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Seltene neurologische Erkrankung: EMA veröffentlicht neue Daten zu Nebenwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs

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Von: Martina Lippl

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Astrazeneca-Impfstoff
Der Impfstoff von Astrazeneca ist sicher und wirkt. © Sakchai Lalit/AP/dpa

Der Impfstoff von Astrazeneca entwickelte sich nach Berichten von Nebenwirkungen in Deutschland zum Ladenhüter. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) veröffentlicht neue Daten. 

Amsterdam - Bei keinem anderen Corona-Impfstoff wurde über die Nebenwirkungen so viel diskutiert, wie bei Astrazeneca. Nun gibt es Neuigkeiten zu schweren Nebenwirkungen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA empfiehlt jetzt, die Produktinformationen bei dem Astrazeneca-Impfstoff namens Vaxzevria anzupassen. Vor allem mit Blick auf die zweite Dosis.

Schwere Nebenwirkungen nach erster Astrazeneca-Impfung - Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom

Das Vakzin des schwedisch-britischen Pharmakonzerns wurde am 29. Januar 2021 von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassen. Nach Berichten von schweren Nebenwirkungen stoppten mehrere Länder, auch Deutschland, vorerst den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs. Es handelte sich um sehr seltene Blutgerinnsel, in der medizinischen Fachsprache Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom - kurz TTS. Diese Blutgerinnsel treten oft an ungewöhnlichen Stellen auf, etwa im Gehirn. Betroffene haben gleichzeitig eine verminderte Anzahl von Blutplättchen. 

Astrazeneca-Nebenwirkungen: EMA weist auf aktuelle Daten nach zweiter Impfdosis hin

Nach einer zweiten Dosis mit Astrazeneca wurden weniger Fälle seltener Blutgerinnung mit niedriger Thrombozytenzahl beobachtet, teilt die EMA mit. Das habe eine Überprüfung der Daten gezeigt. Die meisten vermuteten TTS-Ereignisse weltweit wurden demnach nach Verabreichung der ersten Dosis gemeldet. Nach der zweiten Astrazeneca-Dosis seien weniger beobachtet worden. Ein Hinweis in den Beipackzettel sollte deswegen nach Ansicht des EMA-Sicherheitsgremiums PRAC aufgenommen werden.

Um das zu veranschaulichen, legt die EMA kumulative Zahlen vor: Weltweit sind insgesamt 1.809 Thrombosen mit Thrombozytopenie-Syndrom gemeldet worden. Davon 1.643 nach der ersten Dosis und 166 nach der zweiten Dosis. Die EMA schreibt zudem: „Gemäß der aktuellen Produktinformation ist die Verabreichung einer zweiten Dosis Vaxzevria bei Personen kontraindiziert, bei denen nach der Impfung mit diesem Impfstoff TTS aufgetreten ist.“

Astrazeneca-Impfstoff trotz Nebenwirkungen sicher

Inzwischen sind Millionen Menschen geimpft. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Dagegen ist mit leichten Nebenwirkungen immer zu rechnen. Impfungen - auch mit Astrazeneca - haben nach Ansicht von Experten Krankenhauseinweisungen und Todesfälle verhindert. Wie alle Arzneimittel werden die Daten von Vaxzevria kontinuierlich überwacht und immer wieder sorgfältig bewertet, betont die EMA.

Transverse Myelitis - neue Nebenwirkung auch bei Astrazeneca

Gleichzeitig veröffentlichte die EMA in diesem Newsletter neue Warnhinweise zu Nebenwirkungen bei zwei Impfstoffen. In diesem Fall ist auch Vaxzevria von Astrazeneca betroffen. Nach den Astrazeneca-Impfungen wurden der Behörde Fälle von transverser Myelitis (TM) gemeldet. Die Transverse Myelitis ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine Entzündung einer oder beider Seiten des Rückenmarks gekennzeichnet ist. „Es kann Schwäche in den Armen oder Beinen, sensorische Symptome (wie Kribbeln, Taubheitsgefühl, Schmerzen oder Verlust des Schmerzempfindens) oder Probleme mit der Blasen- oder Darmfunktion verursachen.

In Deutschland werden derzeit überwiegend die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna verimpft. Vor Omikron soll vor allem ein Booster schützen. Nichtsdestotrotz ist Ende Februar der Protein-Impfstoff von Novavax zu erwarten. (ml)

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