Athen hebt Pflicht zum Religionsunterricht auf - Kirche empört

Athen - Gegen den massiven Widerstand der orthodoxen Kirche hat die konservative griechische Regierung am Mittwoch die Pflicht zum Religionsunterricht in der Schule aufgehoben.

Künftig werde jeder Schüler, der nicht am Religionsunterricht teilnehmen möchte, während dieser Stunden Nachhilfe in anderen Fächern seiner Wahl erhalten, berichtete das Staatsradio. "Die Regelung ist falsch und verfassungswidrig", hieß es dazu in einer Erklärung der orthodoxen Kirche des Landes. "Nein! Die Regelung ist richtig, und sie entspricht den Verpflichtungen, die unser Land als EU-Mitglied hat", entgegnete ein Sprecher des Kultusministeriums.

Rund 98 Prozent der Griechen sind Anhänger des orthodoxen Glaubens, der von der griechischen Verfassung als "herrschende Religion" anerkannt wird. Alle Griechen müssen nach Ansicht der Kirche am Religionsunterricht teilnehmen. Die Kirche sei lediglich bei Schülern aus anderen Staaten bereit, eine Entbindung vom Religionsunterricht zu akzeptieren, sagte ein Sprecher der Synode der Bischöfe in Athen.

Viele griechische Bürger fühlen sich den Orthodoxen aus Tradition, nicht aber aus Überzeugung verbunden. Sie fordern deshalb die vollständige Trennung von Staat und Kirche. Im Zuge dieser Entwicklung war 1982 in Griechenland die standesamtliche Heirat als gleichwertig mit der kirchlichen Trauung eingeführt worden. Anfang der 90er Jahre war der Religionsvermerk in griechischen Ausweisen abgeschafft worden.

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