Super-GAU auch in Deutschland möglich?

Berlin - Die deutsche Atomindustrie schließt einen Unfall wie im japanischen Reaktor Fukushima für die Bundesrepublik aus. Der Reaktorsicherheitsexperten Michael Sailer sieht dies anders.

“Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar“, erklärte das Deutsche Atomforum am Samstag in Berlin.

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Zwar seien die deutschen Siedewasserreaktoren Isar 1, Krümmel, Brunsbüttel, Gundremmigen A/B und Philippsburg 1 mit denjapanischen grundsätzlich vergleichbar. Doch seien die japanischen Anlagen älter. “Der wesentliche Unterschied zu jüngeren Anlagen besteht in der Anzahl der Stränge der Sicherheitssysteme“, erklärte der Branchenverband. Die japanischen Anlagen verfügten über zwei Stränge, die deutschen dagegen über vier.

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Zudem stünden in deutschen Reaktoren mehr Dieselgeneratoren für die Stromversorgung zur Verfügung und es gebe Anschlussstellen für externe Generatoren. “Diese sorgen im Notfall dafür, dass alle notwendigen Aggregate für die Nachwärmeabfuhr zur Verfügung stehen“, erklärte das Atomforum.

Schwere Atomunfälle wie jetzt in Japan könnten sich nach Aussage des Reaktorsicherheitsexperten Michael Sailer aber auch in Deutschland ereignen. “Wir haben im Grundsatz die gleichen Reaktoren wie in Japan und es ist daher falsch, zu sagen, dass in Deutschland solche Unfälle unmöglich sind“, sagte das Mitglied der Reaktorsicherheitskommission am Samstag der Nachrichtenagentur dapd.

Bei einem Ausfall der Kühlsysteme wegen komplett unterbrochener Stromversorgung entstünde in Deutschland dieselbe Lage, “mit der Japan jetzt kämpft“, sagte der Diplomingenieur und Geschäftsführer des Öko-Institutes. Wenn alle Systeme versagten, “ist man in einer katastrophalen Lage und das kann auch in Deutschland passieren“.

Deutschland sei zwar kein Erdbebengebiet wie Japan. Es wären aber andere Ursachen für einen Ausfall des gesamte Kühlsystems eines Reaktors denkbar. So wäre ein unerkannter Konstruktionsfehler möglich. Auch die schlechte Wartung eines Notkühlsystems könnte dazu führen, “dass sie gerade dann nicht funktionieren, wenn man sie braucht“, gab Sailer zu bedenken. Auch an die Folgen eines möglichen Flugzeugabsturzes auf einen Reaktors müsse gedacht werden.

Der Sicherheitsexperte forderte, bei allen deutschen Reaktoren einen Ausfall der Stromversorgung aller Sicherheitssysteme durchzuspielen. Wichtig sei auch die Platzierung der Sicherheitssysteme im Kraftwerk. Dies dürften nicht wie in Japan durch ein einzelnes Ereignis insgesamt zerstört werden können.

dapd

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