+
Mit Hilfe eines Herpes-Virus will Australien die Zahl der Karpfen verringern und heimische Arten schützen. Foto: Frank Rumpenhorst

Virus als Waffe

Australiens umstrittener Plan gegen die Karpfen-Plage

Der Karpfen gehört auf dem fünften Kontinent nicht zu den heimischen Fischarten. Dennoch dominiert er in vielen australischen Flüssen. Das will die Regierung jetzt ändern. Experten sind alarmiert.

Sydney (dpa) - Radikalmaßnahmen gegen einen Eindringling: Australien will dem vor mehr als 160 Jahren eingeführten Karpfen mit einer umstrittenen Strategie den Garaus machen.

Die Regierung plant, ein ansteckendes Herpes-Virus in Australiens größtem Flusssystem Murray-Darling-Becken im Südosten des Kontinents einzusetzen. Dort machen die Karpfen (Cyprinus carpio) 80 bis 90 Prozent der Fischmasse aus. Ziel ist es, die Zahl der Karpfen zu verringern und heimische Arten zu schützen.

Doch Wissenschaftler warnen, dieser 15 Millionen Australische Dollar (knapp 10 Millionen Euro) teure Plan berge Risiken. Zunächst müssten mehr Daten zu Sicherheit und Effizienz vorliegen, bevor dieses teure und unumkehrbare Experiment losgehe, fordern sie in einem Beitrag im Wissenschaftsmagazin "Science".

Bei dem Erreger handelt es sich um das karpfen-spezifische Virus CyHV-3, von dem angenommen wird, dass es nicht natürlich in Australien vorkommt und Zuchtkarpfen vernichtet.

Die Wirksamkeit schätzen die Wissenschaftler aber eher als gering ein. Dies zeigten bisher gewonnene Daten. So sei das Virus bei Temperaturen über 30 Grad nicht mehr ansteckend. "Infizierte Karpfen flüchten sich in wärmere Gewässer, von denen es viele in Australiens Flüssen gibt", schreibt Jonathan Marshall von der Griffith Universität in Nathan zusammen mit Kollegen. Damit könnten sich auch infizierte Fische weiter reproduzieren. Zudem könnten sich heimische Fischarten ebenfalls infizieren.

Ursprünglich war der Karpfen in den 1860er Jahren für den Aufbau von Fischfarmen in Australien eingeführt worden. Eine Karpfen-Linie, die Boolara, geriet in den 1960er Jahren dann aber aus Versehen in das Flusssystem. Seitdem vermehren sich die Fische und dominieren über heimische Arten. Karpfen können sich den Forschern zufolge sehr gut auf viele Lebensräume einstellen, und das sogar bei schlechter Wasserqualität.

Mitteilung australische Regierung (Englisch)

Artikel in Magazin "Science" (Englisch)

Informationen über Herpes-Virus (Englisch)

Informationen auf Webseite der Forschungsbehörde CSIRO (Englisch)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

12-Jähriger läuft von der Schule nach Hause - Heimweg nimmt ein blutiges Ende
Großer Schock für einen 12-jährigen Jungen: Auf seinem Heimweg wurde das Kind von einem unbekanntem Hund angegriffen. 
12-Jähriger läuft von der Schule nach Hause - Heimweg nimmt ein blutiges Ende
Ehepaar streitet sich auf Autobahn - was Mann dann macht, verblüfft sogar die Polizei
Ein Ehepaar ist auf der Autobahn unterwegs. Das Verhalten des Mannes, als ein Streit eskaliert, sorgt sogar bei erfahrenen Beamten für Kopfschütteln.
Ehepaar streitet sich auf Autobahn - was Mann dann macht, verblüfft sogar die Polizei
Trucker ist in 40-Tonnen-Lkw unterwegs - plötzlich passiert das Unglück
Das hätte ganz böse enden können: Ein Lkw rast ungebremst in den Gegenverkehr. Verletzt wurde niemand, aber der Schaden ist immens.
Trucker ist in 40-Tonnen-Lkw unterwegs - plötzlich passiert das Unglück
17-Jähriger in Hyundai prallt gegen Baum - Polizei findet schreckliches Bild vor
Ein im Hyundai Getz eingeklemmter 17-Jähriger musste aus dem Auto befreit werden. Im Einsatz waren 45 Rettungskräfte - darunter Polizei, Feuerwehr und Sanitäter.
17-Jähriger in Hyundai prallt gegen Baum - Polizei findet schreckliches Bild vor

Kommentare