Umstrittene Aktion: Empörung 

Aufruf von tschechischem AKW löst riesigen Shitstorm aus

Ein tschechischer AKW-Betreiber sucht auf eine ungewöhnliche Art nach Praktikantinnen. Sie müssen an einer Art Schönheitswettbewerb teilnehmen. Daran gibt es Kritik.

Update, 16.10 Uhr: Die Kritik an der Aktion reißt nicht ab. „Dieser Wettbewerb hat jede ethische Grenze überschritten“, sagte die Frauenrechtlerin Petra Havlikova dem Nachrichtenportal „aktualne.cz“. „Zieh dich aus und du bekommst ein Praktikum - das kann doch nicht ernst gemeint sein, das ist degradierend, widerlich und primitiv“, kritisierte eine Internetnutzerin die Aktion. „Kenntnisse spielen offenbar keine Rolle“, merkte ein anderer User an. 

Die Bademode-Fotos mit den Schülerinnen wurden im Inneren eines Kühlturms aufgenommen, der für Wartungsarbeiten abgeschaltet ist. Zum Bikini tragen die Teilnehmerinnen des Wettbewerbs um die beste „Energie-Abiturientin“ einen Schutzhelm. „Modeschauen in Bademode gehören allgemein zu Schönheitswettbewerben“, teilte ein AKW-Sprecher der dpa mit. Das AKW Temelin liegt 60 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt.

München - Ein Atomkraftwerk-Betreiber sucht derzeit auf eine ungewöhnliche Weise nach einer neuen Praktikantin. Bewerberinnen müssen an einer Art Schönheitswettbewerb teilnehmen, inklusive Fotos im knappen Outfit. Dagegen gibt es Kritik.

Der tschechische Atomkraftwerk-Betreiber ČEZ will mit einem Programm mehr Frauen in technische Berufe bringen. Dafür wetteifern Abiturientinnen um einen Praktikumsplatz im Atomkraftwerk Temelín. Das Vergabeverfahren ist allerdings eher kurios. Statt einer Begeisterung für Technik, guter Schulnoten oder anderer Leistungen geht es nämlich scheinbar vor allem um das Aussehen der Frauen. 

Teil des Auswahlverfahrens ist auch eine Art Schönheitswettbewerb, für den die Kandidatinnen sich in knappen Outfits ablichten lassen mussten. Diejenige, die von Facebook-Nutzern die meisten Likes bekommt, soll die Stelle erhalten. Auch die Personenbeschreibungen dazu erwecken nicht ganz den Eindruck, dass es vor allem um die Förderung von Technikbegeisterung geht, sondern klingen eher nach Schönheitswettbewerb: „Brünett, blaue Augen. Sie möchte neue Freunde finden und Erfahrungen sammeln. Danach möchte sie studieren. Ihr größter Traum ist ein Fallschirmsprung“, heißt es bei einer Bewerberin etwa.

Kritik im Netz an der Aktion

Das finden nicht alle gut. Zwar geben sich die meisten Kommentatoren auf der Facebook-Seite des AKW-Betreibers begeistert, doch hierzulande hat die Aktion schon Kritik gefunden. Eine Autorin der Huffington Post kritisiert: „Die Art und Weise, wie die jungen Mädchen zu dem Job kommen, könnte sexistischer, frauenfeindlicher und widerlicher nicht sein.“ Nach ihrer Meinung sollte es nicht darum gehen, wie man aussieht, sondern was man kann.

Auch auf Facebook wird heftig darüber diskutiert. „Armselig“ schreibt dort „Andreas“., „Asozial“ dagegen „Kwjetka“. „Warum lassen die Mädchen sich das gefallen“, fragt „Michaela“. Andere halten dagegen: „Ich glaube, diese Mädels sind alt genug, um zu wissen, was sie wollen“, schreibt „Manuel“. Dem stimmt auch Nutzer „Colt“ zu. „Monika“ kritisiert, Sendungen wie Germany‘s Next Topmodel würden letzten Endes das selbe Prinzip auch in Deutschland praktizieren, ohne dass sich jemand darüber aufregt. 

Im Arbeitsleben sind Frauen gegenüber Männern nach wie vor oft benachteiligt. Wie sieht das eigentlich in München und Bayern aus? Wir haben die Zahlen.

hs/dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook

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