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Polizisten führen den Täter, der zuvor tödliche Schüsse auf einen Staatsanwalt abgegeben hatte, ab.

Nach Dachauer Bluttat: Ein Augenzeuge berichtet

Dachau - Als die Schüsse am Dachauer Amtsgericht fallen, ist Christian Chymyn, Redakteur beim Münchner Merkur, zufällig vor Ort. Er schildert, wie er das Unfassbare erlebt hat.

Aus reinem Zufall gehe ich in den Sitzungssaal C, eigentlich wollte ich ja in den Sitzungssaal D, zur „vorsätzlichen Körperverletzung“. Ich bin aber zu spät dran, die Verhandlungen laufen schon, deshalb bin ich aus Versehen im anderen Saal gelandet – beim „Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt“.

Ich setze mich gleich auf den ersten Stuhl in der Reihe der Zuhörer. Der Angeklagte ist ganz nahe bei mir. Ich kann ihn genau betrachten: Er ist etwas dicker, ganz schwarz angezogen, bis auf seine braune Winterjacke, er hat graue Haare und einen ganz kurzen Schnauzer. Irgendwie wirkt er seltsam. Seine Krücke hat er neben sich an den Tisch gelehnt. Und seine Winterjacke hat er auch angelassen, noch im Saal.

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Der Mann ist mit dem Verlauf der Verhandlung offenkundig nicht einverstanden. Er regt sich auf, seine Anwältin muss ihn beruhigen. Sie ist noch recht jung. Erst als Richter Lukas Neubeck weiter spricht, merke ich: Ich bin in der falschen Verhandlung. Kurz überlege ich, trotzdem zu bleiben, da ich mir insgeheim denke: Der Mann liefert sicher eine Geschichte. Wie recht ich doch leider behalten sollte.

Als die Schüsse am Dachauer Amtsgericht fallen, ist Christian Chymyn, Redakteur der "Dachauer Nachrichten", zufällig vor Ort.

Plötzlich ertönt ein Knall. Ich dachte noch: Da ist was umgefallen in dem Saal, wahrscheinlich der Kleiderständer. Erst beim zweiten Schuss merke ich: Da schießt jemand. Es kracht noch dreimal. Die Tür springt auf, der Protokollführer rennt aus dem Saal, er schreit etwas. Als ich realisiere, was passiert, renne ich in den Flur, die Treppe hinunter. Als ich bei der Hälfte bin, sehe ich eine andere Gerichtsmitarbeiterin im Flur. Ich schreie: „Da schießt jemand!“ Sie schaut mich ganz verwundert an. Ich renne weiter nach unten, runter in den Keller. Dort geht es mir blitzschnell durch den Kopf: Wenn der jetzt auch runterkommt! Dann bin ich gefangen! Ich schau mich um, sehe eine Tür und hoffe nur, dass sie offen ist. Ist sie. Ich renne nach draußen, auf den Parkplatz des Gerichts, höre wieder, wie jemand schreit: „Es wird geschossen!“ Ich renne weiter, gleich nach rechts, über eine Mauer, durch Gestrüpp, springe über einen Zaun. Ich falle in den Dreck, wieder einmal den angeschlagenen Fuß verknickt, egal.

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Ich stehe auf dem Schlossplatz. Die Beamten stürmen das Gebäude. Sie haben Gewehre in der Hand, riesige Waffen. Eine Schriftführerin rennt aus dem Gebäude, sie ruft: „Wir brauchen einen Notarzt!“ Mir geht gar nichts mehr durch den Kopf. Alles geht so schnell. Sankas fahren auf den Schlossplatz, Sanitäter rennen ins Gericht.

Ich gehe wieder in den Vorraum, dahin, wo ich die Schüsse gehört habe. Die Tür zum Sitzungssaal steht ein Stück weit offen. Ich sehe einen Polizisten, mit einem riesigen Gewehr in der Hand, ich denke mir: Gottseidank, sie haben ihn. Ich gehe zurück ins Freie.

Den gesamten Augenzeugenbericht lesen Sie hier

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