auch die italienische Region Piemont die Impfungen mit dem Präparat kurzzeitig ausgesetzt. Nach wenigen Stunden gaben die Behörden aber wieder grünes Licht für den AstraZeneca-Impfstoff. Nur die Charge, aus der die Dosis stammte, die dem später gestorbenen Lehrer verabreicht wurde, wird nicht mehr verabreicht.

Corona in Italien: Lehrer stirbt nach Impfung - Bisher keine Hinweise auf Zusammenhang

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden starb der Mann am Sonntag in Biella, nachdem er am Vortag mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft wurde. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Impfungen mit dem Präparat des schwedisch-britischen Pharmakonzerns untersagt - nach wenigen Stunden aber von den Behörden wieder freigegeben.

Der Gesundheitsbeamte Luigi Genesio Icardi hatte zunächst erklärt, die Impfungen mit AstraZeneca würden vorläufig gestoppt, um zu untersuchen, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Impfung gebe. Wenig später erklärte die Region, dass der AstraZeneca-Impfstoff wieder verwendet werden dürfe. Ausgenommen davon sei die Charge, aus der die Dosis stammte, die dem später gestorbenen Lehrer verabreicht wurde.

Soldaten sterben nach Corona-Impfung: Behörden untersuchen den Todesfall

Zuvor sorgten in der vergangenen Woche drei weitere Todesfälle für Aufregung in Italien. Auf Sizilien waren drei Soldaten nach ihrer Impfung mit AstraZeneca gestorben*. Für mindestens einen Fall könne der direkte Zusammenhang mit der Impfung von AstraZeneca bereits ausgeschlossen werden, erklärte Nicola Magrini, der Direktor der italienischen Arzneimittelbehörde AIFA. Derweil trafen Beamte des Gesundheitsministeriums auf Sizilien ein, wo sie den Tod eines 43-jährigen Soldaten - einer der anderen beiden Todesopfer - untersuchen wollen.

Aufgrund stark steigender Corona-Neuinfektionen befindet sich Italien seit Montag erneut im Lockdown.

AstraZeneca-Impfungen in mehreren Ländern nach Zwischenfällen ausgesetzt

Am Donnerstag hatte auch Dänemark die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt. Zuvor hatte es Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Geimpften gegeben. Seither verkündeten auch Norwegen, Island, Bulgarien und zuletzt Irland die Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca.

Kritik an AstraZeneca-Impfstopp - Überreaktion oder wichtige Vorsichtsmaßnahme?

Ob es sich bei der vorübergehenden Aussetzung des AstraZeneca-Impfstoffes um eine Überreaktion oder eine richtige Vorsichtsmaßnahme handelt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Vielerorts stößt das Vorgehen von Dänemark und anderen Ländern auf Kritik. Experten befürchten weitere Schäden für das Vertrauen in das Präparat.

Anders dagegen das Vorgehen in Großbritannien. Hier wird der Impfstoff von Astrazeneca im Kampf gegen das Coronavirus* weiter eingesetzt. „Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagte Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) einer Mitteilung zufolge. „Alle Menschen sollten sich gegen Covid-19 impfen lassen, wenn sie dazu aufgefordert werden“, sagte Bryan.

Deutschland hält an EMA-Einschätzung für AstraZeneca-Impfstoff fest

Der Impfstoff von AstraZeneca ist seit Januar in der EU zugelassen. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Länder war das Vakzin zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen worden, weil belastbare Daten für die Wirksamkeit bei älteren Menschen zunächst fehlten. Inzwischen wird der Impfstoff aber auch für Senioren empfohlen. Die Meldungen über vereinzelte Todesfälle hatten in Deutschland bisher keine Auswirkungen auf den Impfplan*. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verwies am Freitag auf die Europäische Arzneimittelbehörde EMA, die nach Beratung der Experten erklärt habe, dass es keine auffällige Häufung von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gebe. Das für Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut komme zu derselben Einschätzung.

In diesem Zusammenhang hat sich auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Wort gemeldet. Seiner Ansicht nach ist das Thromboserisiko im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung verschwindend gering. Dazu hat er auf Twitter eine Grafik auf Grundlage von Daten aus dem Vereinigten Königreich geteilt. Dort kämen auf 10 Millionen Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin nur 14 Thrombose-Fälle.

Nach Impfstopp in mehreren Ländern: Astrazeneca betont Sicherheit

Auch der Hersteller AstraZeneca selbst hat nach einer Analyse von Impfdaten erneut Sorgen über die Sicherheit seines Corona-Impfstoffes zurückgewiesen. Eine sorgfältige Analyse der Sicherheitsdaten von mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und Großbritannien habe keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien, tiefen Venenthrombosen und Thrombozytopenie geliefert, wie der britisch-schwedische Pharmakonzern am Sonntag in London mitteilte. Damit bezieht sich das Unternehmen nun auf noch mehr Datensätze. (va/AFP)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Guglielmo Mangiapane/dpa

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