Atomstreit: Iran sieht Moskauer Kompromissvorschlag positiv

- Moskau/London - Im Atomstreit mit dem Westen hat sich Iran nach anfänglicher Ablehnung positiv über den Moskauer Kompromissvorschlag einer Urananreicherung auf russischem Gebiet geäußert. Der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani drohte am Mittwoch in Moskau zugleich damit, sein Land werde bei einer Überweisung des Streits an den UN-Sicherheitsrat eine industrielle Urananreicherung aufnehmen.

"Unsere Sicht dieses Vorschlags ist positiv", sagte Laridschani, der Sekretär des iranischen Sicherheitsrats ist, nach seinen Moskauer Gesprächen zu dem russischen Angebot. Die Positionen müssten jedoch bei den für Februar geplanten Gesprächen weiter angenähert werden. Iran begrüße auch eine Beteiligung weiterer Länder an einer Aufbereitungsanlage in Russland. Über einen möglichen Beitrag Chinas sei nicht speziell gesprochen worden.

Am Vorabend hatten sich Laridschani und der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Igor Iwanow, dafür ausgesprochen, den Konflikt bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) zu belassen. Laridschani warnte den Westen davor, den Konflikt vor den Sicherheitsrat zu bringen. "Unter diesen Umständen werden wir uns nicht nur auf wissenschaftliche Experimente beschränken, sondern die industrielle Urananreicherung beginnen", zitierte ihn Nachrichtenagentur Interfax.

Die britische Regierung bestätigte am Mittwoch, dass die Außenminister der fünf ständigen Mitgliedsländer des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschlands in der kommenden Woche in London am Rande einer Afghanistan-Konferenz über den Atomstreit mit Iran beraten werden. Die Unterredung der Außenminister der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Russlands und Chinas sowie Deutschlands dient den Angaben zufolge der Vorbereitung der Sondersitzung der IAEO zum iranischen Atomprogramm in Wien am 2. und 3. Februar. Deutschland ist nicht Mitglied des UN-Sicherheitsrates, nimmt aber als Mitglied der Iran- Verhandlungsgruppe der EU teil, zu der auch Großbritannien und Frankreich gehören.

Aus diplomatischen Kreisen verlautete, dass US-Außenministerin Condoleezza Rice das Londoner Treffen nutzen wolle, um mit den westlichen Verbündeten sowie mit ihren Amtskollegen aus Russland und China das weitere Vorgehen zur Kontrolle des iranischen Atomprogramms zu diskutieren. Wie es weiter hieß, gingen die USA und die EU davon aus, dass sie bei dem IAEO-Treffen über genügend Stimmen verfügten, um Iran wegen der Wiederaufnahme der Urananreicherung vor den UNSicherheitsrat zu bringen.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, hatte am Dienstag in Washington erklärt, die Atompläne Irans sollten nach Ansicht der US-Regierung ungeachtet der aktuellen russisch-iranischen Gespräche vor den UN-Sicherheitsrat gebracht werden. "Wir glauben, dass es jetzt Zeit ist, das Thema Iran an den UN-Sicherheitsrat zu überweisen", sagte McCormack.

Präsident Wladimir Putin bot unterdessen an, in Russland ein internationales Zentrum für für nukleare Dienstleistungen einschließlich der Wiederaufbereitung von Brennstoffen

einzurichten. Solch ein Zentrum sollte unter der Aufsicht der IAEO stehen, sagte Puitn in St. Petersburg.

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