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Schluss mit der Geheimniskrämerei

Politik fordert Öffnung der Gurlitt-Sammlung

Augsburg - Zwei Wochen nach der spektakulären Entdeckung einer Gemäldesammlung in München rätselt die Öffentlichkeit noch immer über die Einzelheiten. Doch der Druck auf die Behörden wächst.

Die Forderungen nach einem offenen Umgang mit den in München entdeckten Bildern des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt werden immer lauter. Der amtierende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte am Montag vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen. „Wir sollten die Sensibilität des Themas in der Welt nicht unterschätzen“, sagte Westerwelle am Rande eines Indien-Besuchs in Neu Delhi der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Vertrauen verspielen, das in langen Jahrzehnten aufgebaut wurde. Das Gebot der Stunde ist jetzt Transparenz.“

Regierungssprecher Steffen Seibert stellte eine Veröffentlichung einer Liste von Werken aus Gurlitts Bestand mit unklarer Erwerbsgeschichte in Aussicht. „Wir wollen das vorantreiben, und wir werden noch in dieser Woche weitere Einzelheiten zum Prozedere bekanntgeben können“, sagte Seibert in Berlin. Er schränkte allerdings ein, das Aufklärungsinteresse der Öffentlichkeit und die Interessen der Justiz müssten miteinander in Einklang gebracht werden. „Wir müssen ein rechtsstaatliches Verfahren finden.“

In Gurlitts Münchener Wohnung warenrund 1400 vielfach verschollen geglaubte Werke gefunden worden. Eine öffentliche Auflistung könnte Klarheit darüber schaffen, ob einzelne Werke von den Nationalsozialisten geraubt oder verfolgten Juden zu Spottpreisen abgehandelt wurden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte am Wochenende zugesagt, die Herkunftsrecherche zügig voranzubringen.

DerPräsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, forderte die Bundesregierung auf, „die Bilder sichtbar zu machen“. In der „Welt“ (Montagausgabe) verlangte Lauder, „die Polizei und die Politik müssen sofort eine Inventur machen und den gesamten Fundus ins Internet stellen. Jeder hat dann die Möglichkeit zu sehen, was vorhanden ist.“ Es sei wertvolle Zeit vergeudet worden.„Weder die möglichen Anspruchsberechtigten noch etwaige Zeugen im Rückgabeverfahren werden jünger“, zitierte die Zeitung den WJC-Präsidenten.

Derfrühere Kulturstaatsminister Michael Naumann verlangte, alle Werke auf der Website www.lostart.de ins Internet zu stellen. Zudem müsse die Herkunftsforschung professionalisiert werden. „Es geht doch nicht, dass damit eine einzelne Kunsthistorikerin beauftragt ist, die als Expertin für "Entartete Kunst" gilt“, sagte er im „Art“-Magazin. Die Staatsanwaltschaft Augsburg sei ganz offenkundig überfordert.

„Sie können davon ausgehen, dass wir flexibel auf die aktuellen Umstände reagieren und das Erforderliche im Hinblick auf die Interessen der Geschädigten und den Fortgang der Ermittlungen in die Wege leiten“, betonte dagegen ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Nach den derzeitigen Gegebenheiten schöpfen wir alle Möglichkeiten aus.“

Auch der deutsche Vertreter der Jewish Claims Conference, Rüdiger Mahlo, forderte eine sofortige Offenlegung. „Angesichts der vielen Fragezeichen kann das Gebot der Stunde nur lauten: Umgehend größtmögliche Transparenz schaffen“, sagte Mahlo dem Magazin. So könnten mögliche Anspruchsberechtigte auch einen aktiven Beitrag zur Klärung der Herkunft von Bildern leisten.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatte sie in seiner Wohnung in München-Schwabing die Bilder beschlagnahmt, was erst vergangene Woche bekannt wurde.

dpa

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