Das Unwetter hat sich nach ersten Polizeiangaben innerhalb von etwa 10 bis 15 Minuten abgespielt. Foto. Marius Becker Foto: Marius Becker
1 von 7
Das Unwetter hat sich nach ersten Polizeiangaben innerhalb von etwa 10 bis 15 Minuten abgespielt. Foto. Marius Becker Foto: Marius Becker
Ein bei einem Wirbelsturm abgedecktes Hausdach im Ortsteil Boisheim. Ein Tornado hat im Raum Viersen gewütet. Foto: Marius Becker
2 von 7
Ein bei einem Wirbelsturm abgedecktes Hausdach im Ortsteil Boisheim. Ein Tornado hat im Raum Viersen gewütet. Foto: Marius Becker
Der Tornado fegte über mehrere Ortschaften und deckte etwa 40 bis 50 Häuser ab. Foto: Marius Becker
3 von 7
Der Tornado fegte über mehrere Ortschaften und deckte etwa 40 bis 50 Häuser ab. Foto: Marius Becker
Der Tornado zieht über eine Gartenanlage im Raum Viersen hinweg. Foto: Ralf Nowak
4 von 7
Der Tornado zieht über eine Gartenanlage im Raum Viersen hinweg. Foto: Ralf Nowak
Ein Stadtsprecher sagte: "Da gibt es viel zu tun - vor allem für die Dachdecker." Foto: Marius Becker
5 von 7
Ein Stadtsprecher sagte: "Da gibt es viel zu tun - vor allem für die Dachdecker." Foto: Marius Becker
Auch Bäume riss der Wirbelsturm um. Foto: Federico Gambarini
6 von 7
Auch Bäume riss der Wirbelsturm um. Foto: Federico Gambarini
Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW stehen neben Häusern, die von einem Wirbelsturm beschädigt wurden. Foto: Federico Gambarini
7 von 7
Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW stehen neben Häusern, die von einem Wirbelsturm beschädigt wurden. Foto: Federico Gambarini

15 Minuten reichten für Chaos

Viersen im Tornado-Schock: "Schatzi, unsere ganze Terrasse!"

Nach dem Wirbelsturm im Raum Viersen haben Feuerwehr, Baumfäller und Dachdecker alle Hände voll zu tun. Dennoch sagt die Stadt: Wir hatten unheimliches Glück.

Viersen (dpa) - Die Schockmomente des Tornados sitzen vielen Menschen am Niederrhein in den Knochen. Handyvideos zeigen, wie Anwohner den Wirbelsturm erlebten. "Schatzi, unsere ganze Terrasse", ruft eine aufgebrachte Frau in Viersen in einem Video einem Mann zu, zeigt ihm durchs Fenster die Verwüstung: "Die Birke ist weg."

Draußen schweben Papier und andere Abfälle meterhoch. Eine Männerstimme: "Boah, was alles durch die Gegend fliegt. (...) Alle Bäume gehen fliegen." Nach diesem folgenschweren Wirbelsturm vom Mittwochabend mit zwei Verletzten und zahlreichen beschädigten Häusern sind die Aufräumarbeiten nun in vollem Gange.

"Die Stadt hat unheimliches Glück gehabt. Es ist weitgehend bei Sachschäden geblieben", sagte ein Stadtsprecher am Donnerstag. Keines der Häuser in der Stadt sei einsturzgefährdet, alle Menschen hätten zu Hause übernachten können. Der Tornado, der am Mittwochabend über den Raum Viersen gefegt war, deckte nach Stadtangaben allein in dem Stadtteil Viersen-Boisheim die Dächer von etwa 40 bis 50 Häusern ab, rund 150 Menschen sind von den Schäden betroffen. Ein Autofahrer wurde schwer und ein Feuerwehrmann leicht verletzt.

Der Sturm hatte die Stadt völlig überraschend getroffen. Er hatte auf der sogenannten Fujita-Skala für Tornados von Null bis fünf die Stärke F1 (117 bis 180 km/h). Das reichte, um Bäume umzulegen und Hunderte Dachziegel wie Geschosse durch die Luft fliegen zu lassen.

Zum Glück seien die Leute in den Häusern geblieben und nicht von den Ziegeln getroffen worden, sagte der Stadtsprecher. "Jeder Tornado kann lebensgefährlich sein", sagte Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

"Wir gehen davon aus, dass die Aufräumarbeiten relativ schnell abgeschlossen sein werden", sagte der Stadtsprecher. Die Schadenshöhe lasse sich aber noch nicht abschätzen. Am Donnerstag arbeiteten überall in der Stadt Dachdecker. "Nach Pfingsten könnten alles schon wieder aussehen wie vorher", sagte der Sprecher.

Am Abend gesperrte Straßen und Schienen waren am Donnerstagmorgen weitestgehend wieder frei. Auf der Autobahn 61 rolle der Verkehr, es gebe keine Sperrungen mehr, sagte eine Polizeisprecherin. Nach Angaben von Straßen.NRW waren zwei Landstraßen, die nach Viersen-Boisheim führen, zunächst nicht wieder befahrbar. "Auf einer Straße liegt ein komplettes Wäldchen", sagte eine Sprecherin. Die Aufräumarbeiten könnten bis zu einer Woche dauern.

Das Unwetter hatte sich nach ersten Polizeiangaben innerhalb von etwa 10 bis 15 Minuten abgespielt. "Ein sehr eindrucksvoller Tornado zog über den Landkreis Viersen im Westen von NRW hinweg, er richtete hier einige Schäden an", teilte der Wetterunternehmer Jörg Kachelmann auf seiner Internetseite mit. In Deutschland seien in diesem Jahr bisher mindestens sechs Tornados beobachtet worden.

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden über dem Festland entstehen. Konstellationen dafür sind große Wolken, Gewitter und unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen. Unter der Wolke steigt Warmluft nach oben. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und dann wie ein Rüssel aussieht.

Dieser kann einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer und Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde erreichen. Der Unterdruck im Zentrum des Tornados erzeugt einen Sog, hebt Hausdächer an und reißt alles in die Höhe - von Sand bis Autos.

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Welthunger-Index 2019: Klimawandel verschärft den Hunger
Weltweit betrachtet ist genug Nahrung für alle Menschen vorhanden. Doch als Folge von Konflikten, Verteilungsungerechtigkeiten und schlechter Regierungsführung müssen …
Welthunger-Index 2019: Klimawandel verschärft den Hunger
Zahl der Toten nach Taifun in Japan steigt auf 66
Die Lage in Japan nach dem verheerenden Taifun bleibt angespannt. Noch immer werden Menschen vermisst. Und die Zahl der Toten steigt weiter.
Zahl der Toten nach Taifun in Japan steigt auf 66
Rund 65 Autos bei Parkhausbrand beschädigt
In einem Parkhaus am Flughafen Münster/Osnabrück brennen Dutzende Autos aus. Was hat den Brand ausgelöst? Ob ihr Auto betroffen ist, werden Urlauber wohl nicht so …
Rund 65 Autos bei Parkhausbrand beschädigt
Waldbrände in Kalifornien treiben Tausende in die Flucht
Jedes Jahr aufs Neue toben etliche Feuer im US-Westküstenstaat Kalifornien. Und wieder müssen Tausende vor einem Flammenmeer fliehen, das ihre Häuser zu verschlingen …
Waldbrände in Kalifornien treiben Tausende in die Flucht